2. Korinther 5,20

Lasst euch versöhnen mit Gott!
 

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

2. Jesus Christus - Gott und Mensch

In der Heiligen Schrift gibt es keine wichtigere Frage als die, die der Herr Jesus den Menschen Seiner Tage selbst stellte: "Was dünkt euch von dem Christus? Wessen Sohn ist er?" (Mt 22,42). Diese wenigen Worte sind der Zentralpunkt, um den sich alles dreht. Die Grundlagen des Glaubens sind unzertrennbar mit dieser Frage verbunden, und jeder Fehler oder Irrtum in dieser Sache hat weitestreichende Folgen; man kann in den übrigen Dingen nicht recht stehen, wenn man nicht recht von Ihm denkt.

Unser Gegenstand ist nun, aufzuzeigen, daß die Heilige Schrift zeigt, daß unser Herr Jesus Christus wahrer Gott ist, der in alles Denken und Verstehen übersteigender Gnade wahrer Mensch wurde zur Offenbarung der Herrlichkeit Gottes und zu unserer Erlösung. Wir wollen die beiden Seiten unseres Gegenstandes getrennt behandeln und mit der Gottheit des Herrn Jesus beginnen.

Das Zeugnis des Alten Testamentes über die Gottheit Christi

Man sagt: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und das ist auch so in bezug auf das Kommen unseres Herrn. Seit der frühesten Weissagung in 1. Mose 3,15 nehmen die prophetischen Hinweise auf den kommenden Befreier im Alten Testament ständig zu. Von so großer Majestät ist diese Person, daß sie ihre Schatten viertausend Jahre vorauswirft.

Wenden wir uns nun einigen herausragenden Stellen im Alten Testament zu, die von der Person und dem Charakter des Kommenden Zeugnis geben. In Jesaja 7,14 verheißt Gott dem Ahas und seinem Volke ein "Zeichen": "Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen Immanuel heißen." Wie Matthäus 1,23 zeigt, bezieht sich diese Weissagung direkt auf den Herrn Jesus, wobei auch die Erklärung des Namens Immanuel gegeben wird: "Gott mit uns." Jesaja 8 gibt weitere Einzelheiten bezüglich des Kommenden, und es ist interessant, daß die beiden letzten Worte des hebräischen Textes von Vers 10 zusammen den Namen Immanuel ergeben. In den Versen 14-18 wird uns klar die Verwerfung des Kommenden durch Sein Volk angedeutet. Dann, in Jesaja 9,6, entdecken wir, daß der Sohn der Jungfrau nicht nur für sie selbst allein geboren werden würde, sondern als Gabe Gottes an das ganze Israel: "Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter." Außerordentlich kostbar und belehrend ist der Name, der dem kommenden Befreier und König beigelegt wird und der eine fünffache Herrlichkeit umschließt. "Name" bedeutet in der Heiligen Schrift immer das, was die Person, die ihn trägt, von sich offenbart. Die uns hier vorgestellten fünf Seiten oder Charaktere des Namens des Sohnes sind diese:

"Wunderbarer": Seine Person ist einzigartig und alle menschliche Kenntnis übersteigend.

"Berater": Er ist durch Weisheit, Fähigkeit und Autorität gekennzeichnet; Er ist völlig vertraut mit dem Geheimnis der göttlichen Ratschlüsse und ist fähig, sie zu verwirklichen.

"Starker Gott": Dies ist der volle Titel Seiner Gottheit. Es ist bezeichnend, daß hier "Gott" im Hebräischen nicht, wie meist üblich, in der Mehrzahl, sondern in der Einzahl steht: EL - nicht Elohim. Der Sohn der Jungfrau ist - wenn wir so sagen dürfen - in der Einzahl Gott, ist Gott in Seiner eigenen Person.

" Vater der Ewigkeit": Aus Ihm entspringt alles, auch die Zeitalter der Ewigkeit.

"Friedefürst": Er wird in Gerechtigkeit regieren, und das wird zum wahren und bleibenden Frieden im Himmel und auf Erden führen (vgl. Lk 19,38).

Wenn wir die weitreichenden Aussagen dieses kostbaren Verses in einem kurzen Satz zusammenfassen wollen, so bleibt uns nur die Feststellung: Er ist Gott!

Eine weitere für unseren Gegenstand wichtige Stelle finden wir in Micha 5,1 : "Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her." Auch diese Stelle wird im Matthäus-Evangelium (Kapitel 2, 6) zitiert und direkt auf den Herrn Jesus bezogen. Wie Micha 4,14 zeigt, würde der "Richter Israels" mit dem Stabe auf den Backen geschlagen, d. h. verworfen werden; aber dieser" heilige Knecht" (Apg 4,27) ist in Seiner Person so unendlich groß, daß Seine Ausgänge von den Tagen der Ewigkeit her sind. Kein Ausweichen läßt dieses hehre Wort zu: Das Kindlein, das in der Krippe Bethlehems lag, war niemand anders als Der, dessen Ausgänge von den Tagen der Ewigkeit her sind. Wieder müssen wir sagen, daß es nur ein Wort gibt, das das wahre Wesen dieser Person, die im Fleische gekommen und als Kindlein in der Krippe sichtbar war, wiedergeben kann: Gott.

Das Zeugnis der Gottheit Christi im Neuen Testament

In Johannes 8,58 finden wir das Zeugnis des Herrn Jesus selbst über Seine Gottheit: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham ward, bin ich." Die Juden Seiner Tage verstanden sehr wohl, daß Sein Anspruch, der Sohn Gottes zu sein, nichts anderes bedeutete, als Gott der Sohn zu sein (vgl. Johannes 5,18 und Johannes 10,33).

In Matthäus 3,17 Matthäus 17,5 haben wir das Zeugnis des Vaters: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe." Niemals zuvor hatte sich der Himmel über eine Person geöffnet, um auf sie herabzublicken. Später sah Stephanus den Himmel geöffnet und - zu seiner Stärkung - den Herrn Jesus verherrlicht zur Rechten Gottes stehen; aber am Jordan blickte nicht der Herr Jesus in den geöffneten Himmel, sondern der Himmel blickte mit Wohlgefallen auf diese Person, und die Stimme des Vaters wird gehört, die Ihn als Seinen geliebten Sohn anerkennt.

Das Zeugnis Johannes des Täufers wird uns in Johannes 1,15 und Johannes 1,34 gegeben: "Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir Kommende ist mir vor, denn er war vor mir." "Und ich habe gesehen und habe bezeugt, daß dieser der Sohn Gottes ist." Der Heilige Geist läßt keinen Zweifel daran, daß Johannes wurde (so lautet wörtlich der 6. Vers: "Da ward ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes"), aber der nach ihm Kommende war ihm vor, denn Er war vor ihm (Vers 30).

Selbst die Dämonen gaben Ihm Zeugnis: "Du bist der Sohn Gottes" (Markus 3,11; Mt 8,29). Nicht daß der Herr Jesus dieses Zeugnisses bedurft oder es auch nur angenommen hätte - Er erwählte sich, wie die folgenden Verse von Markus 3 zeigen, andere Zeugen, und einer von ihnen, Simon Petrus, bezeugt den Herrn Jesus als den "Sohn des lebendigen Gottes" (Mt 16,16). Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, daß die Dämonen niemals den Herrn Jesus als Herrn, wohl aber Seine Herrlichkeit als Sohn Gottes anerkennen. Doch es wird die Stunde kommen, wo jede Zunge, auch die der Unterirdischen, bekennen muß, daß Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters (Phil 2,11).

Von besonderer Bedeutung und Tiefe ist das Zeugnis, das der Apostel Johannes in den vier ersten Versen seines Evangeliums von der Person des Herrn Jesus gibt. In diesen wenigen Versen werden uns sechs außerordentliche Tatsachen von dem "Wort" genannt.

(1) "Im Anfang war das Wort." Er begann nicht, etwas im Anfang zu sein, sondern Er war, d. h. Er existierte im Anfang. Das Wort hat ewige Existenz.

(2) "Das Wort war bei Gott." Wenn es bei Gott war, dann bedeutet das, daß das Wort eine eigene, unterschiedene Persönlichkeit besitzt.

(3) "Das Wort war Gott" Obwohl in Seiner Person unterschieden, ist Er nichtsdestoweniger und kein Geringerer als Gott Das Wort hat wesenseigene Gottheit.

(4) "Dieses war im Anfang bei Gott." Der Herr Jesus ist daher nicht nur eine reine Offenbarung der Gottheit in der Zeit; das Wort besitzt vielmehr eine ewige Persönlichkeit.

(5) "Alles ward durch dasselbe; und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist" Er war der tätige Schöpfer, und nichts gelangte ohne Ihn zum Dasein. Das Wort wurde nicht gemacht, sondern es machte alles. Das Wort ist ursprünglich, ist der Schöpfer.

(6) "In ihm war Leben." Wohl haben auch die Gläubigen Leben; aber sie haben es nicht in sich selbst, sondern in dem Sohne. Das Wort hat wesenseigen Leben in sich.

Besteht noch irgendein Zweifel, wer "das Wort" ist? Dann brauchen wir nur weiterzulesen, bis wir an die Verse 14 bis 17 kommen: "Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns ... voller Gnade und Wahrheit ... Johannes zeugt von ihm ... denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.

Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden." Das Wort hat eine vollkommene Menschheit angenommen, und als Mensch ist Sein Name JESUS CHRISTUS. Es ist gewiß nicht von ungefähr, daß die drei Stellen, die wir schon betrachtet haben (Jes 9, Micha 5, Joh 1), nicht allein die Gottheit des Herrn Jesus Christus, sondern ebenso klar Seine wahre Menschheit bestätigen. Doch ehe wir uns mit der zweiten Seite, der Menschheit des Herrn, weiterbeschäftigen, möchten wir anderen Hinweisen im Neuen Testament auf die Gottheit Jesu Christi nachgehen.

An mehreren Stellen seiner Briefe bezeugt auch der Apostel Paulus, inspiriert durch den Heiligen Geist, die Gottheit des Herrn Jesus. ln Römer 9,5 sagt er, nachdem er von den Vorrechten und Vätern Israels gesprochen hatte: "Aus welchen, dem Fleische nach, der Christus ist, welcher über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit." Dies war gleichsam Israels krönende Herrlichkeit, daß aus diesem Volk Der kam, der nicht nur ihr Messias, sondern Gott, gepriesen in Ewigkeit, war. Er war Immanuel, der Gott Israels. Wenn wir auch jetzt aus Platzgründen nicht auf die paulinischen Zeugnisse der Gottheit Christi in Kolosser 1 und Hebräer 1 eingehen können, so möchten wir doch eben noch auf eine besondere Stelle hinweisen, auf Titus 2,13, wo von der glückseligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit "unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus" gesprochen wird. Hier weist der griechische Text eine zu beachtende Besonderheit auf, die mit einer Regel der griechischen Grammatik in Verbindung steht: Steht vor zwei durch "und" verbundenen Hauptwörtern ein gemeinsamer Artikel, so werden entweder zwei Seiten oder Qualitäten ein und derselben Person oder einer und derselben Sache dargestellt, oder es werden zwei verschiedene Personen mit ein und derselben Qualität vorgestellt. Nun, das gerade ist hier der Fall. Zwischen "Gottes" und "Heilandes Jesus Christus" steht die verbindende Konjunktion "und"; und vor der Wendung "unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus" steht der gemeinsame Artikel (im Deutschen nicht sichtbar). Wie exakt ist die Ausdrucksweise des Heiligen Geistes! Er zeigt damit aufs deutlichste an, daß Er hier nur von einer Person, von Jesus Christus, spricht, der sowohl unser "großer Gott" als auch unser "Heiland" ist.

Auch Petrus steht den übrigen Aposteln in der Bezeugung der Gottheit Christi nicht nach; er benutzt zu Beginn seines zweiten Briefes dieselbe Ausdrucksform wie Paulus in Titus 2 und spricht von der Gerechtigkeit "unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus" (Vers 1): Jesus Christus ist unser Gott und Heiland.

Weitere Hinweise auf die Gottheit Christi

Abgesehen von den bisher betrachteten klaren Aussagen der Heiligen Schrift selbst über die Gottheit unseres Herrn, gibt es im Neuen Testament noch eine ganze Anzahl kostbarer Hinweise auf diese Tatsache. Niemals finden wir bei den zahlreichen Wundern, die der Herr vollbrachte, daß Er den Namen Gottes dabei angerufen hätte. Wohl sehen wir Ihn bei der Auferweckung Lazarus' im Gebet zu Seinem Vater; das war der vollkommene Ausdruck Seiner Abhängigkeit und Seines Gehorsams, und Er tat es um der umherstehenden Volksmenge willen, "auf daß sie glauben, daß du mich gesandt hast". Aber dann rief Er einfach mit lauter Stimme: "Lazarus, komm heraus!" Als Er sich mit Seinen Jüngern den Toren der Stadt Nain nahte und die Witwe sah, deren einziger Sohn tot hinausgetragen wurde, da rührte Er, innerlich bewegt über sie, die Bahre an und sprach: "Jüngling, ich sage dir, stehe auf!" (Lk 7,14). Der Apostel Petrus dagegen läßt keinen Zweifel daran, daß er den Gelähmten, der an der schönen Pforte des Tempels gelegen hatte, nicht in eigener Kraft, sondern "in dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers", geheilt habe (Apg 3,6; 4,10).

Der Herr Jesus war der Schöpfer-Gott; Ihm gehorchten die Kräfte der Natur, Ihm gehorchten auch die Fische. Wiederholt tat Er in Verbindung mit Fischen Wunder (Mt 17,24 ff; Lk 5,1 ff; Joh 21,6). Wieviel größer war Er, obwohl als einfacher Mensch auf der Erde, als Nebukadnezar, das Haupt von Gold, dem Gott die Macht und die Gewalt überall da gegeben hatte, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnten (Dan 2,38)! Alles hatte Er in seine Hand gegeben und ihn zum Herrscher über sie alle gesetzt: Die Herrschaft über "die Fische des Meeres" (Ps 8,8) jedoch wird bei ihm nicht erwähnt!

Der Herr Jesus vergab als Sohn des Menschen auf Erden Sünden. Die Schriftgelehrten erkannten, wie ungeheuerlich dies war, und überlegten in ihren Herzen: "Was redet dieser also? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben, als nur einer, Gott?" (Mk 2,7). Was das letztere angeht, so hatten sie durchaus recht; aber in ihrem Unglauben erkannten sie nicht, daß diese Person vor ihnen Gott war.

Wiederholt wurde der Herr Jesus auf Erden angebetet, ohne daß Er dem gewehrt hätte (vgl. Mt 2,11; 8,2; 9,18; 28,9; Joh 20,28). Als Johannes auf Patmos die richterliche Gestalt des Herrn Jesus sah, fiel er wie tot zu Seinen Füßen (Off 1,17);aber wenn er später zweimal zu den Füßen des Engels, der ihm "diese Dinge" zeigte, niederfällt, um anzubeten, so wehrt ihm der Engel entschieden mit den Worten: "Siehe zu, tue es nicht, ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben; bete Gott an!" (Off 19,10; 22,8).

Wenn wir nun nach all dem, was wir bisher betrachtet haben, auf die eingangs erwähnte Frage des Herrn zurückkommen: "Was dünkt euch von dem Christus? wessen Sohn ist er?", wie wird unsere Antwort lau­ten? 0, wir, die an Ihn glauben dürfen, antworten mit glücklichem Herzen wie einst Petrus: Er ist der Sohn des lebendigen Gottes, ist Gott der Sohn.

Die Menschheit Jesu Christi

Die Heilige Schrift bezeugt uns nicht nur, daß der Herr Jesus Christus der wahrhaftige Gott ist, sondern sie legt ebenso Wert auf die Feststellung, daß Er wahrhaftig Mensch ist. Manche mögen meinen, das letztere sei nicht so entscheidend, aber das ist ein großer Irrtum. Sollte der Herr Jesus der Mittler zwischen Gott und Menschen sein, so mußte Er, um Gott zu den Menschen bringen zu können, wahrhaftig Gott sein; um aber den Menschen zu Gott zu bringen, mußte Er wahrhaftig Mensch sein. Menschen hatten gesündigt, und nur ein Mensch konnte stellvertretend für sie sterben. Doch da wir auf diesen Gegenstand später einzugehen gedenken, wollen wir es für den Augenblick bei diesen knappen Andeutungen bewenden lassen. Der große Widersacher und Verderber des Glaubens hat jedenfalls nicht geruht, auch die Wahrheit von der Menschheit Christi von den frühen Tagen der Kirche an bis heute anzugreifen und zu unterhöhlen, wohl wissend, von welcher Wichtigkeit sie ist.

Geist, Seele und Leib

Wie uns 1. Thessalonicher 5,23 zeigt, hat Gott den Menschen als aus drei Teilen bestehend geschaffen - Geist und Seele und Leib. Viele Stellen im Neuen Testament weisen darauf hin, daß auch der Herr Jesus als Mensch diese drei Teile besaß. Doch wollen wir jetzt nur die Worte anführen, die in dieser Sache aus dem Munde des Herrn Jesus selbst kamen. In Lukas 23,46 sagt Er "meinen Geist", in Markus 14,34 "meine Seele" und in Matthäus 26,12 "meinen Leib".

Wir können das Wunder Seiner Erniedrigung, wie sie uns in Philipper 2 geschildert wird, nicht verstehen; aber aus den Worten des Herrn selbst lernen wir, daß Er als Mensch auf der Erde einen menschlichen Geist, eine menschliche Seele und einen menschlichen Leib besaß. Zwei Stellen aus dem Hebräerbrief weisen auf dieselbe anbetungswürdige Tatsache hin. Hebräer 2,17 sagt uns, daß Er in allem den Brüdern gleich werden mußte. Beachten wir diese beiden wichtigen Worte "IN ALLEM"! Wenn "in allem", dann nach Geist, nach Seele und nach Leib. Hebräer 4,15 fügt eine weitere Bestätigung dieser großen Tatsache hinzu. Hier lesen wir, daß unser großer Hoherpriester "in allem" (gemäß allem) "versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde". Wieder haben wir hier die bei den bedeutungsvollen Worte, wie zuvor, "in allem", wobei im Falle Seiner Versuchung die beschränkenden Worte "ausgenommen die Sünde" wohl zu beachten sind. Während uns in Vers 14 die Größe unseres Hohenpriesters sowohl in Seiner Person als der Sohn Gottes als auch in Seiner Stellung in den Himmeln vorgestellt wird, legt Vers 15 den Nachdruck auf Seine unergründliche, herablassende Gnade, die in der Tatsache zum Ausdruck kam, daß Er praktischerweise alle Versuchungen erfahren hat, die Seine Heiligen anfechten mögen, ausgenommen die Versuchungen durch unsere gefallene Natur, die Er nie besaß. Er war immer "das Heilige" (Lk 1,35). Einige Versuchungen wenden sich an den Geist, andere an die Seele, andere wieder an den Leib. Es ist tatsächlich nicht schwierig zu erkennen, wie der Teufel den Herrn in der Wüste in den drei abschließenden Versuchungen nach diesen drei Richtungen versuchte.

Gott und Mensch

Wenn wir in 1. Johannes 4,2 den Ausdruck "Jesum Christum, im Fleische gekommen" finden, so bedeutet er nicht einfach, daß der Herr Jesus Mensch geworden ist. Er besagt vielmehr, daß Christus Gott war und blieb, auch dann, als es Ihm gefiel, als Mensch auf diese Erde zu kommen. In diesem Sinne konnte sowieso kein Mensch "kommen", Auch hätte es absolut keinen Sinn zu sagen, daß Cicero und Julius Cäsar "im Fleische gekommen" seien. Wie hätten sie denn sonst kommen sollen? Von Anfang an waren sie nichts anderes als "Fleisch". Aber Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, hätte wenn es der Ratschluß Gottes gewesen wäre - anders kommen können als "im Fleische", beispielsweise als Engel. Aber Er kam im Fleische, kam in der Gestalt eines Menschen, um also Gott zu offenbaren und zu verherrlichen. Gott ist geoffenbart worden im Fleische (1. Tim 3,16).

Die beiden Stellen aus Hebräer 2 und 4 und 1. Timotheus 2,5 ("Gott ist einer, und einer Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus") machen völlig klar, daß der Herr Jesus, wenn Er unser Hoherpriester und Mittler werden sollte, Mensch in dem vollen Sinne des Wortes werden mußte. Er ist der "Schiedsmann", nach dem Hiob sehnsüchtig Ausschau hielt, "daß er seine Hand auf uns beide legte", Er wußte, daß Gott nicht ein Mensch war wie er, und er erkannte, daß jemand kommen mußte, der groß genug war, seine Hand auf Gott zu legen, und der auch gnädig genug war, seine Hand auf einen solchen zu legen, wie er, Hiob, war.

Das Neue Testament ist die Offenbarung dieses Schiedsmannes, den Hiob ersehnte - des Herrn Jesus, der Gott und Mensch ist.

Wir haben im Alten Testament unter anderem in der Bundeslade ein kostbares Vorbild von der Gottheit und Menschheit Christi in einer Person. Sie bestand ihrer äußeren Konstruktion und ihrer Form nach aus Akazienholz, welches ein Bild der wahren Menschheit Christi ist. Aber inwendig und auswendig war sie mit reinem Gold überzogen, und das redet von der wahren Gottheit unseres Herrn. Aber es war nur eine Lade, ein Hinweis darauf, daß sich diese beiden Naturen in einer Person befinden. Aber das Auge Gottes und auch das Auge des Glaubens sahen in Ihm mehr als einen Menschen, sahen in Ihm Gott den Sohn. Wenn auch das Wort Fleisch ward und unter uns wohnte, so bezeugt doch Johannes: "Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater" (Joh 1,14).

Kaum etwas führt den Gläubigen mehr zur Anbetung Seines Namens, als wenn er diesen beiden Seiten in der Person Christi, dem Akazienholz und dem reinen Golde, im Neuen Testament nachforscht. In 2. Korinther 13 wird uns gesagt, daß Christus "in Schwachheit gekreuzigt worden ist"; aber Hebräer 1,3 zeigt uns, daß Er alle Dinge durch das Wort Seiner Macht trägt, zu jedem Zeitpunkt. Und wenn Er in Schwachheit gekreuzigt wurde, so wurde Er "als Sohn Gottes in Kraft erwiesen dem Geiste der Heiligkeit nach durch Totenauferstehung" (Röm 1,4).

Wenn der unermüdliche Diener, wie Markus Ihn uns schildert, bei einer Gelegenheit im Hinterteil des Schiffes auf einem Kopfkissen schlief, so zeigt uns dies, wie wirklich Er Mensch war; und es ist absolut nichts Böses, müde zu sein, aber es ist etwas völlig Menschliches. Doch einige Augenblicke später erhebt Er sich zu der ganzen Würde Seiner göttlichen Person und gebietet Wind und Wellen (Markus 4,38-41).

Ein anderes Mal sehen wir Ihn ermüdet von der Reise an einer Quelle Jakobs sitzen, so abhängig von dieser Welt, die durch Ihn ward, daß Er eine sündige Frau bitten mußte, Ihm zu trinken zu geben. Ist das nicht das Akazienholz? Aber wie strahlt dann das Gold hervor, wenn wir Ihn fähig und willens sehen, lebendiges Wasser zu geben, das nicht nur den Durst der Seele für ewig zu stillen vermag, sondern in der wiedergeborenen Seele eine Quelle Wassers werden würde, das ins ewige Leben quillt (Joh 4,6.10.14!

Wie wunderbar ist das Geheimnis Seiner Person! Es sind des Herrn eigene Worte, daß niemand den Sohn erkennt, als nur der Vater (Mt 11,27); und das zeigt uns, daß geheimnisvolle Tiefen in Ihm sind, die das Geschöpf, wie sehr es auch begnadigt und erhoben werden mag, niemals ergründen kann. Es sind schon in der Schöpfung unvorstellbare Geheimnisse enthalten. Ist es dann verwunderlich, daß, wenn der Schöpfer in Seine Schöpfung als Mensch eintritt, in der Art und Weise, wie Er das tut, Geheimnisse enthalten sind, die unseren Verstand übersteigen?

Die Wahrheit von der absoluten und wesenseigenen Gottheit Christi ist in der Heiligen Schrift ebenso überreichlich bezeugt wie die Wahrheit von der Wirklichkeit, Fülle und Vollkommenheit Seiner Menschheit. Zu beginnen, über diese Dinge Theorien aufzustellen, ist nur der Ausfluß der Unverschämtheit des menschlichen Geistes. Wir wollen vielmehr im Glauben den Platz von Anbetern einnehmen, die ihre Häupter in Demut niederbeugen und Dem Huldigung darbringen, "welcher, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist" (Phil 2,6.7)!

 

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