2. Korinther 5,20

Lasst euch versöhnen mit Gott!
 

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

2. Welches ist der Mittelpunkt, um den die Versammlung versammet ist?

Das führt uns direkt zu unserem zweiten Punkt, nämlich zu der Frage, welches der Mittelpunkt ist, um den die Versammlung Gottes zusammenkommt. Der Mittelpunkt ist Christus - der lebendige Stein, wie wir im ersten Petrusbrief lesen: "Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt kostbar, werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus" (1. Petr 2,4.5).

Die Versammlung Gottes ist also um die Person des lebendigen Christus versammelt. Nicht um eine Lehre, so wahr sie auch sein mag; nicht um Verordnungen, so wichtig sie auch erscheinen mögen, sondern um eine lebendige, göttliche Person. Das ist ein ganz grundlegender Punkr, der mit Entschiedenheit erfaßt, beharrlich festgehalten und treu und beständig bekannt und ausgelebt werden muß. Es heißt hier: "Zu welchem kommend", und nicht: "Wozu kommend". Wir versammeln uns nicht um eine Sache, sondern um eine Person. "Deshalb laßt uns zu ihm hinausgehen" (Hebr 13,13). Der Heilige Geist führt uns ausschließlich zu Jesu hin. Nichts Geringeres kann uns von Nutzen sein. Wir mögen davon reden, einer Versammlung anzugehören oder Mitglied einer Gemeinde geworden zu sein, oder auch, dass wir uns einer bestimmten Gruppe, einer Sache oder einem Kreis angeschlossen haben. Alle diese Ausdrücke führen jedoch zu getrübten und unklaren Gedanken und rauben uns die klare Sicht über die görrliche Vorstellung von der Versammlung Gottes. Es ist nicht unsere Sache, uns irgendeiner Bewegung anzuschließen. Als Gott uns zur Bekehrung brachte, hat Er uns durch Seinen Geist mit Christus verbunden, und das sollte uns genügen. Christus allein ist der Mittelpunkt der Versammlung Gottes.

Jede Seele sollte sich Ihm unterordnen

Und, mögen wir uns fragen, ist Er nicht völlig ausreichend? Genügt es uns nicht, "dem Herrn hinzugetan zu werden" (Apg 5,14; 11,24)? Warum sollte man dem noch irgend etwas hinzufügen wollen? "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Matthäus 18,20). Was könnten wir daerüber hinaus noch benötigen? Wenn der Herr Jesus in unserer Mitte ist, warum sollten wir dann noch daran denken, einen menschlichen Vorsitzenden einzusetzen? Warum nicht einmütig und von Herzen Ihm den Vorsitz einräumen und alles Ihm unterordnen? Warum eine menschliche Autorität - welcher Art auch immer - in der Versammlung Gottes aufrichten? Aber so ist es geschehen, und es ist gut, deutlich darauf hinzuweisen. Der Mensch hat sich in dem, was bekennt, Versammlung Gottes zu sein, in den Vordergrund gedrängt. Wir sehen, wie menschliche Autorität in den Bereich ausgeübt wird, in dem doch allen die göttliche Autorität anerkannt werden sollte. Dabei ist es dem Grundsatz nach gleichgültig, ob es sich um Päpste, Pastoren, Priester oder Präsidenten handelt. Der Mensch tritt an den Platz, der allein Christus gebührt. Mag es sich darum handeln, dass der Papst einen Kardinal, einen Gesandten oder einen Bischof für einen bestimmten Bereich ernennt, oder dass ein Präsident einen Mann auffordert, eine Ermahnung weiterzugeben oder ein zehnminütiges Gebet zu sprechen. Der Grundsatz ist in allen Fällen der gleiche. Menschliche Autorität wird in einem Bereich wirksam, wo allein göttliche Autorität anerkannt werden sollte. Wenn Christus in unserer Mitte ist, dann können wir auch in allem auf Ihn rechnen.

Wenn wir das so vorstellen, dann erwarten wir einen scheinbar einleuchtenden Einwand. Von den Vertretern menschlicher Autorität könnte vorgebracht werden: "Wie kann eine Versammlung ohne irgendeine menschliche Leitung je zurechtkommen? Muß das nicht zu allem möglichen Durcheinander führen? Öffnet das nicht jedem, der sich in der Versammlung vordrängen will. Tür und Tor, unabhängig davon, ob er eine Gabe oder Fähigkeit besitzt? Führt das nicht dazu, dass bei jeder sich bietenden Gelegenheit plötzlich Menschen aufstehen, die uns mit leerem Geschwätz und ermüdender Großtuerei plagen?"

UnsereAntwort darauf ist ganz einfach: Jesus genügt voll und ganz für alle Bedürfnisse. Wir können Ihm vertrauen, dass Er in Seinem Haus die Ordnung aufrechterhält. Wir fühlen uns in Seiner gütigen und mächtigen Hand weitaus sicherer, als in den Händen selbst des anziehendsten menschlichen Präsidenten. Der Herr Jesus ist die Quelle aller Autorität im Dienst. Er hält die sieben Sterne in Seiner Rechten (Offb 2,1). enn wir uns in allem Ihm anvertrauen, wird Er für die Ordnung in der Versammlung die gleiche Sorge tragen, wie für die Errettung unsere Seelen. Das ist auch der Grund dafür, dass wir den Titel unseres Aufsatzes "Die Versammlung Gottes" verbunden haben mit dem Untertitel "Der Herr Jesus genügt für alle Bedürfnisse!". Wir sind davon überzeugt, dass in dem Herrn Jesus wirklich alles zu finden ist; nicht nur. was die persönliche Errettung betrifft, sondern auch für alle Erfordernisse der Versammlung - sei es für die Anbetung, die Gemeinschaft, den Dienst, die Zucht, die Verwaltung, einfach für alles. Haben wir Ihn, dann haben wir alles, und sogar im Überfluß.

Menschliche Autorität verunehrt den Herrn

Das ist das eigentliche Kernstück, das Wesentliche unseres Themas. Unser erklärtes Ziel und unsere Absicht ist es, den Namen des Herrn Jesus zu erhöhen; und wir sind der Meinung, dass Er in dem, was sich Sein Haus nennt, verunehrt worden ist. Er ist entthront worden und an Seiner Statt sind menschliche Autoritäten aufgerichtet worden. Vergebens hat Er Gaben zum Dienst verliehen, denn die Besitzer dieser Gaben wagen nicht, diese ohne die Zustimmung, die Billigung und die Autorität von Menschen auszuübern. Und nicht nur das, sondern wenn der Mensch es für richtig hält, einem Mann, der noch nicht einmal ein Körnchen geistlicher Begabung, vielleicht noch nicht einmal ein Körnchen geistlichen Lebens besitzt, sein Siegel, seine Billigung und Autoritöt zu verleihen, dann ist so jemand trotzdem ein anerkannter Geistlicher oder Pfarrer. Kurz gesagt, menschliche Autorität auch ohne eine Gabe von Christus kann einen Menschen zu einem anerkannten Geistlichen machen, wohingegen eine Gabe von Christus ohne menschliche Autorität dies nicht bewirkt. Wenn dadurch der Herr Jesus Christus nicht vermehrt wird, wodurch dann?

Der du das liest, halte hier einmal inne und erwäge diesen Grundsatz menschlicher Autorität sorgfältig. Es liegt uns sehr daran, dass du bis zu ihrer Wurzel zurückgehst und sie von Grund auf im Licht der Heiligen Schrift und in der Gegenwart Gottes verurteilst. Sei gewiß, dass dies die entscheidende Trennungslinie ist zwischen den Grundsätzen der Versammlung Gottes und jedes menschlichreligiösen Systems unter der Sonne. Wenn du - angefangen bei der Römischen Kirche bis hin zu den verfeinertsten Formen religiöser Gemeinschaften - alle diese Systeme betrachtest, dann findest du, dass die Autorität des Menschen überall anerkannt und auch gewünscht wird. Nur mit dieser Autorität kann ein Dienst ausgeübt werden - ohne sie nicht . Im Gegensatz dazu befähigt in der Versammlung allein eine von Christus verliehens Gabe zu einem Dienst, getrennt von aller menschlichen Autorität. "... nicht von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott den Vater, der ihn auferweckt hat aus den Toten"  (Gal 1,1). Das ist der große Grundsatz für den Dienst in der Versammlung Gottes.

Wenn wir so die Römische Kirche mit allen anderen religiösen Systeme unserer Tage auf eine Stufe stellen, müssen wir aber ein für allemal betonen, dass dies nur im Blick auf den Grundsatz der Autorität für den Dienst geschieht. Gott bewahre uns davor, dass wir meinen, ein System, das Gottes Wort unterdrückt und Götzendienst, Heiligenverehrung und Anbetung von Engeln und eine Unmenge an grobem, abscheulichem Irrtum und Aberglauben lehrt, vergleichen zu können mit solchen Systemen, in denen das Wort Gottes noch hochgehalten wird und mehr oder weniger schriftgemäße Wahrheiten verkündigt werden. Nichts liegt uns ferner! Wir glauben, dass, was die religiösen Systeme betrifft, das Papstum das Meisterstück Satans ist, wenn auch viele aus dem Volk Gottes darin verstrickt waren und es auch jetzt noch sind.

Weiter wollen wir andieser Stelle mit allem Nachdruck sagen, dass nach unserer Überzeugung in jeder protestantischen Gemeinschaft Gläubige zu finden sind, sowohl als Pfarrer und Pastoren, wie auch als bloße Mitglieder; und dass der Herr sie auf vielerlei Weise benutzt und ihre Bemühungen, ihren Dienst und ihr persönliches Zeugnis segnet.

Schließlich möchten wir auch betonen, dass wir nicht einen Finger rühren möchten, um irgendeines dieser Systeme anzugreifen. Mit den Systemen selbst haben wir nichts zu tun, der Herr wird sich mit ihnen beschäftigen. Uns geht es vielmehr um die Gläubigen, die sich in diesen Systemen befinden; wir bemühen uns, ihnen auf geistliche und schriftgemäße Weise eine Hilfe zu sein, die göttlichen Grundsätze der Versammlung Gottes anzuerkennen und demgemäß zu handeln.

Der rechte Platz für alle Kinder Gottes

Nachdem wir nun soviel gesagt haben, um eventuellen Mißverständnissen vorzubeugen, kehren wir jetzt zu unserem Gegenstand zurück. Wir hatten gesagt, dass sich der Faden der menschlichen Autorität durch jedes religiöse System in der Christenheit hindurchzieht, und dass es tatsächlich auch nicht eine Haaresbreite an Übereinstimmung zwischen der Römischen Kirche und einem wahren Ausdruck von der Versammlung Gottes gibt. Wir glauben, dass jemand, der aufrichtig nach der Wahrheit sucht und beabsichtigt, aus den finsteren Schatten des Papsttums herauszukommen, unmöglich stehenbleiben kann, bis er sich in dem klaren und strahlenden Lichte dessen befindet, was ein echter Ausdruck der Versammlung Gottes ist. Er mag Jahre brauchen, um das dazwischenkiegende Terrain zu durchqueren. Seine Schritte mögen langsam und bedächtig sein; aber wenn er nur in Einfalt, Gottesfurcht und aufrichtigkeit dem Licht nachgeht, wird er an keiner Stelle zwischen diesen beiden Extremen Ruhe finden. Die einzig wahre Stellung für alle Kinder Gottes ist der Boden der Versammlung Gottes. Aber ach! leider befinden sich längst nicht alle auf diesem Boden; und das bedeutet für sie nur Verlust und verunehrt ihren Herrn. Nicht nur, weil Gott selbst gegenwärtig ist, sollten sie dort sein, sondern weil Er allein dort auch handeln und regieren kann.

Dieser letzte Punkt ist von überragender Bedeutung, weil tatsächlich gefragt werden könnte: "Ist Gott denn nicht überalle? Wirkt Er denn nicht an den unterschiedlichsten Plätzen?"? Ja, Gott ist allgegenwärtig, und Er wirkt auch inmitten von offensichtlichem Irrtum und Bösem. Aber in den menschlichen Systemen regieren zu können, wird Ihm nicht zugestanden; wir haben schon gezeigt, dass da die menschliche Autorität tatsächlich ausschlaggebend ist. Auperdem, wenn die Tatsache, dass Gott auch in den Systemen Menschen zur Bekehrung führt und Segen schenkt, für uns ein Grund sein sollte, uns dort aufzuhalten, damm müßten wir eigentlich in der Römischen Kirche sein, denn wie viele sind in diesem schrecklichen System doch bekehrt worden und haben Segen empfangen. Sogar bei der jüngsten Erweckung haben wir von solchen gehört, die von den römischkatholischen Gottesdiensten beeindruckt worden sind. Damit ist aber eigentlich noch gar nichts bewiesen, und folglich kann sich die Argumentation nicht auf die Tatsache stützen, dass Gott an einem solchen Ort wirkt. Er ist unumschränkt und wirkt da, wo es Ihm gefällt. Wir aber haben uns Seiner Autorität unterzu ordnen und da zu arbeiten, wo es uns aufgetragen wird. Mein Herrn mag gehen, wohin es Ihm gefällt; ich aber muß dahin gehen, wo Er mich haben möchte.

Einge mögen jetzt vielleicht die Frage stellen: "Besteht dann nicht die Gefahr, dass auch solche Menschen der Versammlung Gottes ihren Dienst aufdrängen, die gar keine Befähigung dazu haben? Worin besteht denn dann der Unterschied zwischen dieser Versammlung und den menschlichen Systemen?" Wir erwidern darauf, dass dies sicherlich eine große Gefahr ist; aber so etwas könnte nicht aufgrund, sondern trotz dieser Grundsätze passieren. Darin liegt der große Unterschied. Leider haben wir tatsächlich Fehler und Versagen zu unserer Beschämung und Demütigung erleben müssen.

Möge niemand denken, dass wir bei unserem Eintreten für die Wahrheit über die Versammlung Gottes ganz unwissend oder nachlässig seien im Blick auf die Gefahren und Übungen, die eine Verwirklichung dieser Grundsätze hervorrufen kann. Keineswegs! Niemand kann sich achtundzwanzig Jahre auf diesem Boden befinden, ohne sich schmerzlich bewußt zu werden, mit welchen Schwierigkeiten das Festhalten an den Grundsätzen der Schrift verbunden ist. Aber gerade diese Übungen, Gefahren und Schwierigkeiten sind doch dann der Beweis dafür - wohl ein schmerzlicher Beweis -, aber doch der Beweis für die Richtifkeit der Stellung; und wenn es gegen diese Gefahren kein Heilmittel gäbe ams nur einen Hilferuf nach menschlicher Autorität - das Einsetzen des Menschen an den Platz Christi -, eine Rückkehr zu den weltlichen Systemen, dann würden wir ohne Zögern erklären, dass dieses angebliche hilfsmittel weitaus schlimmer ist, als das eigentliche Leiden. Denn würden wir dieses Heilmiteel akzeptieren, dann würden wir auch die schrecklichsten Symptome dieses Leidens bekommen - aber wir würden sie nicht als Leiden beklagen, sondern sie begrüßen als die Früchte einer sogenannten Ordnung.

Doch Gott sei gepriesen! Es gibt ein Hilfsmittel gegen diese Gefahren. Welches? "Da bin ich in ihrer Mittes"! Das ist völlig genügend. Es heißt nicht: "Da ist ein Papst, ein Priester, ein Pfarrer oder ein Vorsitzender in ihrer Mitte, ist ihr Haupt, bekleidet den Vorsitz oder steht auf der Kanzel." Keine Spur davon vom Anfang bis zum Ende des Neuen Testaments. Selbst in der Versammlung von Korinth, wo schlimmstes Durcheinander und Unordnung herrschte, macht der inspirierte Apostel an keiner Stelle eine Andeutung auf einen menschlichen Vorsitzenden, unter welcher Bezeichnung auch immer. "Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen"  (1. Kor 14,33). Gott war unter ihnen, um für Ordnung zu soregen. Auf ihn mußten sie blicken, nicht auf irgendeinen Menschen, wie er auch heißen mochte. Menschen einzusetzen, um die Ordung in der Versammlung Gottes aufrechtzuerhalten, ist purer Unglaube und eine offene Beleidigung Gottes, der gegenwärtig ist.

"Da bin ich in ihrer Mitte"

Wir sind oft aufgefordert worden, Beweise aus der Schrift dafür zu erbringen, dass Gott in der Versammlung den Vorsitz hat. Unsere Antwort lautet: "Da bin ich in ihrer Mittes"; und: "Gott ist ... der Gott des Friedens ... in allen Versammlungen". Selbst wenn wir nicht mehr hätten, könnten wir auf diesen beiden Säulen triumphierend die herrliche Wahrheit, die jeden, der sie von Gott empfangen und festgehalten hat, von allen menschlichen Systemen - mögen sie heißen, wie sie wollen - befreien muß. Nach unserem Urteil ist es unmöglich, Christus als den Mittelpunkt und unumschränkten Herrscher in der Versammlung anzuerkennen, und weiterhin zu billigen, dass sich der Mensch auf Seinen Platz setzt. Wenn wir einmal geschmeckt haben, wie lieblich es ist, Christus unterworfen zu sein, werden wir uns niemals wieder der Knechtschaftdes Menschen unterordnen können. Das ist keine Auflehnung oder Abneigung gegenüber einer Kontrolle oder Herrschaft. Wir lehnen es nur entschieden ab, uns einer falschen Autorität zu unterwerfen und eine sündige, unberechtigte Anmaßung anzuerkennen. In dem Augenblick, wo wir erkennen, dass sich der Mensch widerrechtlichn Autoritäten in dem, was sich Kirche nennt, anmaßt, fragen wir einfach, wer er eigentlich sei, und ziehnen uns in den Bereich zurück, wo Gott allein anerkannt wird.

"Aber gerade in dieser geschilderten Sphäre kommen doch auch Irrtümer, Böses und Mißbrauch vor." Zweifellos; aber wenn so etwas vorkommt, dann haben wir Gott und Sein Wort, um das zu beheben. Doch wie soll sich eine örtliche Versammlung verhalten, wenn sie dadurch beunruhigt wird, dass ich unkundige und törichte Menschen in den Vordergrund drängen - Menschen, die sich nie in der Gegenwart Gottes erkannt haben; Menschen, die sich dreist über den weiten Bereich des gesunden Menschenverstandes, des guten Geschmacks und des sittlichen Anstandes hinwegsetzen und dann in ihrer Einbildung davon reden, durch den Heiligen Geist geleitet zu sein; ruhelose Menschen, die etwas darstellen wollen, und die die Versammlung in einem beständigen Zustand der Spannung und der Besorgnis haben, weil man nicht weiß, was als nächstes geschieht -, was soll eine Versammlung, die auf so schlimme Weise beunruhigt wird, tun? Aus Ungeduld, Ärger und Enttäuschung diese Grundsätze verlassen? Alles aufgeben, als wäre es ein Märchen, eine Fabel oder ein nutzloses Hirngespinst gewesen? Zu dem zurückkehren, was man einst berlassen hat? Ach! Leider haben das manche getan, und damit bewiesen, dass sie eigentlich nie richtig erfaßt haben, was sie getan haben; und wenn sie es doch verstanden hatten, dann besaßen sie nicht genügend Glauben, um daran festzuhalten. Möge der Herr sich über solche erbarmen und ihnen noch die Augen öffnen, damit sie erkennen, wovon sie gefallen sind und ein rechtes Verständnis über die Versammlung Gottes bekommen, im Gegensatz selbst zu den anziehenden menschlichen Systemen.

Was soll aber eine Versammlung tun, wenn sich Fehlverhalten einschleicht? Korrigiere es durch das Wort Gottes. Gottes Stimme reder mit Autorität. Blicke einfach auf Christus als den Herrn über Sein Haus. Anerkenne Ihn an dem Ihm gebührenden Platz. Laß den Namen des Herrn Jesus auf jedes Fehlverhalten einwirken. Meint jemand, das sei nicht genug? Hat man das überhaupt einmal versucht und hat es sich dann als wirksamslos erwiesen? Das können wir nicht glauben. Und ganz gewiß können wir sagen, dass wir auf gar keinen Fall Zuflucht zu dem Menschen und seiner armseligen Ordnung nehmen werden, wenn der Herr Jesus nicht genug ist. Gott möge uns helfen, dass wir Seinen unvergleichlichen Namen niemals aus der göttlichen Norm ausradieren, um die uns der Heilige Geist zusammengerufen hat, und den vergänglichen Namen eines Sterblichen an seine Stelle setzen.

Satan kämpft gegen jede Darstellung der Versammlung Gottes

Wir sind uns der enormen Schwierigkeiten und Übungen, die jede Darstellung der Versammlung Gottes mit sich bringt, sehr wohl bewußt. Wir glauben sogar, dass diese Schwierigkeiten und Übungen geradezu charakteristisch für sie sind. Es gibt nichts unter dem weiten Himmelszelt, was Satan derart haßt, wie die Versammlung Gottes. Nichts läßt er unversucht, um sie zu bekämpfen. Wieder und wieder haben wir Beispiele dafür sehen müssen. Ein Evangelist mag an einem Ort gehen und dort predigen, dass der Namen Jesus für die Errettung der Seelen völlig genügt, und Tausend mögen an seinen Lippen hängen. Laß diesen Mann später einmal an diesen Ort zurückkehren und das gleiche Evangelium verkündigen, aber auf einer anderen Stufe; laß verkündigen, dass der gleiche Name Jesus auch allen Bedürfnissen einer Versammlung von Gläubigen völlig genügt - und er wird sehen, dass ihm von allen Seiten Widerstand entgegengebracht wird. Warum ist das so? Weil der Teufel selbst den schwächsten Ausdruck einer Versammlung Gottes haßt. Ein Ort kann über Jahrzehnte und Generationen hinweg seinen trüben und trägen Gebräuchen des religiösen Formalismus nachgehen - ein totes Volk, das sich einmal in der Woche versammelt, um einen toten Dienst eines toten Menschen zuzuhören, und das die ganze übrige Woche in Sünde und Torheit lebt. Nicht einen Hauch von Leben mag es dort geben, nichts rührt sich. Das gefällt dem Teufel. Aber laß einmal dorthin jemanden kommen und das Banner des Namens Jesu entfalten - was Jesus für die Seele bedeutet, und was Er für die Versammlung bedeutet - und du wirst sofort eine gewaltige Veränderung feststellen. Die ganze Wur der Hölle ist entfesselt und schreckliche Fluten des Widerstandes erheben sich.

Das ist, wie wir ganz sicher glauben, das wahre Geheimnis vieler erbitterter Angriffe, die auch unlängst erst gegen solche erfolgt sind, die die Grundsätze der Versammlung Gottes aufrechterhalten wollen. Sicher haben wir auch viele Fehler, Irrtümer und Versagen zu beklagen. Durch unser törichtes und widersprüchliches Verhalten haben wir dem Widersacher viel Angriffsfläche geboten. Wir sind nur ein bekleckster Brief, ein kraftloses und schwaches Zeugnis, ein flackerndes Licht gewesen. Für all das haben wir uns vor unserem Gott tief zu demütigen. Nichts würde uns weniger geziemen, als Einbildung oder Anmaßung, oder mit hochtönenden, klangvollen kirchlichen Ansprüchen anzugeben. Unser Platz ist im Staub. Ja, geliebte Brüder, wir haben unser Versagen vor unserem Gott zu bekennen und uns selbst zu richten.

Und doch sollen wir diese herrlichen Grundsätze der Versammlung Gottes nicht deshalb fahren lassen, weil wir in ihrer Verwirklichung so schmählich versagt haben. Wir haben nicht die Wahrheit nach unserer praktischen Verwirklichung zu beurteilen, sondern nur praktisches Verhalten nach der Wahrheit. Es ist eine Sache, göttlichen Boden einzunehmen, und etwas anderes, uns in angemessener Weise darauf zu betragen; und wenn es auch völlig richtig ist, unser praktisches Verhalten anhand unserer Grundsätze zu verurteilen, so bleibt doch bestehen, dass die Wahrheit ein für allemal Wahrheit bleibt, und wir können uns ganz sicher darauf verlassen, dass der Teufel die Wahrheit haßt, die die Versammlung Gottes kennzeichnet. Schon eine Handvoll schwacher Menschen, die sich in dem Namen Jesu als Glieder Seines Leibes versammeln, um Seiner zu gedenken und das Brot zu brechen, ist dem Teufel ein Dorn im Auge. Sicher stimmt es, dass eine solche Versammlung den Unmut der Menschen hervorruft, da ja ihre Gottesdiesnstordnungen und ihre Autorität dadurch über Bord geworfen werden, und das können sie nicht ertragen. Und doch glauben wir, dass die Wurzel auch davon in dem Haß Satans zu finden ist. Dieser Haß richtet sich gegen jedes besondere Zeugnis, das eine solche Versammlung davon ablegt, dass der Name des Herrn Jesus für jedes denkbare Bedürfnis der Heiligen Gottes völlig genügt.

Wir müssen mit heftigem Widerstand rechnen

Das ist in der Tat ein sehr erhabenes Zeugnis, und wir sehnen uns ernstlich danach, dass es mit vermehrter Treue dargestellt wird. Dann müssen wir aber auch mit heftigem Widerstand rechnen. Es wird uns nicht anders ergehen, als denen, die in den Tagen Esras und Nehemias aus der Gefangenschaft zurückkehrten. Wir können erwarten, auf viele solcher Tobijas und Sanballats zu treffen. Hätte Nehemia angefangen, irgendeine andere Mauer in der Welt wiederaufzubauen, nur nicht die Mauer Jerusalems, Sanballat hätte ihn niemals dabei belästigt. Aber die Mauer Jerusalems wiederaufzubauen, war ein unverzeihliches Vergehen. Und warum? Weil Jerusalem der irdische Mittelpunkt Gottes war, um den Er die wiederhergestellten Stämme Israels versammeln wollte.Das war der Grund für den Widerstand des Feindes. Und achte einmal auf die Geringschätzung: "Wenn ein Fuchs hinaufstiege, so würde er ihre steinerne Mauer auseinander reißen" (Neh 4,3). Und doch waren Sanballat und seine Verbündeten nicht in der Lage, die Mauer niederzureißen. Wegen des Mangels an Glauben und Energie seitens der Juden konnten sie erreichen, dass das Bauen eingestellt wurde; aber die Mauer niederzureißen vermochten sie nicht, weil Gott sie aufgebaut haben wollte.

Wieviel Ähnlichkeiten stellen wir fest, wenn wir da an unsere Tage denken. Es gibt tatsächlich nichts Neues unter der Sonne. Es gibt sowohl Geringschätzung als auch wirklichen Aufruhr. O wenn doch solche, die sich in dem Namen Jesu versammeln, in ihren Herzen aufrichtiger zu ihrem gesegneten Mittelpunkt hin ausgerichtet wären, was wäre das für ein Zeugnis! Welche Kraft! Was für ein Überwinden! Was für einen Eindruck würde das weit und breit machen: "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte". Es gibt nichts unter der Sonne, was dem zu vergleichen wäre, selbst wenn es noch so schwach und verächtlich erscheint. Der Herr sei gepriesen, dass Er in diesen letzten Tagen noch ein solches Zeugnis für Sich aufgerichtet hat. Möge Er durch die Kraft des Heiligen Geistes die Wirksamkeit dieses Zeugnisses noch überaus vermehren!

 

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