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E+E 1959
Die Auferstehung Jesu Christi, die Auferstehung derer, die Sein sind, die Auferstehung der Toten, gehört zu den wichtigsten Fundamenten des christlichen Glaubens. Gibt es keine Totenauferstehung, gibt es kein Leben danach, so gibt es auch kein Christentum. Es ist eine delikate Frage für den natürlichen Menschen. Seit eh und je begegnet er der Frage der Totenauferstehung mit Skepsis. Er läßt es sich noch gefallen, von "Wiedergeburt" zu hören, läßt es sich gefallen zu hören, daß der Herr Jesus Gottes Sohn sei; aber eine Auferstehung Toter, gibt es das wirklich? Als der Apostel Paulus auf dem Areopag in Athen stand und von Totenauferstehung sprach, war dies die Reaktion: "Als sie aber von Totenauferstehung hörten, spotteten die einen, die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber auch nochmals hören," Auch die freisinnigen Sadducäer glaubten weder an eine Auferstehung noch an Engel, wie uns Apostelgeschichte 23,8 mitteilt, die Pharisäer aber bekannten beides. Als der Apostel Paulus vor dem Synedrium ausrief: "Wegen der Hoffnung und Auferstehung der Toten werde ich gerichtet", entstand ein Zwiespalt unter den Pharisäern und den Sadducäern. So ist es bis heute geblieben: An der Person Christi, am Kreuz von Golgatha, an der Wahrheit Gottes, scheiden sich die Geister. "Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft" (1. Kor 1,18). Auf welcher Seite stehst du, lieber Leser? Noch auf der Seite derer, die "verlorengehen", oder auf der Seite derer, "die errettet werden"? Wie erschütternd ernst ist dieses Wort "die verlorengehen"! Das meint, was es sagt, und nicht, daß sie irgendwann später einmal doch noch errettet werden. Bedenke, du kannst heute noch durch Buße und Glauben an den Herrn Jesus und Sein Werk von der falschen Seite auf die richtige treten, aus dem Tode in das Leben hinübergehen (Joh 5,24), aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht kommen (1. Pet 2,9). Willst du es nicht heute tun? Morgen kann es für immer zu spät sein.
Die Auferstehung im Alten Testament
Die alttestamentlichen Gläubigen - wir beginnen wieder mit dem Alten Testament, um zu zeigen, daß sich der Glaube des Christen nicht nur auf das Neue, sondern ebenso auf das Alte Testament stützt - glaubten an eine Auferstehung. Einer der ältesten Patriarchen der Heiligen Schrift, Hiob, bekundet seinen Glauben an die Auferstehung mit diesen Worten: "Und ist nach meiner Haut dieses da zerstört, so werde ich aus meinem Fleische Gott anschauen, welchen ich selbst mir anschaue, und den meine Augen sehen werden, und kein anderer" (Kap. 19, 26. 27). Vorher hatte er gesagt: "Wenn ein Mann stirbt, wird er wieder leben?" (Kap. 14, 14). Das ist eine Frage, die man häufig hören kann, es ist die Frage des natürlichen Menschen. Aber welch ein Triumph des Glaubens in diesem Manne, der, von seinen Freunden verurteilt, seine Haut bereits von Würmern zerfressen sah, der wußte, daß bald auch sein Leib der Zerstörung anheimfallen würde, dieser Mann konnte inmitten all seiner Not im Glauben zu Gott emporschauen und von der Auferstehung seines Leibes reden!
Auch die Patriarchen des 1. Buches Mose haben an die Auferstehung geglaubt. Abraham kaufte sich die Höhle des Feldes von Machpela vor Hebron, er war in Gemeinschaft mit den Gedanken Gottes (Hebron bedeutet Gemeinschaft), und dort begrub er seine Frau Sara, dort begruben alle Patriarchen ihre Frauen, dort begruben die Söhne Jakobs ihren Vater (1. Mose 50,13). Als Joseph nach vielen Jahren des Weilens in fernem Lande Ägypten sein Ende herannahen fühlte, sagte er zu seinen Brüdern: "Ich sterbe; und Gott wird euch gewißlich heimsuchen und euch aus diesem Lande heraufführen in das Land, das er Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen hat. Und Joseph ließ die Söhne Israels schwören und sprach: Gott wird euch gewißlich heimsuchen; so führet meine Gebeine von hier hinauf!" (1. Mose 50,24.25). Jahrhunderte später gedachte Mose der Worte Josephs, und wir hören in 2. Mose 13,19: "Und Mose nahm die Gebeine Josephs mit sich; denn er hatte die Kinder Israel ausdrücklich schwören lassen und gesagt: Gott wird euch gewißlich heimsuchen; so führet denn meine Gebeine mit euch von hier hinauf!" Erst unter Josua jedoch kamen die Gebeine Josephs in das Land Kanaan: "Und die Gebeine Josephs, welche die Kinder Israel aus Ägypten heraufgebracht hatten, begruben sie zu Sichem auf dem Stück Feld, welches Jakob von den Söhnen Hemors, des Vaters Sichems, gekauft hatte um hundert Kesita" (Jos 24,32). Doch, so mag jemand fragen, weshalb all diese Sorgfalt toter Gebeine wegen? Wir glauben, daß es hierauf nur eine Antwort gibt: Die Patriarchen sahen im Glauben ihre Auferstehung voraus, sie wollten im Lande der Verheißung sein, wenn der Augenblick der Auferstehung käme (Heb 11,15.16a).
Daniel, der in frühester Jugend nach Babylon gekommen war und dort weitreichende Offenbarungen über die zukünftigen Tage erhalten hatte, muß ein sehr hohes Alter erreicht haben; denn er überlebte mehrere Dynastien, er sah den Aufstieg und den Niedergang des babylonischen Weltreiches, und er erlebte noch die Machtübernahme durch Kores, den Perser. Als Daniel an das Ende seines Buches und seines Lebens gekommen war, redet Gott zu ihm von der Auferstehung: "Und viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen: diese zum ewigen Leben, und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu" (Kap. 12, 2). Wenn sich diese Worte auch in besonderer Weise auf die nationale Auferstehung des Volkes Israel beziehen, so läßt doch Gott seinen treuen Knecht nicht ohne Hoffnung seiner persönlichen Auferstehung aus dieser Welt scheiden: "Du aber gehe hin bis zum Ende; und du wirst ruhen, und wirst auferstehen zu deinem Lose am Ende der Tage" (Vers 13).
Daß die Hoffnung der Auferstehung keine spezifisch christliche Wahrheit ist, unterstreichen die Worte des Apostels Paulus vor Agrippa in Apostelgeschichte 26,6: "Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung auf die von Gott an unsere Väter geschehene Verheißung, zu welcher unser zwölfstämmiges Volk, unablässig Nacht und Tag Gott dienend, hinzugelangen hofft, wegen welcher Hoffnung, 0 König, ich von den Juden angeklagt werde." Und erfährt in Vers 22 fort: "Da mir nun der Beistand von Gott zuteil wurde, stehe ich bis zu diesem Tage, bezeugend sowohl Kleinen als Großen, indem ich nichts sage außer dem, was auch die Propheten und Moses geredet haben, daß es geschehen werde, nämlich daß der Christus leiden sollte, daß er als Erster durch Toten-Auferstehung Licht verkündigen sollte, sowohl dem Volke als auch den Nationen," Der Herr Jesus sollte als Erster durch die Toten-Auferstehung Licht verkündigen.
Und das war die Verheißung, die an die Väter Israels geschehen war. Im 13. Kapitel der Apostelgeschichte finden wir ein weiteres, köstliches Zitat aus Psalm 16, welches ebenfalls von der Auferstehung des Herrn Jesus spricht: "Und wir verkündigen euch die gute Botschaft von der zu den Vätern geschehenen Verheißung, daß Gott dieselbe uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesum erweckte; wie auch in dem zweiten Psalm geschrieben steht: ,Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.' Daß er ihn aber aus den Toten auferweckt hat, um nicht mehr zur Verwesung zurückzukehren, hat er also ausgesprochen: ,Ich werde euch die gewissen Gnaden Davids geben.' Deshalb sagt er auch an einer anderen Stelle: ,Du wirst nicht zugeben, daß dein Frommer die Verwesung sehe.' Denn David freilich, als er zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte, entschlief und wurde zu seinen Vätern beigesetzt und sah die Verwesung. Der aber, den Gott auferweckt hat, sah die Verwesung nicht. So sei es euch nun kund, Brüder, daß durch diesen euch Vergebung der Sünden verkündigt wird." Der Herr Jesus ist auferweckt worden. Das gehört zur Grundlage des Christentums.
Auferstehung betrifft den Leib
Wenn wir bisher schon des öfteren von Auferstehung und Auferweckung gesprochen haben, so müßte uns aus dem bisher Gesagten, besonders aus den zuvor zitierten Versen aus der Apostelgeschichte, klar geworden sein, daß sich Auferstehung nicht auf die Seele des Menschen, sondern auf seinen Leib bezieht. Wir haben von Verwesung gelesen und gehört, daß der Herr Jesus die Verwesung nicht sah. Deswegen redet das Neue Testament auch nie von einem Leichnam, sondern nur von dem Leib des Herrn Jesus. Er war nicht von Verwesung gekennzeichnet, wie es bei uns Menschenkindern ist, wenn der Tod eingetreten ist. Es war der Leib Jesu; aber "Verwesung" bezieht sich klar auf den Leib, nie auf die Seele. Wir möchten daher nachdrücklich betonen: Die Auferstehung hat es mit dem Leib zu tun und in keiner Weise mit der Seele. Das, was gestorben ist, wird auferweckt, die Seele aber stirbt nicht.
Wir lesen dazu aus dem Lukas-Evangelium einige Worte des Herrn Jesus selbst, die Er als Antwort auf die ungläubigen Vorstellungen der Sadducäer sprach: "Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet; die aber würdig geachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten nicht, noch werden sie verheiratet; denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind. Daß aber die Toten auferstehen, hat auch Moses angedeutet in dem Dornbusch, wenn er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn für ihn leben alle" (Kap. 20, 34-38). Hier spricht der Sohn Gottes, der die Dinge genau kennt, der vom Himmel gekommen war und sagen konnte: "Wir reden, was wir wissen" (Joh 3,11). Wie ernst und zugleich kostbar ist der Ausdruck "würdig geachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein"! Wir sind so oft und viel mit dieser Welt beschäftigt, die man sieht und die vergehen wird; sie bestimmt leider nur zu häufig unser Denken und Handeln. Aber der Herr Jesus weist nach oben und spricht von "jener Welt", der Auferstehungswelt, und fügt hinzu: "Sie können auch nicht mehr sterben; denn sie sind Engeln gleich", d. h. geschlechtslos und ohne Ende. Nicht ohne Anfang - nur Gott hat keinen Anfang -, aber ohne Ende, da sie Söhne Gottes und Söhne der Auferstehung sind. Welch ein unermeßliches Vorrecht ist es doch, zu den Söhnen der Auferstehung zu gehören und aufgrund des Werkes Christi würdig geachtet zu werden, jener Welt teilhaftig zu sein! Daß Gott nicht der Gott der Toten, sondern der Lebendigen ist, und daß für Ihn alle leben, hebt noch einmal die Wahrheit von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele hervor. Für Ihn leben alle, nicht nur Abraham, Isaak und Jakob, sondern alle Menschen.
Der Herr sagt bei einer anderen Gelegenheit: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet" (Lk 12,4.5). Auch dieses Wort des Herrn macht aufs ernsteste deutlich, daß sich das Töten nur auf den Leib erstreckt; zugleich zeigt es uns das schreckliche Los jener, die unversöhnt aus diesem Leben scheiden. Wenn wir also von "Auferstehung" hören, so haben wir gelernt, daß sie den Leib betrifft und daß Gott die Macht hat, das, was Er gemacht hat, wieder zusammenzuführen. Auferstehung ist Vereinigung von Seele und Leib.
Doch wenden wir uns nun einem Kapitel der Heiligen Schrift zu, das wie kein anderes die Lehre der Auferstehung entfaltet, dem 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes!
Irrtümer
Es ist erstaunlich, wie früh Irrtümer in die Kirche eindrangen und die gesunde Lehre zu verderben suchten! So sagten etliche in Korinth, es gebe keine Auferstehung der Toten - so früh kam bezüglich eines Kardinalpunktes der christlichen Lehre der Unglaube herein! Es ist immer das Ziel Satans, unsere Seelen von Christus, von dem Himmel zu trennen und uns in die Welt einzureihen, als ob wir immer in ihr zu bleiben hätten. In 2. Timotheus 2,17.18 hören wir von zwei Männern, "die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie sagen, daß die Auferstehung schon geschehen sei, und den Glauben etlicher zerstören". In 2. Thessalonicher 2,2 finden wir, wie Satan die Seelen der Gläubigen dadurch verunsichern und ihre Hoffnung auf die Ankunft des Herrn zerstören will, indem er ihnen vorhält, der Tag des Herrn sei schon da. In Korinth gingen seine Angriffe in eine andere Richtung. Unter Einfluß menschlicher Philosophien und Spekulationen wie der orientalischen Gedanken, die Materie sei ihrem Wesen nach böse, sagten einige Irrlehrer in Korinth, es gebe überhaupt keine Auferstehung Toter, wobei sie die Verbindung von Seele und Leib als Rückschritt, als Degradierung, betrachten mochten. Die Korinther hatten nicht nur in mancherlei Hinsicht in sittlichen Fragen versagt, sondern sie waren jetzt in Gefahr, in einer fundamentalen Glaubenswahrheit dem Feind Gehör zu schenken. Wenn Menschen anfangen, ein gutes Gewissen aufzugeben, so ist es kein Wunder, wenn als nächste Gefahr ein Schiffbruch im Glauben folgt (1. Tim 1,19).
Manche Christen nehmen es mit der Lehre des Wortes Gottes nicht allzu genau, sie meinen, ein guter Wandel sei wichtiger als die Lehre. Doch wie irrig ist diese Ansicht! Ist die Lehre nicht gesund, so kann auch der Wandel nicht Gott wohlgefällig sein. Satan jedenfalls ist nicht so töricht, wie wir es oft sind; er weiß, wie wichtig die Lehre ist, deswegen sucht er sie durch böse Lehren zu zerstören. Gelingt es ihm, die Wahrheit Gottes zu unterhöhlen und zu verderben, so wird Christus zutiefst verunehrt und das Glück der Seinigen zerstört. Unsere weitere Betrachtung wird uns noch - so hoffen wir - Gelegenheit geben, zu sehen, wie wichtig das glaubensvolle Ergreifen und Festhalten der göttlichen Wahrheit für die Seele ist.
Das Evangelium und die Auferstehung Christi (1. Kor 15,1-11)
Wie begegnet der Apostel Paulus der in Korinth drohenden Gefahr? Er tut etwas Wunderbares, etwas, was auch wir stets tun sollten: er bringt Christus hinein. Offenbar hatten die Spekulanten in Korinth nicht beabsichtigt, die Auferstehung Christi selbst zu leugnen. Aber gerade darauf reduziert der Apostel diesen Angriff Satans; denn leugne die Auferstehung Christi, und das ganze Christentum fällt zusammen! Die Auferstehung Christi ist die Basis aller Wahrheit für uns zu allen Zeiten, aber eng damit verbunden ist unsere Auferstehung.
Es war für die Korinther demütigend, aber heilsam zugleich, daß ihnen das Evangelium erneut kundgetan werden mußte (V. 1). Bezüglich dieses Evangeliums erinnert er sie an vier Dinge:
1. daß es das war, was er ihnen ursprünglich verkündigt hatte;
2. daß sie es angenommen hatten;
3. daß ihr Stehen darin begründet lag;
4. daß es das Mittel ihrer Errettung war.
Außerhalb des Evangeliums gibt es keine Errettung, und Errettung konnte schließlich nur denen zuteil werden, die an dem Worte festhielten, das der Apostel ihnen verkündigt hatte, und er fügt die Warnung hinzu: "... es sei denn, daß ihr vergeblich geglaubt habt" (V. 2). Das Wort, das hier mit vergeblich glauben übersetzt ist, bedeutet ohne Grund, blindlings, ins Blaue hinein glauben. Paulus deutet hier keineswegs an, daß jemand, der dem Evangelium geglaubt hat, schließlich doch verlorengehen könne; sondern er zeigt vielmehr, daß Ausharren im Glauben der Beweis der Echtheit und Wirklichkeit ist. Es ist immer wahr, daß, "wer aber ausharrt bis ans Ende, dieser wird errettet werden" (Mk 13,13). Die Zeit prüft uns. Wer wirklich glaubt, hält fest; wer nicht wahrhaft glaubt, gibt früher oder später auf.
Es gibt ein verstandesmäßiges und ein gefühlsmäßiges Glauben; das ist "vergeblich", ohne wahre Grundlage glauben. Daß sich doch keiner der Leser dieser Zeilen bezüglich des Glaubens auf seinen Verstand oder seine Gefühle stützen möge! Es wäre ein "vergebliches" Glauben, mit dem man nur verlorengeht!
Diese Art vergeblichen Glaubens finden wir bei Simon, dem Zauberer, in Apostelgeschichte 8, ebenso bei den Juden, von denen viele an den Namen des Herrn glaubten, "als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht bedurfte, daß jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wußte, was in dem Menschen war" (Joh 2,23-25).
Drei große Tatsachen des Evangeliums
Die Verse 3 und 4 stellen uns drei äußerst wichtige Tatsachen vor, die die Grundlage des Evangeliums bilden:
1. "daß Christus gestorben ist für unsere Sünden".
Hierbei sind drei Dinge zu beachten und zu unterscheiden:
a) Christus ist gestorben (eig. "starb") - Sein Tod ist eine geschichtliche Tatsache;
b) für unsere Sünden - es war ein Sühnungstod, Er starb nicht nur als Märtyrer;
c) nach den Schriften - im ganzen Alten Testament finden wir in Vorbild und Prophezeiung den Opfertod Christi vorgestellt, vgl. nur Jes 53,5.8
2. "und daß er begraben wurde".
Auch Sein Begrabenwerden ist Teil des Evangeliums, der sicherste Beweis des eingetretenen Todes. Mit Ihm waren zugleich alle Hoffnungen der gläubigen Juden begraben worden (Lk 24,21). Wenn auch hier der Hinweis "nach den Schriften" fehlt, so doch nicht das Zeugnis der Schriften als solches (vgl. Jes 53,9).
3. "und daß er auferweckt worden ist am dritten Tage".
Die Krönung von allem ist Seine Auferstehung am dritten Tage - nicht nach seinen eigenen Worten (Mt 27,63), die bekannt genug waren, sondern "nach den Schriften" (vgl. Jona 2,1; Hosea 6,2; Ps 16,10; 1. Mose 22,4; Heb 11,17-19; Jes 53,10b).
Bezüglich der beiden ersten Tatsachen gab es keine Frage, sie waren öffentlich bekannt. Die dritte war nicht öffentlich bekannt, aber sie war der hervorragende Punkt in der Predigt der Apostel, wie sie uns in der Apostelgeschichte mitgeteilt wird.
Die Auferweckung Christi war der höchste Ausdruck des Wohlgefallens des Vaters an dem Werke Seines Sohnes. Außer der leiblichen Auferweckung des Herrn gibt es keinen sichtbaren Beweis, daß Gott das Sühnungswerk Christi angenommen hat (Röm 4,25). Sie ist fundamental und läßt keinerlei Raum für menschliche Theorien. Wenn wir das festhalten, was uns die Schrift über die Auferstehung des Herrn sagt, so wird klar ersichtlich, daß es nicht nur eine Frage des Weiterlebens nach dem Tode ist. Es ist schreckliche Lästerung zu sagen, daß der Leib Jesu in einem syrischen Grab schlafe, Seine Seele aber weiter lebe. Seine Seele war nie tot, wohl aber Sein Leib, und der wurde auferweckt. Die Schrift lehrt klar, daß der Leib, der an dem Kreuze gehangen hatte, der Leib ist, der aus dem Grabe auferweckt wurde. Er trug noch die Wunden male an Händen und Füßen und in der Seite an Sich (Ps 22,16; Lk 24,40; Joh 20,27). Jahrzehnte später noch sah Ihn Johannes in der Herrlichkeit des Himmels als "Lamm wie geschlachtet" (Off 5,6). Wie ergreifend der Gedanke, daß der Leib des Herrn in Ewigkeit die Kennzeichen Seines Leidens und Todes tragen wird!
Beachten wir noch, daß die ganze Dreieinheit Gottes an dem glorreichen Werk der Auferweckung beteiligt war: Er wurde auferweckt durch die Herrlichkeit des Vaters (Röm 6,4); wenn sie, die Juden, den Tempel abbrächen, so würde der Sohn ihn in drei Tagen aufrichten (Joh 2,19); und Er wurde als Sohn Gottes in Kraft erwiesen dem "Geiste der Heiligkeit nach durch Toten-Auferstehung" (Röm 1,4). Welch eine gesegnete Harmonie!
Das siebenfache Zeugnis Seiner Auferstehung
Nie wurde eine Wahrheit gründlicher attestiert als die Seiner Auferstehung. Siebenfach ist das Zeugnis hierüber in den Versen vor uns. Das erste Zeugnis ist das der Schriften selbst, wie wir es im vierten Vers gefunden hatten. Aber dann bekräftigt der Apostel die Auferstehung Christi durch einige Seiner Erscheinungen, wie er zuvor den Tod Christi durch Sein Begrabenwerden bekräftigt hatte. Wir wissen aus Apostelgeschichte 1,3, daß sich der Herr Jesus nach Seiner Auferstehung vierzig Tage hindurch auf der Erde aufhielt und während dieser Zeit wiederholt von den Seinen gesehen wurde. Von den elf Erscheinungen des Herrn während dieser vierzig Tage werden in 1. Korinther 15 nur fünf genannt. Der Heilige Geist erwähnt hier zur Bezeugung der Auferstehung Christi nur solche Männer, die durch ihr Gewicht oder durch ihre Zahl oder durch die sie begleitenden Umstände als unwiderlegbare Zeugen geeignet schienen. Dabei hat es den Anschein, daß die Erscheinungen des Herrn, bei denen Ihm Unglauben begegnete und wo Frauen zugegen waren, hier absichtlich ausgelassen sind. Jede der hier erwähnten fünf Erscheinungen des Herrn birgt eine innere Geschichte in sich und offenbart die überschwengliche Gnade des Herrn denen gegenüber, denen Er sichtbar wurde. Doch müssen wir es uns versagen, näher auf diesen kostbaren Gegenstand einzugehen. Daß Er mehr als fünfhundert Brüdern (wahrscheinlich in Galiläa) auf einmal erschien und daß die meisten davon zur Zeit der Abfassung des Briefes noch lebten, unterstreicht das Gewicht ihres Zeugnisses.
Der siebente Zeuge Seiner Auferstehung war der Apostel Paulus selbst, als er auf dem Wege nach Damaskus den Herrn in Herrlichkeit sah. Das charakterisierte fortan den Apostel der Nationen und seinen Dienst: Er hatte den Herrn Jesus als verherrlichten Menschen im Himmel gesehen. Wenn sich der Apostel hier mit einer zu frühen Geburt vergleicht, so deutet er damit wohl nicht nur den Charakter seines eigenen Dienstes, sondern den der ganzen. gegenwärtigen Haushaltung der Gnade an, in der alles himmlisch und, was die Zeit der Wiederherstellung Israels angeht, gleichsam unzeitgemäß, zu früh, ist. Doch ob es sich um das Zeugnis der Zwölfe oder um das des Apostels der Nationen handelt, es gab keinen Unterschied. "Sei ich es nun, seien es jene, also predigen wir, und also habt ihr geglaubt" (Vers 11). Und wie die Korinther aus dem Munde der Apostel kein anderes Zeugnis gehört hatten, so auch wir nicht, wenn wir den heiligen Schriften glauben: Christus ist auferweckt worden, Er lebt.1
1) Es ist auffallend, daß, wenn in diesem Kapitel von der Auferweckung gesprochen wird, immer die Perfektform benutzt wird, die dies bedeutet: Er ist (in der Vergangenheit) auferweckt worden und lebt noch.
Wenn Christus nicht auferweckt wäre - was dann?
Mit dieser Überschrift könnten wir die Verse 12-19 versehen. Wir haben gesehen, daß die ganze Wahrheit bezüglich der Auferstehung an der Auferstehung Christi selbst hängt, wie Vers 12 andeutet. Wie kann die Auferstehung geleugnet werden, wenn der Herr Jesus auferweckt worden ist? "Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt" (V. 13). Man konnte nicht das eine fest halten und das andere leugnen.
Für den Augenblick stellt sich der Apostel Paulus auf den Standpunkt jener in Korinth, die da sagten, es gebe keine Auferstehung. Ihr sagt, so argumentiert er, es gebe keine Auferstehung; nun, wenn es keine Auferstehung gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden, und wenn Christus nicht auferweckt worden ist, ja - was dann? Eine ganze Kette von Folgerungen ergibt sich notwendigerweise hieraus. Dann war die Predigt des Paulus und der übrigen Apostel vergeblich (oder "leer", es ist ein anderes Wort als am Ende des zweiten Verses), denn er mußte sich dann davon überführt sehen, daß er nicht eine Tatsache, sondern eine Fabel gepredigt habe. Sie würden als "falsche Zeugen Gottes erfunden werden, weil wir in bezug auf Gott gezeugt haben, daß er den Christus auferweckt habe, den er nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden".
Bleiben wir einen kleinen Augenblick bei dieser zwingenden Schlußfolgerung stehen und lassen wir sie auf unsere Herzen einwirken! Jeder gläubige Christ schätzt das, was uns Gott durch die Apostel mitgeteilt hat, und wir erfreuen uns alle mehr oder weniger dessen, was die Predigt der Apostel ausmachte. Wieviel Herrlichkeiten, wieviel Trost haben wir schon in den Briefen des Apostels Paulus oder denen des Johannes gefunden! Und doch, wenn Christus nicht auferweckt worden ist, so ist all das hohl, leer, vergeblich, ist nicht wahr! Und die Apostel, die wir für treue Zeugen Gottes gehalten hatten, sie sind falsche Zeugen, deren Wort man nicht trauen kann! In der Tat, wie schrecklich wäre das!
Eine nächste Schlußfolgerung wird uns in Vers 17 vorgestellt: "Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube eitel; ihr seid noch in euren Sünden." Wie eitel wäre ein Glaube, der sich nur auf einen Mythos stützt! Wie ernstlich wir auch geglaubt haben mögen, daß im Blute des Lammes unsere Sünden vergeben sind - ist Christus nicht auferweckt worden, so sind wir noch in unseren Sünden. Unerbittliche, unabwendbare Konsequenz! Doch hier mag jemand fragen: "Warum weiß ich nicht, daß das Erlösungswerk vollbracht ist, wenn Christus nicht auferweckt wäre?" Nun, als der Herr Jesus auf Erden war, hatte Er Seinen Jüngern gesagt, daß Er sterben würde (Mt 20,28). Er hatte ihnen aber auch gesagt, daß Er am dritten Tage auferstehen würde (Mk 1O, 34; Lk 24,7). Wenn diese letzte Voraussage des Herrn nicht erfüllt worden wäre, so wäre Er des falschen Zeugnisses überführt gewesen. Aber gerade Seine Auferstehung, die Erfüllung Seiner eigenen Vorhersage, ist es, die beweist, daß Er das Opfer für die Sünde war, was zu sein Er vorgegeben hatte. Gott sei gepriesen, dieses Zeugnis ist wahr! Die Auferweckung des Herrn ist das Zeugnis von seiten Gottes, daß Gott befriedigt ist und nun jedem armen Sünder Seine Arme in Liebe öffnen kann. Während des Zeitraums zwischen Seiner Kreuzigung und Seiner Auferstehung wußte niemand, ob Sein Werk ausreichend war, ob Er wirklich die Frage der Sünde gottgemäß gelöst hatte. "Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen sollte" - das war die Sprache der niedergeschlagenen Jünger (Lk 24,21). Gewiß, sie hätten Ihm glauben sollen; dennoch bleibt wahr, daß sie keinen sichtbaren Beweis davon hatten, daß das Werk vollbracht, der Tod besiegt war, ehe nicht der Herr Jesus aus den Toten auferstanden war. Die einzige Art und Weise, durch die ich weiß, daß meine Sünden weggenommen sind, ist die Tatsache, daß Er, der sich für sie verantwortlich machte, der sie auf sich nahm und für sie starb, als der Auferstandene zur Rechten Gottes thront. Dort sind unmöglich noch Sünden auf Ihm. Deutlicher kann Er mir nicht zeigen, daß meine Sünden vergeben sind, als daß Er, der sie in Gnaden auf sich genommen hatte, jetzt ohne sie zur Rechten Gottes thront. Wäre Er aber nicht auferstanden, das werden wir jetzt um so klarer verstehen, so wären wir noch in unseren Sünden.
Eine nächste Schlußfolgerung betrifft die Heimgegangenen: "Also sind auch die, welche in Christo entschlafen sind, verlorengegangen" (V. 18). Wie schrecklich auch dieser Gedanke! Diejenigen, die wir bei Christo wähnten, sie sind in Wahrheit verlorengegangen! Sicherlich hat mancher Leser schon einen seiner Geliebten zu Grabe getragen, ist aber durch den Gedanken getröstet worden, daß er ihn bei Christo wußte. Aber wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann sind sie jetzt nicht am Ort der Segnung, im Paradies, sondern sind verlorengegangen.
So ist es durchaus keine Übertreibung, wenn der Apostel in Vers 19 sagt: "Wenn wir allein in diesem Leben auf Christum Hoffnung haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen." In der Tat, wir wären es! Jeder wahre Gläubige hat den sündigen Vergnügungen der Welt den Rücken gekehrt, um statt dessen das ewige Leben zu ergreifen. Aber wenn die Zukunft des Gläubigen verloren ist, wird seine Hoffnung auf dieses Leben beschränkt. Wenn das alles ist, ist der Christ nicht der glücklichste, sondern der bemitleidenswerteste Mensch. Das bedeutet der griechische Ausdruck, der hier für "elendeste" gebraucht wird - am meisten zu bemitleiden. Gibt es etwas Bemitleidenswerteres als Menschen, die die Annehmlichkeiten dieser Welt ausschlagen, um für eine Zukunft zu leiden, zu kämpfen, zu ringen, die es gar nicht gibt? Wir würden dem Hunde gleichen, der das Stück Fleisch in seiner Schnauze fahren ließ, um nach dessen Schatten zu greifen. Wenn Christus nicht auferweckt ist - wir hätten tatsächlich beide Welten verloren.
Christus, die Erstlingsfrucht
Der Apostel wendet sich fast abrupt von der ganzen Absurdität menschlicher Vernunftsschlüsse zu den Tatsachen göttlicher Offenbarung: "Nun aber ist Christus aus (den) Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen" (V. 20). Er beginnt mit der Feststellung der herrlichen Tatsache, daß nach allem Christus aus den Toten auferweckt ist und daß Er als solcher der Erstling der Entschlafenen ist. Der zwanzigste Vers macht zwei Dinge deutlich: erstens ist es eine Aus-Auferstehung, und zweitens ist Seine Auferstehung beispielgebend für die Seines Volkes.
Wir haben hier also nicht nur die allgemeine Lehre, daß Tote auferweckt werden, sondern daß Christus aus Toten hervorgekommen ist. Wie wir schon gesehen haben, war eine Auferstehung Toter im Alten Testament durchaus Gegenstand des Glaubens der Heiligen. Aber eine Auferstehung aus Toten war selbst den Jüngern in den Tagen des Herrn auf Erden ein völlig fremder Gedanke, wie Markus 9,9.10 zeigt. Der Herr Jesus hatte davon gesprochen, daß der Sohn des Menschen aus den Toten auferstehen würde. Daraufhin befragten sich die Jünger untereinander: "Was ist das: aus den Toten auferstehen?" Das Besondere bei der Auferstehung unseres Herrn war, daß nur Er aus den Toten hervorkam, während alle übrigen Toten liegenblieben. Diese Tatsache ist ein kostbarer Ausdruck der Gunst und Macht Gottes, die ins Mittel traten, um den Einen, der in Seiner Gnade in den Tod hinabgestiegen war, aus den Toten wiederzubringen. Diese Aus-Auferstehung, zu der auch Paulus hingelangen wollte (Phil 3,11), begann mit Ihm, dem Erstling derer, die entschlafen sind. Er muß in allen Dingen den Vorrang haben.
Aber in dem Ausdruck "Erstling" oder "Erstlingsfrucht" ist auch der Gedanke enthalten, daß nach Ihm andere von der gleichen Art die eigentliche Ernte ausmachen werden. Und so wie in Israel zu Beginn der Ernte die Garbe der Erstlinge dargebracht wurde, die eigentliche Ernte aber mehrere Wochen in Anspruch nahm, so wird es auch in der Aus-Auferstehung sein. Christus, die Erstlingsfrucht, wurde "am anderen Tage nach dem Sabbath" (3. Mose 23,11) aus den Toten auferweckt, die eigentliche Ernte aber, die Auferweckung der Heiligen, wird noch folgen. Sie wird denselben Charakter tragen wie die Auferweckung Christi: Gott wird durch Seine Macht gewisse Personen aus den Toten wiederbringen, so sehr sind sie Gegenstände Seiner Gunst. Und so wie niemand einen Apfel nimmt, um ihn als Erstlingsfrucht der Weizenernte darzustellen, ebensowenig wird sich die Auferstehung der Gläubigen dem Charakter nach von der Auferstehung Christi unterscheiden. Seine Auferstehung ist die Gewähr für die Auferstehung derer, die Sein sind.
Wie kostbar überdies ist der Ausdruck "Entschlafene"! Die Schrift sagt nicht "Gestorbene". Als Lazarus gestorben war, sagte der Herr Jesus zu Seinen Jüngern: "Lazarus, unser Freund, ist eingeschlafen" (Joh 11,11). Dieser liebliche Ausdruck für den Heimgang Gläubiger - er wird nur in bezug auf Gläubige verwendet - schließt zwei Dinge mit ein, die erst am Ende des Kapitels ausführlicher betrachtet werden: Der Tod hat für die Gläubigen nicht nur seinen Charakter des Schreckens, sondern auch vollkommen seine Macht über sie verloren, so daß sie triumphierend ausrufen können: "Wo ist, 0 Tod, dein Stachel? Wo ist, 0 Tod, dein Sieg?" (V. 55).
Wir möchten noch bemerken, daß die häufig anzutreffende Ansicht einer allgemeinen Auferstehung, also einer Auferstehung aller zugleich, in der Schrift ebensowenig gefunden wird wie ein allgemeines Gericht. In Johannes 5,29 unterscheidet der Herr Jesus klar zwischen einer Auferstehung des Lebens und einer Auferstehung des Gerichts, d. h. Er redet von zwei verschiedenen Charakteren der Auferstehung. Offenbarung 20,5 u. 6 im Vergleich zu Vers 12ff gibt uns den zusätzlichen Hinweis, daß es sich um verschiedene Handlungen und Zeitpunkte handelt.
Der zwanzigste Vers, der mit einer nachdrücklichen Form des "nun aber" eingeleitet wird, ist der logische Triumph des Glaubens über die Argumente des Unglaubens. "Nun aber ist Christus... auferweckt" - das ist die Basis unserer Hoffnung für die Ewigkeit; es ist nicht eine Frage, über die Christen verschiedene Ansichten haben können, sondern eine fundamentale Tatsache.
Zwei Häupter - zwei Familien
Wie uns die Verse 21 und 22 zeigen, gibt es nach den Gedanken Gottes zwei Familien, von denen jede ihr Haupt besitzt und dadurch charakterisiert wird. Durch einen Menschen - durch Adam - wurde der Tod eingeführt; dadurch kam das Urteil des Todes auf alle, die nach ihm kamen. Die Familie Adams umfaßt die ganze Menschheit, und sie alle sterben. Aber es war nach dem Ratschluß Gottes, daß auch die Auferstehung Toter durch einen Menschen käme. Dieser Mensch ist der Herr Jesus Christus. "Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden." Auch Christus hat eine Familie, und sie besteht, wie Vers 23 unmißverständlich zeigt, aus all den Seinen, aus all denen, "welche des Christus sind". Sie werden, was ihren Leib angeht, lebendig gemacht werden. Es ist ausschließlich eine Frage des Leibes, nicht der Seele. Wenn wir hier zweimal den Ausdruck "alle" finden - "in dem Adam alle sterben", "in dem Christus alle lebendig gemacht werden" -, so müssen wir beachten, daß die beiden "alle" in ihrem Umfang nicht deckungsgleich sind, sondern ihre jeweilige Bedeutung und Reichweite durch die Verbindung mit ihrem Haupte erhalten. Im Falle Adams umfaßt "alle" die ganze Rasse, d. h. alle Menschen, während sich im Falle Christi "alle" allein auf Seine Familie bezieht, auf alle die Seinen. Aber werden die Ungerechten nicht auch auferweckt? Ohne Frage; aber so speziell ist hier die Auferstehung, daß sie nicht einmal genannt werden. Es ist die Auferstehung des Lebens, und sie ist nur das Teil derer, die das Gute getan haben. Sie sind Sein. Für sie hat Er den Sieg errungen.
Daß alle Menschen errettet werden, wie gewisse Irrlehrer behaupten, sagt also die Schrift weder an dieser noch an irgendeiner anderen Stelle.
Es ist bemerkenswert, daß der Heilige Geist in dem späteren Teil unseres Kapitels (V. 45 u. 47) noch einmal auf die beiden Häupter zu sprechen kommt und sie in anderer Beziehung einander gegenüberstellt. "So steht auch geschrieben: ,Der erste Mensch, Adam, ward eine lebendige Seele'; der letzte Adam ein lebendig machender Geist." Auch hier steht der letzte Adam in starkem Gegensatz zu dem ersten. Der erste Adam wurde durch das Einhauchen des göttlichen Odems eine lebendige Seele; er war folglich "seelisch", und er besaß ein "natürliches" oder "seelisches" Leben, das irdisch war. Er hat sich überreich vermehrt, aber alle, die ihm entspringen, sind ebenfalls irdisch, sind von derselben 'Ordnung. Der letzte Adam dagegen ist, obgleich wirklich Mensch, Gott: darum ist Er ein lebendig machender Geist Er ist nicht nur Mensch, sondern Er ist Adam, d. h. der Urheber und das Haupt einer Rasse. Er wird der letzte Adam genannt, weil nach Ihm kein anderes Haupt mehr folgen wird: In Ihm hat Gott hinsichtlich des Menschen Vollkommenheit und Endgültigkeit erreicht. Dafür sei Sein Name gepriesen! Die bedeutende Gelegenheit, wo uns die Schrift den Herrn Jesus als lebendig machenden Geist vorstellt, finden wir in Johannes 20, als Er als der Auferstandene Sein Auferstehungsleben in Seine Jünger hauchte.
Aber laßt uns beachten, Er ist nicht nur "der letzte Adam", sondern auch "der zweite Mensch"! Dieser Ausdruck zeigt uns, daß zwischen Adam und Christus kein Mensch weiter gerechnet wird. Kain war nicht der zweite Mensch. Er war nur Adam, reproduziert in der nächsten Generation. Und so waren es alle Menschen, die nach Adam kamen - Reproduktionen Adams zu ihrer Zeit. Aber als Christus auf diese Erde kam, war Er nicht ein reproduzierter Adam. Vom Heiligen Geist gezeugt und von einer Jungfrau geboren, war Er ein neuer, ursprünglicher Mensch, der würdig war, "der zweite Mensch" genannt zu werden.
Abschließend noch ein starker Gegensatz zwischen den beiden Häuptern, der sich aus dem bisher Gesagten ergibt: Adam wurde ein Sünder und dadurch dem Tode unterworfen, und also wurde er das Haupt des sündigen Menschengeschlechtes. Christus aber ging freiwillig in den Tod, indem Er die Sünden der an Ihn Glaubenden auf sich nahm, und also wurde Er das Haupt Seiner Familie, der "Himmlischen" (V. 48).
Ein jeder in seiner eigenen Ordnung
Wie in allen Dingen Gottes eine göttliche Ordnung herrscht, so auch in der Auferstehung. Deshalb lesen wir in Vers 23: "Ein jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling Christus; sodann die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende." Es ist zutiefst beeindruckend, ja geradezu atemberaubend, mit welch Riesenschritten, mit welcher Geschwindigkeit hier der Heilige Geist die Zeit durcheilt und die verschiedenen Stadien der Auferstehung, anfangend von Christus bis hin zum absoluten Ende, anführt. Der Erstling ist, wie wir schon betrachtet haben, Christus. "Sodann die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft." Wenn der Herr Jesus zur Heimholung Seiner Braut mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herniederkommt, werden die Toten in Christo (das sind alle Gläubigen von Adam an) zuerst auferstehen; "danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft" (1. Thes 4,16.17). Welch ein glorreicher Augenblick wird dies sein! Aber sage, lieber Leser, wirst du dabeisein? Diese Auferstehung wird nur jene erreichen, nur jenen zuteil, die "des Christus sind". Bist du schon Sein Eigentum?Wenn nicht, dann eile doch heute noch in Seine offenen Retterarme!
Das Ende
"Dann das Ende." Das ist ein gewaltiges Wort! Hier ist nicht irgendein Ende eines Zeitalters, sondern das absolute Ende gemeint, das Ende der ersten Schöpfung, das Ende der Zeit, wenn in Wahrheit die Ewigkeit beginnen und in den neuen Himmeln und auf der neuen Erde Gerechtigkeit wohnen wird (2. Pet 3,13; Off 21,1ff).
Es ist bemerkenswert, daß der Apostel nicht die Auferstehung der Gesetzlosen, sondern, sogleich das Ende einführt, das damit beginnt, daß Er das Reich, in welchem Er kommen und erscheinen wird (Lk 19,12; 23,42; 2. Tim 4,1), dem Gott und Vater übergibt. Er nahm nach den Gedanken Gottes das Reich nur ein, um alle Dinge in Unterwerfung unter Gott zu bringen. Das, was Er Seine Jünger zu beten lehrte, daß des Vaters Reich kommen möge, wird Er dann selbst in Macht ausführen, indem Er selbst das Reich aufrichtet. Aber - wie kostbar ist dieser Gedanke! - bei alledem bleibt Er, was Er als Mensch immer war - der Diener Gottes. Er nimmt das Reich nicht zu Seiner eigenen Verherrlichung, um Sich selbst zu gefallen, sondern zur Verherrlichung Seines Vaters. Er wird alle Dinge wiederherstellen (Apg 3,21), Er wird sie in den Zustand bringen, in dem sie ewiglich bleiben werden. Hierin eingeschlossen sind auch die Auferstehung und das Gericht der Gottlosen und die Beseitigung und Vernichtung jeder entgegenstehenden Herrschaft, Gewalt und Macht. Die Gottlosen werden gerichtet, ehe Er das Reich übergibt. Und hat Er alles dies vollendet, hat Er alles in Übereinstimmung mit den Gedanken Seines Gottes gebracht, so ist für Ihn alles erfüllt; dann wird Er das Reich dem Gott und Vater übergeben (es wird nicht von Ihm genommen oder einem anderen gegeben werden), und dieses Übergeben an den Gott und Vater wird am Ende der tausend Jahre Seiner Regierung geschehen.
Während also der vierundzwanzigste Vers uns zeigt, was der Herr Jesus am Ende Seiner tausendjährigen Herrschaft tun wird - nämlich das Reich zurückgeben -, so zeigt uns Vers 25, wodurch Seine Herrschaft gekennzeichnet sein wird. "Denn er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat." Nach Psalm 110,1 sitzt Er heute als der verherrlichte Messias zur Rechten des Thrones Gottes droben und wartet, bis Jehova die Feinde des Messias zu Seinem Fußschemel macht. Wenn der Vater Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße legt, dann wird Er beginnen, sie niederzutreten. Er wird dies tun von Seinem Kommen zur Aufrichtung Seines Reiches an bis zu seinem Ende, bis (nicht "nachdem") Er alle Feinde gelegt hat zum Schemel Seiner Füße.
Der letzte Feind
"Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod" (V. 26). Nachdem alle übrigen entgegenstehenden Mächte durch die Regierung Christi beseitigt wurden, bleibt als letzter Feind der Tod. Wenn hier der Tod als Feind dargestellt wird, so möchten wir hierzu bemerken, daß es oft die Weise Gottes in Seinem Worte ist, abstrakte, nicht greifbare Dinge personifiziert darzustellen. So werden z. B. "die Liebe" und "die Wahrheit" in 1. Korinther 13 in dem, was sie tun oder nicht tun, so dargestellt, als handelte es sich um Personen. Bezüglich des Todes und des Hades wird uns in Offenbarung 20,14 eine ähnlich bildhafte Beschreibung gegeben: "Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee." Tod und Hades werden aufhören zu bestehen. Damit haben wir sogleich auch die Erklärung, was mit dem Wegtun des letzten Feindes, des Todes, gemeint ist - die Auferstehung der Toten. Die Vernichtung des Todes bedeutet ihre Auferstehung. Hier handelt es sich also um die Auferstehung zum Gericht, um die Auferstehung all derer, die nicht an der ersten Auferstehung teilhatten. Alle, die auferweckt vor dem großen weißen Thron von Offenbarung 20 stehen, sind gottlose, verlorene Sünder, deren ewiges Teil der Feuersee ist. Nicht einer von ihnen ist ein Gläubiger; denn die Gläubigen waren längst zuvor durch die Aus-Auferstehung zum Herrn geführt worden. Wohl werden noch Bücher aufgetan, aber dies wird nur dazu dienen, um zu zeigen, daß ihre Werke böse waren und daß keiner ihrer Namen in dem Buche des Lebens verzeichnet ist. Wie erschütternd ernst ist der Gedanke, daß es bezüglich der ewigen Pein der Gottlosen im Feuersee ebensowenig eine Änderung geben wird, wie für die Glückseligkeit der Erlösten im Himmel!
Der ewige Zustand
Als Johannes, der Seher, die Offenbarung empfing, sah er, wie eine Tür in dem Himmel aufgetan wurde, und er hörte eine Stimme wie die einer Posaune mit ihm reden, welche sprach: "Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muß" (Off 4,1). So dürfen wir schon heute im Geiste in den geöffneten Himmel eintreten und mit den Dingen beschäftigt sein, die nach diesem geschehen werden. Wie überaus herablassend ist Gott in Seiner Güte, daß Er uns über uns selbst erhebt und uns, soweit es uns jetzt möglich ist, Blicke tun läßt in jene himmlischen Sphären, in denen wir uns einmal bewegen werden! Nur an sehr wenigen Stellen der Heiligen Schrift geht Gott noch einen Schritt weiter und zeigt uns nicht nur, was im Himmel oder auf Erden noch geschehen muß, sondern gestattet uns einen Blick in die zukünftige Ewigkeit, in den ewigen Zustand. Natürlich kann Er uns heute noch nicht unsere Glückseligkeit im Vaterhaus beschreiben; vielmehr sieht Er sich genötigt, uns mitzuteilen, was droben nicht mehr sein wird:"... und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Off 21,4). In Vers 28 unseres Kapitels (1. Kor 15) läßt Er uns jedoch noch etwas Weiteres bezüglich des ewigen Zustandes wissen: "Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, auf daß Gott alles in allem sei."
Wenn jener Punkt erreicht ist, daß das ganze Universum Gott völlig unterworfen ist und die neue Schöpfung die Endgültigkeit erreicht haben wird, dann wird der Sohn das vermittelnde Königtum, das Er als Mensch innehatte, aufgeben und aufs neue Dem unterworfen sein, "der ihm alles unterworfen hat". Als der Herr Jesus Mensch wurde, nahm der Sohn den Platz der Unterwürfigkeit und Abhängigkeit ein, und diesen Platz wird Er auch in alle Ewigkeit einnehmen - ein klarer Beweis, daß Er das Menschtum für immer annahm. Obwohl der Herr Jesus Gott, der Sohn, und absolut eins mit dem Vater ist, so wird Er als Mensch in Ewigkeit unterworfen sein, wie Er es auch auf Erden war. Er wird in Ewigkeit die normale Stellung des Menschen einnehmen, die Stellung, die Gott von Anfang an für den Menschen vorgesehen hatte - den Platz der Unterwürfigkeit. Wie unaussprechlich glücklich macht uns dieser Gedanke heute schon - der Herr Jesus wird immer, immer Mensch sein, so daß wir Ihn immer und ewiglich werden sehen und genießen können! Gepriesen und verherrlicht sei Sein Name dafür!
Wenn der Herr Jesus Seinen ewigen Platz als Mensch, als Haupt der ganzen Familie der Erlösten, einnehmen wird, dann wird dies dahin führen, "daß Gott alles in allem" ist. Dann wird jede menschliche Verwaltung und Herrschaft für immer aufgegeben sein, und Gott wird als solcher (obwohl immer Vater, Sohn und Heiliger Geist) die Oberherrschaft. über alles haben, eine Oberherrschaft, wie Er sie in der vergangenen Ewigkeit hatte und gegen die es keinen Widerstand mehr geben wird.
Wir möchten unsere Betrachtungen über die Auferstehung mit einer Gegenüberstellung abschließen. Die Leugnung der Auferstehung zerstört das Christentum und läßt uns als logisches Ergebnis in unseren Sünden und in hoffnungslosem Elend zurück; die Tatsache der Auferstehung aber, verwirklicht in unserem teuren Herrn, führt uns aufgrund Seines vollbrachten Werkes geradewegs in den ewigen Zustand der Herrlichkeit.
Sein Name sei ewig gepriesen für solche Gnade!
Ch.B.
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