Welch ein Tag in der Geschichte der Menschheit.Die Vorderseite des Traktats

Der Retter ist da!
Der Herr der Herrlichkeit, als ein neugeborenes Kind in einer Krippe liegend!
Ohne das Kreuz gäbe es keine Erlösung von der Sünde.
Weihnachtsgeschenke müssen angenommen werden, erst dann sind sie unser Eigentum.

Jesus Christus:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.
(Johannes 14,6)

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Die gute Saat" ist ein evangelistischer
Kalender,in dem die Einladung "Lasst euch versöhnen mit Gott!" im Vordergrund steht. Das ist das Dringenste für jeden, der noch nicht seine Sünden vor Gott bekannt und durch den Glauben an Jesus Christus Frieden mit Gott hat.

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Christus, der Mittelpunkt

Oder: Warum haben wir uns allein in dem Namen Jesu zu versammeln?

Die Frage: "Warum haben wir uns allein im Namen Jesu zu versammeln?" ist von allergrößter Bedeutung und hat daher immer wieder die Gemüter so mancher Kinder Gottes beschäftigt. Zur Beantwortung dieser Frage und zur Erläuterung der Belehrungen der Heiligen Schrift in dieser Hinsicht sind die nachstehenden Gedanken niedergeschrieben worden. Mögen sie vielen geliebten Kindern Gottes zum rechten Verhältnis dieses wichtigen Gegenstandes behilflich sein.

Was uns zuallererst um die kostbare Person des Herrn Jesus schart oder scharen sollte, ist die Würdigkeit Christi.Gott selbst hat Ihn "hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf daß in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge ... und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters" (Phil 2,9.11). Es war das Wohlgefallen unseres Gottes und Vaters, Ihn, der gehorsam war bis zum Tod, auf diese Weise zu ehren. In diesem Namen, der auch für jeden Gläubigen so überaus kostbar ist, versammelten sich in den Tagen der Apostel alle Christen. Und als vor dem Seher Johannes der Schleier der Zukunft gelüftet wurde, sah er den Herrn Jesus, und er schildert Ihn mit den Worten: "Sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige" (Offb 1,16. 17). Welch ein erhabener Anblick!

Dann wird Johannes im Himmel eine Tür aufgetan, und er erblickt die zukünftige Herrlichkeit des Lammes Gottes in,itten der Millionen und aber Millionen Erlöster. Er sieht inmitten des Thrones "ein Lamm stehen wie geschlachtet", und die es umgeben, "singen ein neues Lied". Was wird es für die Erlösten sein, diesen spontanen Ausbruch einer "unaussprechlichen und verherrlichten Freude" mitzuerleben und in jenes neue Lied miteinzustimmen! Niemand von den durch Sein Blut für Gott Erkauften wird sich weigern zu singen: "Du bist würdeig". Auch die himmlischen Heerscharen rufen mit lauter Stimme: "Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Segnung", ja, "jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meere ist, und alles was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit"  (Offb 5,6-14).

So wird unser hochgelobter Herr einst im Himmel angebetet und in der ganzen Schöpfung geehrt und anerkannt werden. Und diese Ehre läßt Gott dem auferstandenen Christus zuteil werden, der einmal für unsere Sünden starb als "der Gerechte für die Ungerechten, auf daß er uns zu Gptt führe" (1. Petr 3, 18).Sollte jemand bei der Schilderung dieser Herrlichkeiten des Herrn ängstlich und verzagt werden, so dürfen wir ihn daran erinnern, daß dies gerade die Herrlichkeit seines Erlösers und Herrn ist. Denn wer sind jene Millionen von Anbetern? Alles durch Christi Blut erlöste Sünder, wie die von sieben Dämonen besessene Maria Magdalene, der von der irdischen Gerechtigkeit verurteilte und gekreuzigte Räuber, Zöllner und Sünder. Die Würdigkeit des Herrn Jesus was so groß, daß Er solche Geschöpfe in die Herrlichkeit einführen kann, und der heilige Gott bestätigt es selbst: Er ist würdig, und jedes Geschöpf sagt dazu: Amen! Willst du diesem Gott nicht dein ganzes Vertrauen schenken?Die Person des gestorbenen und auferstandenen Christus ist in Gottes Augen so groß und erhanen, daß Er dir zurufen läßt: "So sei es euch nun kund, Brüder, daß durch diesen euch Vergebung der Sünden verkündigt wird; und von allem, wo von ihr im Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet, wird in diesem jeder Glaubende gerechtfertigt" (Apg 13,38.39). Die Errettung geschieht also ganz allein durch Christus, und glücklich sind alle, die sagen können: "Wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen" (Eph 1,7).

Wir sind ganz und gar unfähig, die wunderbare Herrlichkeit und Erhabenheit der Person Christi zu beschreiben, sondern können nur auf die inspirierten Schriften verweisen, die so klar und eindeutig davon reden. Vielleicht sagt nun jemand daß es doch kein wahren Christen gibt, der die Würde der Person des Herrn Jesus oder die Erhabenheit Seines Namens in Zweifel zieht. Das ist sicher wahr, denn was wären das für Christen, in deren Herzen bei der Nennung des Namens Jesus keine Saite zum Klingen käme?

Doch die entscheidende Frage ist: Wie groß oder wie hoch ist die Wertschätzung Seiner Person bei dir und bei mir persönlich? Wenn wir den Herrn Jesus des vereinigten Lobes und der gemeinsamen Anbetung im Himmel für würdig halten, warum ist Er es dann nicht schon hier auf Erden? Niemand wird bezweifeln, daß sich im Himmel alle Erlösten um die Person des Herrn Jesus scharen werden, um Ihn anzubeten und zu preisen. Warum aber, so muß man fragen, tun es nichtschon hier auf der Erde die tausend oder zehntausend wahren Christen in einer Stadt? Wenn im Himmel jeder trennende Name und jede Spaltung wegfallen wird, warum nicht schon jetzt und hier auf Erden? Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, daß die Christen, die sich einfach im Namen Jesu versammeln, sich von den geliebten Gotteskindern in den Benennungen oder Gemeinschaften trennen, weil sie sich für besser hielten als sie. Nein, sie tun es, weil der Herr Jesus ihnen das Opfer wert ist, ein für allemal jede Partei und Spaltung aufzugeben und sich allein um Seine Person und um Seinen Namen zu versammeln.Und Er ist es wert, daß auch du, lieber gläubiger Mitpilger, du magst stehen, wo du willst, den Boden der Spaltungen verläßt und keinen anderen Namen anerkennst als allein Seinen herrlichen Namen. Was mögen die Engel, die den Namen Jesu kennen und verehren, wohl denken und empfinden, wenn sie unsere getrennten Wege hier beobachten? Welch dunkles Gegenbild zu der Einheit im Himmel sind doch die vielen Spaltungen auf der Erde! An vielen Orten kommen die Kinder Gottes unter mancherlei verschiedenen Namen zusammen, aber nicht zwei oder drei in derselben Stadt versammeln sich allein im Namen Jesu! Und doch ist es der Herr Jesus ohne allen Zweifel wert, daß alle Gläubigen eines Ortes ausnahmslos sich um Ihn allein versammeln. Wie kann ich in Aufrichtigkeit beten: "Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden", wenn ich nicht bereit bin, auf Erden Seinen Willen zu tun? Kommt nicht Gottes Wille im Himmel darin zum Ausdruch, daß alle Gläubigen ohne Unterschied sich um das geschlachtete Lamm zu Seiner Anbetung versammeln? Warum bin ich nicht bereit, diesen geoffenbarten Willen Gottes schon auf Erden zu tun und jede Parteiung aufzugeben, die es im Himmel ohnehin nicht geben wird? Wäre es nicht ehrlicher zu beten: "Herr, Du siehst, daß ich mich mit so vielen meiner Freunde in dieser oder jener Gemeinschaft befinde und mich nicht von ihnen trennen mag; vergib mir deshalb, daß ich hier auf der Erde Deinen Willen nicht so erfülle, wie ich es einst im Himmel tun werden"? Ist es wirklich nur Engherzigkeit, wie viele meinen, wenn man den Willen Gottes auf Erden zu erfüllen begehrt, wie es im Himmel geschiehr? Ist der Herr Jesus es nicht wert, daß wir Ihn auch in dieser Beziehung als unseren alleinigen Herrn anerkennen, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters? Jesu Name ist für Gott von allerhöchstem und unermeßlichem Wert. In den Tagen der Apostel war der Name Jesus über jeden anderen Namen erhaben, und versuchte jemand, einen anderen Namen in den Vordergrung zu stellen - mochte es selbst der Name Paulus oder Kephas sein -, so erklärt der Heilige Geist ihn für fleischlich. Schon einen solchen Namen zuzulassen, bedeutete nicht mehr und nicht weniger, als die Person Jesu auf den Boden eines bloßen Menschen herabzuziehen.

Ist es nicht auch heute so? Jesus ist der Anbetung von Millionen Erlöster im Himmel würdig, und deshalb ist Er auch würdig, jetzt auf der von allen wahren Christen gemeinsam angebetet und erhoben zu werden. Lieber Leser, hast du den Wunsch, den Willen Gottes schon hier auf Erden zu tun, dann ist dir der Weg klar bezeichnet. Gib jede Benennung und jede Partei auch und versammle dich allein in dem überaus kostbaren Namen Jesu, des erhabenen Herrn im Himmel. Laß dich nicht durch andere beirren, mögen sie zum Herrn Jesus stehen, wie sie wollen, und vielleicht sogar vor der Welt ein treues Zeugnis für Ihn ablegen.

Doch jetzt mag gefragt werden: Welche Art kirchlicher Oberhoheit oder Regierung entspricht denn den Gedanken Gottes? Damit kommen wir zu dem nächsten Gegenstand unserer Betrachtung, dem zweiten Grund, der uns veranlaßt oder veranlassen sollte, allein im Namen des Herrn Jesus zusammenzukommen: es ist die Souveränität des Heiligen Geistes. Bevor der Herr Jesus diese Erde verließ, sagte Er zu Seinen betrübten Jüngern: "Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt. Ihr aber kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein" (Joh 14,16.17). Der Herr Jesus hatte ihnen verheißen, daß dieser Sachwalter sie über alles belehren würde, was für sie zu wissen notwendig wäre: "Der Sachwalter aber, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14,26). Weiter sagt Er ihnen: "Wenn aber der Sachwalter gekommen ist ..., so wird er von mir zeugen" (Joh 15,26). Beachten wir, daß der Herr Jesus den Jüngern nicht nur einen Einfluß oder eine Kraft verheißt, sondern eine wirkliche, göttliche Person, wie Christus selbst es ist, nämlich die Person des Heiligen Geistes. Wie der Herr Jesus vom Vater gezeugt hatte, so sollte der Heiligen Geist von Christus zeugen. Als "Geist der Wahrheit" sollte Er uns in die ganze Wahrheit leiten: "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten .... Er wird mich verherrlichen" (Joh 16, 13.14). Diese Verheißung hat Gott erfüllt, denn nachdem der Herr Jesus im Himmel verherrlicht war, sandte Gott den Heiligen Geist hernieder (Apg 2, 1-38). Von diesem augenblick an suchen wir im Neuen Testament vergeblich nach einer anderen kirchlichen Regierung oder Oberhoheit als der der unumschränkten Leitung des Heiligen Geistes. So wirklich der Herr in den Evangelien bei den Jüngern gegenwärtig war, sehen wir in der Apostelgeschichte den Heiligen Geist in der Kirche oder Versammlung gegenwärtig. Der Tag der Pfingsten offenbarte die Gegenwart und Wirksamkeit des Geistes Gottes in Seiner ganzen Macht und Kraft. Auch später lesen wir von Ihm: "Als sie aber gebetet haten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit" (Apg 4, 31). Seine Gegenwart war so wirklich und lebendig, daß Petrus zu Ananias sagen konnte: "Warum hat der Satan dein Hern erfüllt, daß du den Heiligen Geist belogen ... hast?" (Apg 5,3). Und als das Evangelium den Heiden verkündigt wurde, fiel der Heilige Geist auf sie, wie auch vorher auf die Gläubigen aus den Juden (Kap 11,15). Das gleiche sehen wir in Antiochien (Kap. 13,52). Wie autoritär und bestimmt war doch die Leitung des Geistes damals, wenn wir in Apostelgeschichte 16,6.7. von Paulus und seinen Gefährten lesen: "Sie durchzogen aber Phrygien und die galatische Landschaft, nachdem sie von dem Heiligen Geiste verhindert worden waren, das Wort in Asien zu reden; als sie aber gegen Mysien hin kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht." Auch in 1. Korinther 12 wird die Leitung des Geistes in größter Deutlichkeit festgestellt: "Es sind aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber derselbe Geist" (Vers 4) und: "Einem jeden aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben" (Vers 7). Diese letzte Stelle wird häufig mißverstanden und auf die Welt angewandt, obwohl der Herr ausdrücklich gesagt hatte: "... den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt" (Joh 14,17). Mag auch die Verschiedenheit der Gnadengaben groß sein, "alles dieses aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er will" (1. Kor 12,11).

Fragen wir uns jetzt einmal: In welcher christlichen Benennung unserer Tage wird der Geist Gottes in dieser Weise anerkannt? Sobald nämlich eine Versammlung von Christen dies tut, hört sie auf, eine Partei zu sein, weil eben der Heilige Geist keinen anderen Namen als nur den Namen des Herrn Jesus kennt und anerkennt. Schauen wir uns einmal eine Versammlung von Christen vor 1900 Jahren in der Heiligen Schrift an, so finden wir, daß alle Christen eines Ortes sich im Namen des Herrn Jesus versammelten. Der Geist hatte verschiedene Gaben gegeben; die einen waren von Ihm begabt, das Evangelium zu predigen, andere zu lehren, wieder andere zu ermahnen usw., entsprechend den mannigfaltigen Offenbarungen des Geistes. Dieser war in ihrer Mitte in lebendiger Wirklichkeit gegenwärtig und teilte einem jeden aus, wie Er wollte. Zwei oder drei redeten, die übrigen urteilten, denn das war nach 1. Korinther 14, 29-33 die Ordnung Gottes: "Propheten aber laßt zwei oder drei reden, und die anderen laßt urteilen. Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung wird, so schweige der erst. Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, auf daß alle lernen und alle getröstet werden. Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen." Solange die uneingeschränkte Leitung des Heiligen Geistes anerkannt und respektiert wurde, war dies offenbar die Ordnung in den Versammlungen.

Betreten wir dagegen in unseren Tagen eine Versammlung von Christen mit einem vielleicht gut klingenden Namen und einem hohen Bekenntnis, so müssen wir betrübt fragen: Wo erlaubt man noch dem Heiligen Geist, oder wo erwartet man noch von Ihm, daß Er einem jeden austeilt, wie Er will? Wo wird die Autorität und die Leitung des Geistes noch praktisch verwirklicht? Finden wir nicht im Gegenteil, daß der Mensch Seinen Platz eingenommen hat und tun muß, wozu er vom Geist weder befähigt noch geleitet ist? Wie traurig ist es, die Gegenwart und Leitung des Heiligen Geistes auf diese Weise zu mißachten! Die verschiedenen Gaben werden nicht ausgeübt, während die eine ordinierte Person unter der Last des Dienstes seufzt. Gottes Geist wird nicht mehr als Leiter und die von Ihm in der Versammlung gegebene Ordnung wird nicht mehr als verbindlich anerkannt; an deren Stelle ist eine menschliche Ordnung oder, richtiger gesagt, jede Art menschlicher Unordnung getreten. Man mag dies Freiheit des Gewissens nennen, aber wo bleibt die Freiheit des Geistes Gottes, zur Auferbauung der Versammlung zu gebrauchen, wen Er will? Ist das wirklich eine so unwichtige Sache? Tat nicht Israel den ersten verhängnisvollen Schritt auf der abschüssigen Bahn, als es die Herrschaft und Regierung Gottes mißachtete und einen Menschen an Seiner Stelle zu sehen wünschte? (vergl. 1. Sam 8,4-9). Auch die Geschichte der Propheten ist nichts anderes als die Geschichte einzelner Männer, die inmitten des allgemeinen Abfalls von Gott die Wirklichkeit der gesegneten Gegenwart Gottes bekannten und bewahrten. Welche ernste Belehrung gibt uns das Buch des Propheten Jeremia! Obwohl durch den Namen des Herrn, des Gottes der Heerscharen, berufen, daß er allein; aber wie tröstlich müssen die Worte Gottes für ihn gewesen sein: "Jene sollen zu dur umkehren, du aber sollst nicht zu ihnen umkehren"! (Jer 15,16-21).

Das ist auch der ernste, aber gesegnete Platz aller, die in unseren Tagen die Gegenwart des Heiligen Geistes in der Versammlung in Wahrheit und Aufrichtigkeit zu verwirklichen suchen und überzeugt sind, daß sie dem Wort Gottes mehr Gehorsam schulden aös Menschenworten. Ach, mögen doch alle Kinder Gottes, in welcher Parteiung sie sich auch befinden, den großen Segen einer rückhaltslosen Unterwerfung unter die souveräne Leitung des Heilöigen Geistes kennen und verstehen lernen! Wo diese Unterwürfigkeit tatsächlich, nicht nur dem Schein nach, vorhanden ist, da zeugt der Geist von dem Herrn Jesus in einer Weise, die keine menschliche Weisheit nachahmen kann. Sollte ich deshalb irgendwo hingehen, wo der Heilige Geist, den der Vater herniedersandte, um uns bis zum Ende zu lehren, zu leiten und zu bewahren, nicht anerkannt wird? Sicherlich nicht, wenn mein Wille dem wohlgefälligen Willen Gottes unterworfen ist und ich ihn allein zu tun begehre. Ich sollte mich von einer solchen Verbindung lösen, auch wenn sie den Namen einer der großen Kirchen oder einer der unzähligen christlichen Gemeinschaften trägt, und mich einfach im Namen Jesu und unter der Leitung des Heiligen Geistes mit denen versammeln, die nur diesen Herrn als ihr Oberhaupt und den Heiligen Geist als ihren Leiter und Führer anerkennen.

Die christlichen Kirchen und die vielen anderen Parteiungen der bekennenden Christenheit haben darin gefehlt, die persönliche Leitung des Geistes anzuerkennen und zu verwirklichen. Sie zogen es vor, sich eine eigene Regierung oder Leitung zu wählen, die in Form und Zusammensetzung recht unterschiedlich sein mag, aber sie alle verleugnen praktisch die Leitung des Geistes und setzen sie völlig beiseite.

Leider ist in der Christenheit die Wahrheit von der persönlichenLeitung des Geistes Gottes weithin verlorengegangen und so unbekannt geworden, daß man selbst wahren Christen nur schwer verständlich machen kann, was darunter zu verstehen ist. Ja, mancher hat nicht einmal mehr ein Bewußtsein von der Tatsache, daß der Heilige Geist in jedem Gläubigen persönlich und auch in der Versammlung wohnt, sonst würde er nicht singen:

O Heil'ger Geist, kehr bei uns ein
und laß uns Deine Wohnung sein!

Mitunter bitte man auch um eine neue "Ausgießung" des Heiligen Geistes, weil man vergessen hat, daß Er bereits reichlich über uns ausgegossen" ist (Tit 3,6) und in diesem Sinn nicht noch einmal ausgegossen werden kann. Liegt die Ursache so falscher Gedanken nicht vielfach darin, daß man den Heiligen Gesit nur für einen Einfluß oder eine wirkende Kraft hält, und nicht für eine göttliche Person, die in uns und bei uns ist und es in Ewigkeit bleibt? Mit Recht würde mancher Christ es für höchst ungebührlich und anstößig halten, wenn man von Gott, dem Vater, als von einem Einfluß spräche. Ebenso würde es manche empören, wenn von dem Leben des Sohnes Gottes auf dieser Erde gesagt würde, es sei nur eine symbolische Darstellung oder ein Einfluß gewesen. Gott der Heilige Gesit ist jetzt als eine ebenso wirkliche Person auf Erden wie einst der Herr Jesus. Was ein Oberbefehlshaber für eine Armee oder der Ministerpräsident für eine Regierung ist, das ist der Heilige Geist für die Versammlung Gottes. Er befiehlt, leitet, ordnet an, gibt und gebraucht wen und was Er will. Will ich daher Gott treu und Seinem Wort gehorsam sein, muß ich mich von Verbindungen trennen, wo diese Wahrheit nicht anerkannt wird.

Wir kommen jetzt zu dem dritten Grund, der die Gläubigen veranlassen sollte, nur in dem Namen Jesu zusammenzukommen: die Einheit der Kirche (Versammlung) oder, genauer ausgedrückt, die Einheit des Leibes. Soweit wir wissen, redet das Wort Gottes nicht von einer Kirche, wohl aber von einem Leibe (1. Kor 10,17; Eph 4,4; Kol 3,15 usw.). Das gewöhnlich mit Gemeinde oder Kirche übersetzte Wort bedeutet einfach eine Versammlung. Es wird in Apostelgeschichte 19,32 und 39 gebraucht, um eine zusammengeströmte Menge von Heiden zu bezeichnen. Die Kirche Gotte ist die Versammlung Gottes, bestehend aus erretteten Menschen, deren Sünden für immer hinweggetan sind (Hebr 10) und die sich an jedem Ort versammeln, um Gott anzubeten. Keiner anderen Versammlung kann der Name Kirche oder Versammlung Gottes beigelegt werden.

Was ist denn nun der "eine Leib", von dem Paulus in Epheser 4,4 sagt: "Da ist ein Leib"? Ist es eine der bekannten großen christlichen Körperschaften? Oder sind es die anderen größeren oder kleineren Parteien, die es in der christenheit gibt? Weder die eine noch die andere. Zu diesem einen Leib gehören alle durch Jesu Blut erlösten Sünder, aller Kinder Gottes, auch wenn sie keiner der vielen Körperschaften angehören. Gottes Wort nennt sie "Brüder", "Heilige und Geliebte", und sie alle sind Glieder am Leibe Christi, lebendige Steine in dem geistlichen Haus, dem heiligen Tempel Gottes. Einst tot in ihren Vergehungen, hat Gott sie "mit dem Christus lebendig gemacht, ... mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus" (Eph 2,5.6). Dieselbe Kraft Gottes, die Christus aus den Toten auferweckt und Ihm einen Platz über alles gab, hat uns, die Glieder Seines Leibes, mit Ihm lebendig gemacht und mit Ihm vereinigt. So ist die Versammlung Sein Leib. "Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, welcher der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, auf daß er in allem den Vorrang habe" (Kol 1,18). Nachdem Gott Ihn auferweckt und zu Seiner Rechten gesetzt hat, hat Er "alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, welche sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt"  (Eph 1,20-23).

Der Leib Christi, dessen Haupt der im Himmel verherrlichte Herr ist, wird also durch den Heiligen Geist hier auf der Erde gebildet. Zu ihm gehören nach Gottes Ratschluß alle Erlösten, die dem Haupt als wahre Glieder einverleibt und mit Ihm verbunden sind. Das war ein Geheimnis, das in früheren Zeitaltern verborgen war, denn erst nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn Jesus kam der Heilige Geist auf die Erde, um die Versammlung zu bilden, "welche sein Leib ist". "Denn in einem Geiste (d. h. in der Kraft des einen Geistes) sind wir alle zu einem Leibe getauft worden, es seinen Juden oder Griechen, es seinen Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geiste geträmkt worden" (1. Kor 12,13). Gilt das nicht für alle Gläubigen in der gegenwörtigen Haushaltung? Wo sich ein Kind Gottes auf dieser Erde dem Leib nach auch befinden mag, es ist durch den Geist mit dem auferstandenen und verherrlichten Christus ebenso wirklich verbunden und eins, wie ein Glied des menschlichen Körpers mit der Person verbunden ist, der es gehört. Ja, unser Einssein mit Christus ist nicht nur eine Verbindung oder Vereinigung, sondern eine vollkommene Einheit. Denn so wie wir von den Gliedern des menschlichen Körpers, genaugenommen, sagen können, daß sie miteinander vereinigt seien, weil soe ja eine Person bilden, können wir dies von Christus und den Gliedern Seines Leibes auf der Erde sagen. Paulusdrückt dies durch den Heiligen Geist so aus: "Denn gleichwie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele , ein Leib sind: also auch der Christus" (1. Kor 12,12). Ist es nicht bezeichnend, daß hier dieser Leib "der Christus" genannt wird? Er ist eins mit dem Herrn Jesus, obwohl er noch hier auf der Erde ist. Diese wunderbare Wahrheit mußte Saulus von Tarsus auf dem Weg nach Damaskus lernen, als er wutschnaubend die Jünger des Herrn verfolgte. "Was verfolgste du mich?" rief der Herr ihm vom Himmel her zu. Und auf seine Frage: "Wer bist du, Herr?" antwortete der Herr ihm: "Ich bin Jesus, den du verfolgst." Die Gläubigen waren Er selbst, Sein Leib, ein aus vielen einzelnen Gliedern zusammengesetztes Ganzes, das durch den Heiligen Geist mit Christus verbunden war:"der Christus". Welche innige Verbindung kommt auch in dem folgenden Wort zum Ausdruck: "Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleische und von seinen Gebeinen" (Eph 5,30). Es heißt nicht: wir waren es, als Er im Fleische auf der Erde war, denn das war unmöglich. Wäre Er nicht gestorben, hätte Er allein bleiben müssen (Joh 12,24). Eine einheit sündiger Menschen mit einem sündlosen Christus konnte es unmöglich geben. Er mußte sterben, und Er ist für uns gestorben, Ihm sei Lob und Dank! Nachdem Er durch Sein kostbares Blut das Lösegeld bezahlt hat, ist Er aus den Toten auferweckt und gerechtfertigt worden (Jes 50,8). Aber auch wir sind gerechtfertigt worden, denn unserer Rechtfertigung wegen wurde ER auferweckt (Röm 4,25). Wir werden betrachtet als gestorben mit Ihm, auferweckt mit Ihm, gerechtfertigt in Ihm und einsgemacht mit Ihm, dem Verherrlichten. Welche wunderbare Stellung besitzen doch alle Erlösten jetzt schon in Ihm! Wir sind bereits versetzt in das Reich des Sohnes der Liebe Gottes und werden es nicht erst dann sein, wenn wir sterben (Kol 1,13).

Diese große Wahrheit von der Einheit der ganzen Versammlung Gottes in dem auferstandenen und verherrlichten Herrn vergessen zu haben, ist eine der Ursachen der zahlreichen Spaltungen und Trennungen. Wenn man einen Christen fragen würde, ob es die Gemeinschaft, der er hier angehört, auch im Himmel geben werde, würde er, ohne zu überlegen, antworten: Nein, denn dann wird Christus alles sein. Aber sind wir nicht schon jetzt mit Ihm auferweckt und in Ihm in die himmlischen Örter versetzt (Eph 2,6), und ist Er nicht schon jetzt alles? (Kol 3,11). In der neuen Schöpfung gibt es weder Juden noch Griechen, weder Katholiken noch Protestanten, weder Baptisten moch Methodisten, sondern nur noch "Christus alles und in allen". "Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesum Christum" (2. Kor 5,17.18). Das trifft zu für jeden Menschen in christo; er ist eine neue Schöpfung.

So gibt es also, wie wir sahen, nur einen Leib, dem alle Gläubigen angehören, und in diesem Leib gibt es keine Trennungen und Spaltungen, weil alle Glieder eins sind mit Christus im Himmel und untereinander. Das Gebet des Herrn: "Auf daß sie alle eins seien" ist also erhört worden. Sollte diese Einheit nun nicht auch auf Erden gesehen werden, "auf daß die Welt glaube"? Ach, möge der Herr uns allen Gnade geben, Seinen wohlgefälligen Willen zu tun!

Das Gott die Spaltungen unter Seinem Volk verurteilt, wird niemand leugnen, der sich dem inspirierten Wort unterwirft. Als die ersten Spaltungen aufkeimten und sichtbar wurden, schrieb Paulus an die Korinther (1. Kor 1,10-13): "Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus , daß ihr alle dasselbse redet und nicht Spaltungen unter eich seien ..., daß ein jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi. Ist der Christus zerteilt?" Können wir heute im unklaren sein über die Gedanken des Herrn, wenn hier und dort jemand der Seinen sagt: Ich bin katholisch, ich bin evangelisch, ich reformiert, ich Baptist usw.? Gott ermahnt uns alle durch die Erhabenheit und Herrlichkeit des Namens Jesu, daß keine Spaltungen unter uns sein mögen, denn Er kann nicht eine einzige anerkennen oder dulden. Irgendeien anderen Namen außer dem Seinigen zu erlauben, hieße die kostbare Person des Herrn herabzuwürdigen und auf den gleichen Boden mit einem Menschen stellen: "Ich bin des Paulus, ... ich aber Christi". Empfinden wir nicht alle, wie ungeziemend ein solches Tun ist? Wenn es Gottes klarer Wille ist, daß es unter den Seinen keine Spaltungen geben soll, kann ich doch nicht einer solchen angehören und sie gar noch verteidigen. Mache ich mich denn nicht des offenbaren Ungehorsams gegen den eindeutigen Willen Gottes schuldig? Lieber Leser, beantworte dir diese Frage in Gottes Gegenwart und im Licht Seines Wortes.

Um jeden Irrtum über diesen wichtigen Gegenstand auszuschließen, fährt der Heilige Geist fort: "Ihr seid noch fleischlich. Denn da Neid und Streit unter euch ist, seid ihr nicht fleischlich und wandelt nach Menschen weisw? Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus, der andere aber: Ich des Apollos; seid ihr nicht menschlich?" (1. Kor 3,3.4). Wenn es damals den Heiligen Geist betrübte, daß der eine sich nach Paulus und der andere nach Apollos nannte, sollte Er heute daran Gefallen haben, wenn sich der eine "Lutheraner" oder ein anderer "Wesleyaner" nennt? Ist das nach den Belehrungen der Schrift geistlich oder ist es fleischlich? Kann Gott dazu Seine Zustimmung geben oder muß Er diese Benennungen ablehnen? Paulus sagt in bezug auf diese Spaltungen zu den Korinthern: "Ich lobe nicht, weil ihr nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren zusammenkommet" (1. Kor 11,17).

Gott könnte Seinen Willen nicht deutlicher kundgetan, aber auch nicht klarer verurteilt haben, was Seinen Gedanken völlig zuwider ist. "Gott hat den Leib zusammengefügt ..., auf daß keine Spaltung in dem Leibe sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander haben möchten"(1. Kor 12,24.25). Der Mensch sagt: Spaltungen müssen sein (deshalb sucht er mich zu veranlassen, dieser oder jener Partei beizutreten oder sie zu fördern und zu unterstützen). Gott sagt dagegen, daß in dem Leibe keine Spaltungen sein sollten, weil der Leib einer ist. Soll ich nun Gott gehorchen oder dem Menschen? Die Antwort kann für einen aufrichtigen Leser nicht zweifelhaft sein.

Nun könnte jemand einwenden: Sind denn inmitten der Christen, welche die persönliche Gegenwart und Leitung des Geistes zu verwirklichen suchen, keine Spaltungen vorgekommen? Leider ist es so. Aber gerade diese traurige und beschämende Tatsache bestätigt die Richtigkeit der hier gemachten Ausführungen. Was war denn die Ursache dieser betrübenden Trennungen? Nicht gerade die Mißachtung der Souveränität des Heiligen Geistes? Sollten aber Fehler, die in dieser Hinsicht ohne Frage gemacht worden sind, uns veranlassen, die Leitung des Geistes in der Gemeinde oder Versammlung überhaupt abzulehnen, oder und gerechtigen, an einem Platz zu bleiben, an dem die Leitung des Geistes unbekannt oder nicht anerkannt ist? Mit gleichem Recht könnte man sagen: Weil dieser oder jener Christ im Fleische wandelt, muß auch ich aufhören, im Geiste zu wandeln. Sollten nicht vielmehr unsere früheren Sünden und Fehler uns zu um so größerer Vorsicht und Wachsamkeit gegenüber dem Bösen ermahnen? Der uns von Gott gegebene Heilige Geist ist der einzige zuverlässige Führer des Gläubigen und auch der Versammlung. Die Quelle aller Fehler der Kirche war stets die Mißachtung der Leitung des Geistes. Hätte sie sich einzig und allein diesem unfehlbaren Führer anvertraut, wäre sie im Lauf ihrer Geschichte vor manchem bewahrt geblieben. Auch bei dem einzelnen Christen ist es nicht anders. Wandelt er im Fleische, kann ihn schon ein Strhhalm zu Fall bringen, wandelt er dagegen im Geiste, d. h. läßt er sich von Ihm leiten, wird er feststehen gegenüber jeder Versuchung, die an ihn herantreten mag. Ganz gewiß wird die Antwort auf die Frage, inwieweit die göttlichen Gedanken und Absichten praktisch von uns verwirklicht worden sind, immer tief demütigend für uns ausfallen. Aber kann das für uns ein Anlaß sein, den göttlichen Boden zu verlassen und mit weniger zufrieden zu sein, als was Gott uns in Seiner Gnade geschenkt hat? Sollten wir den Ratschluß Gottes hinsichtlich Seiner Versammlung aufgeben und dafür menschliche Gedanken annehmen, oder sollten wir, weil das Fleisch sich an die Stelle des Heiligen Geistes drängen und Unordnung oder gar Schaden anrichten kann, mutlos sagen: Die Leitung des Geistes ist unmöglich; wir müssen uns daher selbst helfen, so gut es geht? Möge sich jeder Leser diese Fragen in Aufrichtigkeit beantworten, nicht nach seinen Gefühlen oder Ansichten, sondern an Hand des Wortes Gottes!

Welche gesegnete Einheit hat doch der Heiligen Geist geschaffen! Eins zu sein mit dem Haupte droben und mit jedem einzelnen Glied hier auf der Erde - kann es etwas Herrlicheres geben? Werden diese Gedanken Gottes von uns verwirklicht, dann wird es in der Tat so sein, wie der Apostel schreibt: "Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, freien sich alle Glieder mit. Ihr aber seid ChristiLeib und Glieder insonderheit" (1. Kor 12,26.27). Erkennen wir doch demütig und beschämt an, da´wir in der Darstellung und Verwirklichung dieser wunderbaren Einheit gefehlt haben! Hüten wir uns aber auch, das Wort Gottes abzuschwächen, um unsere Fehler zu rechtfertigen, und nennen wir nicht gar das Böse gut! Jede Spaltung ist in Gottes Augen böse und verwerflich, ja, Er stellt sogar die "Sekten" auf eine Stufe mit den abscheulichen Sünden, wie "Hurerei", "Götzendienst", "Totschlag" und "Trunksucht" (Gal 5,17-21). Bekennen wir in aufrichtiger Beugung unsere gemeinsame Schuld und Sünde, die Schande einer gespaltenen Kirche, und kehren wir um zum Herrn und zurück zu dem, "was von Anfang war"!

Wir sind zu einer himmlischen Einheit mit dem auferstandenen und verherrlichten Christus berufen, und deshalb ist es Gottes Wille, "daß ihr würdig wandelt der Berufung, mit welcher ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe, euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Bande des Friedens. Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung"  (Eph 4,1-4). Willst du wirklich den Willen Gottes tun, so findest du hier den allein richtigen Weg, und dieser Weg führt immer zum Haupt, zu Christus selbst. Der Heilige Geist sammelt stets und nur zu der Person Christi und schart um Ihn allein, "denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Matth 18,20). Der Mensch macht Kirchen oder Gemeinden oder Spaltung, aber der Heilige Geist sammelt allein zu Christus und Seiner wunderbaren Person. Diese beiden Dinge sind so grundverschieden wie die göttliche Einheit der Versammlung im Himmel und die menschlichen Trennungen auf der Erde.

Der Herr Jesus wünscht, daß die vom Ihm durch den Heiligen Geist geschaffene Einheit in der ganzen Welt gesehen wird, und wie rührend drückt Er diesen Wunsch in Seinem Gebet zum Vater aus: "Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben; auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, auf daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, daß du mich gesandt hast" (Joh 17, 20.21). Statt Spaltungen und Uneinigkeit will der Herr unsere Einheit mit Ihm, dem verherrlichten Haupt, und auch untereinander in der Welt dargestellt sehen. Wir sind mit Ihm gestorben, mit Ihm auferstanden und werden einst Seine Herrlichkeit teilen. Haben wir die Kraft dieser Auferstehung erkannt und wandeln wir würdig dieser Einheit mit dem auferstandenen Christus? Wünschen wir, wie Paulus, Seinem Tode gleichgestaltet zu werden? Beantworten wir uns diese ernsten, inhaltsreichen Fragen mit aufrichtigem Herzen! Haben wir in der Verwirklichung dieser göttlichen Wahrheiten bisher gefehlt, vielleicht aus Mangel an Verständnis, kann uns das nicht der Verpflichtung entheben, Ihm von jetzt ab in Gehorsam und Treue zu folgen. Standest du bislang mit irgend etwas in Verbindung, was dem Herrn Jesus mißfiel und den Heiligen Gesit betrübte, so solltest du dich unverzüglich davon trennen. Vielleicht wird dein Pfad dann einsamer und schwieriger, denn der Weg des Glaubens war zu keiner Zeit leicht und vielbegangen, aber kann es etwas Köstlicheres geben als das Bewußtsein, dem Herrn Jesus wohlzugefallen, indem man Seinen Willen tut? Die Zeit, in der wir leben, ist gefährlich und böse, weil man das Böse gut und das Gute böse nennt. Darum ruft uns Gottes Wort zu: "Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten!" und: "Seid nicht töricht, sondern verständig, was der Wille des Herrn sei" (Eph 5,14.17).

"Ich komme bald!" ruft unser geliebter Herr uns zu. Bald wird der letzte Ton von Uneinigkeit verklungen und der Tag gekommen sien, wo unser treuer Herr für immer anerkannt und verherrlicht sein wird. Dann wird auch die weitere Bittes des Herrn in Seinem Gebet zum Vater in Erfüllung gehen: "Und die Herrlichkeit, die du mit gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seinen, gleichwie wir eins sind; ich in ihnen und du in mir, auf daß sie in eins vollendet seien, auf daß die Welt erkenne, daß du micht gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast" (Joh 17,22.23). Diese Einheit wird in ihrer ganzen Entfaltung und Tragweite gesehen werden, wenn der Herr Jesus mit den zuvor zu Ihm entrückten Heiligen auf diese Erde herabkommen wird. Dann wird die Welt erkennen, daß Jesus von dem Vater gesandt und die Jünger vom Vater geliebt worden sind, wie Jesus selbst geliebt war. Dann wird auch geschaut werden, daß die Heiligen dieselbe Herrlichkeit besitzen wie Christus.

Lieber gläubiger Leser, sollten wir angesichts einer so herrlichen Hoffnung und Erwartung nicht bestrebt sein, die wenigen Tage, die wir noch zu pilgern haben, Seinen wohlgefälligen Willen zu tun? Sein Wille ist, daß wir uns trennen und reinigen von allen Gefäßen zur Unehre (2. Tim 2,19-21) und uns allein in Seinem Namen versammeln (Matth 18,20). Kannst du noch irgendeinen Zweifel darüber haben, welchen Weg du zu gehen hast?

 

Scharf bezeichnet, klar zu sehen
ist der Weg, den ich zu gehen,
weil mein Jesus ging voran.
Ja, so sicher wie Sein Lieben
ist Sein Weg, der hier geblieben,
furchtlos schreit' ich fort auf Seiner Bahn.

 

Quelle: "Christus , der Mittelpunkt"

erschienen 1985 bei

Ernst-Paulus-Verlag, Haltweg 23, 67434 Neustadt,
e-mail: bestellung-epv@gmail.com

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