2. Korinther 5,20

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Der kluge und der böse Knecht

Matthäus 24,45-51

Drei Gleichnisse über die jetzige Zeit

Die Endzeitrede des Herrn Jesus in Matthäus 24 und 25 gehört zu den Bibelstellen, die immer wieder das Interesse der Bibelleser wecken. Der Anfang der Rede (Mt 24,1-44) bezieht sich auf die Drangsal des jüdischen Überrestes, der Schluß (Mt 25,31-46) hat das Gericht der Nationen auf der Erde zum Gegenstand, der mittlere Abschnitt dagegen, der aus den drei Gleichnissen vom klugen und bösen Knecht, von den klugen und törichten Jungfrauen und von den Talenten besteht, hat eine andere Zielrichtung. Das ist an folgenden Einzelheiten zu erkennen:

  1. Es fehlen alle Bezugnahmen auf das jüdische Volk, denen wir im ersten Teil mehrmals begegnen (vgl. Vers 15: "heiliger Ort"; Vers 16: "Judäa"; Vers 20: "Sabbat"; Vers 30: "alle Stämme des Landes").
  2. Der Herr Jesus nennt sich nicht Sohn des Menschen, sondern Herr und Bräutigam.
  3. Die Zeit, die Er vor sich sieht, ist nicht die Drangsalszeit oder Seine Erscheinung, sondern eine nicht näher bezeichnete Zeitspanne Seiner Abwesenheit.
  4. Seine Belehrungen beschränken sich nicht auf die kommenden Ereignisse, sondern stellen verschiedene Herzenszustände heraus.
  5. Er redet nicht in direkter Weise, sondern in Gleichnissen über diese Zeit und Sein Kommen.

In diesem Abschnitt wendet der Herr sich daher nicht an die jüdischen Jünger, sondern an einen großen Kreis. Dieser Bereich wird allerdings nur im zweiten Gleichnis erwähnt: "Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden ..." Die beiden anderen Gleichnisse sind allgemeiner gehalten und haben diese Einleitung nicht. Das gemeinsame Thema aller drei Gleichnisse ist das Verhalten von Menschen, die bekennen, auf ihren Herrn zu warten.

Der Herr und Sein Haus

Der Herr Jesus beginnt das erste dieser drei Gleichnisse mit der Frage: "Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, ihnen die Nahrung zu geben zur rechten Zeit?" (Vers 45). Niemand anders als Er selbst ist mit diesem Hausherrn gemeint, der einen Knecht über seine gesamte Dienerschaft setzt und ihm die Aufgabe überträgt, während der Zeit seiner Abwesenheit jedem zur rechten Zeit die notwendige Nahrung zu geben.

Diese Frage am Anfang des Gleichnisses ist aufschlußreich. Der Herr hat demnach in der Zeit Seiner Abwesenheit ein Haus auf der Erde, das auc Seiner Dienerschaft besteht. Damit kann in der jetzigen Zeit nicht das Judentum gemeint sein, sondern nur die christliche Haushaltung. Wenn es in Hebräer 3,6 heißt: "... dessen Haus wir sind ...", dann kommt darin ein ähnlicher Gedanke zum Ausdruck.

Zwar sind nicht nur einige wenige, sondern all die Seinen dazu berufen, Christus als ihren Herrn zu dienen (Kol 3,24). Hier wird jedoch nur ein einziger Knecht dazu ernannt, den übrigen die Nahrung auszuteilen, und derselbe Knecht empfängt auch bei der Rückkehr seines Herrn den Lohn für seine Treue. Der Herr Jesus betrachtet also den gesamten geistlichen Dienst an den Seinen und alle Seine Diener während Seiner Abwesenheit als eine Einheit. Trotzdem darf und muß jeder Diener des Herrn diesen Auftrag persönlich auf sich beziehen. Außerdem können wir aus diesen Worten entnehmen, daß Er keine lange Zeit der Abwesenheit anküdigt. Wenn nun auch schon fast 2000 Jahre daraus geworden sind (Anmerkung von mir: Der Artikel wurde 1998 geschrieben), sp behalten Seine Worte doch ihre Gültigkeit: "Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist" (Off 22,12)

Speise zur rechten Zeit

In der Frage des Herrn: "Wer ist nun der getreue und kluge Knescht!" kommt auch Sein Suchen nach Dienern zum Ausdruck, die nicht nur fähig, sondern auch willig sind, Seinen Willen zu tun. Er sucht nicht nur begabte Diener, sondern in erster Linie solche, die ihren Dienst in Treue und mit Einsicht erfüllen. Der Apostel Paulus war solch ein treuer und kluger Knecht, der die geistliche Nahrung zur rechten Zeit gab. Er teilte den Ephesern den ganzen Ratschluß Gottes mit, er wies die Kolosser auf Christus, das Haupt, hin, aber er warnte auch die Korinther bei seinen Belehrungen vor fleischlicher Haltung und mußte die Galater sehr ernst zurechtweisen. Über allem stand jedoch die Liebe, die wir in allen seinen Briefen verspüren.

Das richtige Austeilen der geistlichen Nahrung ist die wichtigste Aufgabe in der Haushaltung des Herrn. Diese Nahrung ist das inspirierte Wort Gottes. Es ist die "Milch" für die "neugeborenen Kinder" und die "Unmündigen", aber auch die "feste Speise" für die "Erwachsenen" (1. Kor 3,2; Heb 5,12-14; 1. Pet 2,2). Es enthält also alles, was der innere Mensch zu seiner Erhaltung und zu seinem Wachstum benötigt, und es ist die Aufgabe des Knechtes, das Wort der Wahrheit recht zu teilen, als ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat (2. Tim 2,15).

Der Dienst des Wortes ist so lange nötig, bis der Herr wiederkommt. "Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, damit beschäftigt finden wird" (Matth 24,46). Wie bereits erwähnt, ist derselbe Knecht noch da, wenn sein Herr kommt. Die seit Seiner Himmelfahrt verflossene Zeit mag uns zwar lang erscheinen, aber der Herr, für den ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind, zögert die Verheißung Seiner Wiederkunft nicht hinaus, sondern wartet in göttlicher Langmut, da Er will, daß alle Menschen zur Buße kommen (2. Pet 3,8.9).

Der Lohn für die Treue im Dienst wird nicht ausbleiben: "Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen" (Matth 24,47). Der vom Herrn erteilte Auftrag endet bei der Entrückung der Gläubigen. In der Herrlichkeit und Vollkommenheit des Himmels ist der Dienst des Wortes nicht mehr nötig. Aber dann kommt der Augenblick für jeden treuen Diener, an dem er vor dem Richterstuhl Christi seinen Lohn empfangen wird. Wenn der Herr danach mit all den Seinen wieder auf der Erde erscheinen wird, wird Er Seine Herrschaft über alle Nationen der Erde, ja, über alle Werke Seiner Hände antreten. Die Seinen werden diese Herrschaft mit Ihm teilen und somit tatsächlich "über seine ganze Habe" gesetzt werden (vgl. Ps 2,8.9 und Off 2,26.27).

In diesem wie auch im folgenden Gleichnis wird nicht zwischen dem Kommen des Herrn zur Entrückung und Seiner öffentlichen Erscheinung unterschieden, da das Geheimnis der Entrückung der Gläubigen erst dem Apostel Paulus offenbart wurde (1. Thess 4,15ff; 1. Kor 15,51). Die allgemeine Dastellungsweise dieses Gleichnisses ist auch der Grund dafür, daß keine Unterschiede bezüglich der Treue der einzelnen Diener gemacht werden wie in dem später folgenden Glaichnis.

Der böse Knecht

Der zweite Teil des Gleichnisses zeigt uns ein völlig anders Bild. Hier steht plötzlich und unvermittelt "jener böse Knecht" vor uns, der "in seinem Herzen sagt: Mein Herr bleibt noch aus" (Matth 24,48). Wie aus den Worten "mein Herr" hervorgeht, erkennt er Ihn zwar äußerlich an, besitzt aber weder Liebe und Treue zu Ihm noch zu seinen Mitknechten und wird deshalb von vornherein als böse bezeichnet. Aber wer war dieser Knecht? Das Gleichnis läßt es offen, woher er kam. Der Herr hatte ihn sicher nicht berufen. Auch hieran können wir wieder sehen, daß dieses Gleichnis nicht den individuellen Diener betrachtet, denn ein "treuer und kluger Knecht" (nach Matth 24,47 ein Gläubiger) kann sich nicht in einen "bösen Knecht" (der ja nach Matth 24,51 ein Ungläubiger ist), verwandeln. Es geht hier mehr um den allgemeinen Charakter des Dienstes im Haus Gottes. Und dieser hat sich schon bald sehr geändert.

Bereits wenige Jahrzehnte nach dem Heimgang des Apostels Paulus kam der Gedanke auf, daß er sich in seiner Erwartung des Kommens des Herrn getäuscht habe. Die Folge davon war, daß die Kirche sich auf der Erde einrichtete und schließlich die Wiederkunft Christi ganz aus den Augen verlor. Vielen Lesern ist sicher der Gedanke bekannt, daß, wie die Welt in sechs Tagen erschaffen wurde, so auch 6000 bis zum Beginn des Tausendjährigen Reiches, der "Sabbatruhe", vergehen könnten. Die wenigsten wissen jedoch, daß dieser Gedanke nicht erst aufgekommen ist, seitdem die Erwartung der nahen Wiederkunft des Herrn durch Gottes Geist im vorigen Jahrhundert neu belebt worden ist, sondern bereits aus dem Anfang des zweiten Jahrhunderts stammt! Das bedeutet doch nichts anderes, als daß man schon damals die Wiederkunft des Herrn erst in ungefähr 2000 Jahren erwartete! Es trat also genau das ein, was der Herr in Seinem Gleichnis mit dem Wörtchen "wenn" nur als Möglichkeit ankündigte: "Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr bleibt noch aus ..."

Durch die einsetzende Verflachung des Glaubens wurde die Erwartung des Kommens des Herrn bewußt aus dem Herzen verbannt. Die Folge davon war, daß führende Männer der Christenheit sich Autorität anmaßten und sich der Welt anglichen. Das ist es, was der Herr mit den Worten ausdrückt: "... und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und ißt und trinkt mit den Betrunkenen ..." (Matth 24,49). Diejenigen, die eigentlich in Liebe für die Herde Gottes sorgen sollten, waren innerlich getrennt von denen, mit denen sie verbunden sein sollten, und verbanden sich mit denen, von denen sie getrennt sein sollten, und offenbarten sich dadurch als böse Knechte! Der böse Knecht des Gleichnisses stellt also diejenigen Diener dar, die der Aufgabe, dem Volk Gottes die rechte Nahrung zur rechten Zeit zu geben, nicht gerechtwerden, weil sie gar keine lebendige Glaubensbeziehung zu ihrem Herrn haben.

Doch der Herr kommt auch für den bösen Knecht, aber nicht als freudig Erwarteter, sondern "an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß" (Matth 24,50). Im Hebräerbrief heißt es von denen, die den Herrn erwarten, daß Er ihnen erscheinen wird zur Errettung (Heb 9,28). Aber dieser Knecht erwartet weder den Tag, noch weiß er die Stunde, wenn der Herr zum Gericht kommen wird. Auch der Versammlung in Sardes Kündet Er Sein Kommen zum Gericht mit ähnlichen Worten an: "So werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde" (Off 3,3). Über die zeitliche Einordnung dieses Kommens des Herrn und Seines Urteils sagt unser Gleichnis nichts aus. Diese Einzelheit finden wir an anderen Stellen des Neuen Testaments (Matth 25,31ff; Off 20,11ff.).

Der böse Knecht, der selbst ein Heuchler ist, weil er ein Bekenntnis abgelegt hatte, das nicht der Wirklichkeit entsprach, empfängt seine furchbare Strafe und sein ewiges Teil mit den Heuchlern an dem Ort, wo Weinen und Zähneknirschen, Elend und Pein nie enden werden, im ewigen Verderben, fern vom Angesicht des Herrn (vgl. Matth 8,12; 13,42; 2. Thes 1,9).

So endet die erste der drei in Gleichnisform gekleideten ernsten Warnungen unseres Herrn al alle, die sich zu Seinem Namen bekennen, oder anders ausgedrückt, die sich "Christ" nennen. Es gibt nur zwei Wege, zwei Ziele im Leben des Menschen. Entweder wir glauben an den Herrn Jesus und dienen Ihm - wenn auch niemand die Kühnheit besitzen mag, sich selbst einen "treuen und klugen Knecht" zu nennen -, oder aber - und das ist die einzige Alternative - der Mensch geht ewig verloren, mag er auch ein noch so hohes Ansehen in der Christenheit genießen. "Der Mensch sieht auf das Äußere, aber Jehova sieht auf das Herz" (1. Sam 16,7).

A.R.

 Quelle: "Ermunterung  und Ermahnung" 1998

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