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E+E 1959
Jetzt ist es Zeit anzumerken, dass uns die Wahrheit von dem Leib Christi in dreierlei Hinsicht in der Schrift vorgestellt wird: in einem zeitlichen, in einem örtlichen und in einem ewigen Aspekt.
Aus der Betrachtung von 1. Korinther 12 haben wir schon gelernt, dass alle Gläubigen zusammen den Leib Christi bilden; aber ich mache jetzt einen wichtigen Zusatz: alle Gläubigen, die zu einem gegebenen Zeitpunkt zwischen Pfingsten und der Entrückung auf der Werde leben. Der Apostel hat nach der Sicht von 1. Korinther 12 nicht den Gedanken, dass ein Teil des Leibes im Himmel und ein anderer auf der Erde sei. Dass er nur an die lebenden Gläubigen und nicht an heimgegangene Geschwister im Paradies denkt, macht der Satz in Vers 26 "Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit" unbestreitbar klar, denn im Himmel leidet kein Glied mehr. Entschlafene gehören in diesem Sinn nicht zum Leib Christi auf der Erde, ebenso wenig wie beurlaubte Rekruten oder Resersisten zur aktiven Truppe gehören. Denn der Leib, der, wie wir uns erinnerten, der Tempel des Heiligen Geistes war, liegt nun im Grab und fällt der Verwesung anheim. Durch das Wohnen des Heiligen Geistes im Leib der Gläubigen war er ja zu einem Glied am Leib Christi geworden, aber jetzt ist die Hütte "zerstört" (2. Kor 5,1).1 Natürlich werden alle Entschlafenen der Gnadenzeit, die heute gleichsam "in der Reserve" sind, am Tag der "Generalmobilmachung" vollzählig dabei sein. Wenn der Herr Jesus zur entrückung der Braut wiederkommt, werden sie alle zum Leib Christi in seinem ewigen Aspekt gehören. Aber wenn der Leib Christi auf der Erde vorgestellt wird, haben Entschlafene keinen Anteil daran.
Zu keinem Zeutlunkt seines Bestehens auf der Erde fehlt nämlich dem Leib Christi ein Glied. Ein unvollständiger, sozusagen verstümmelter Leib ist nicht Teil der Belehrung der Schrift über die Versammlung Gottes. Deswegen sollten wir nicht beten, der Herr möge noch Seinem Leib "Glieder hinzufügen". Der Leib ist, was seine Glieder angeht, nach den Gedanken Gottes stets intakt und vollständig. Dass er jedoch das Wachstum Gottes wächst und bei gegebenem Anlass handelt, ist klar die Lehre der Schrift. Aber beides könnte er nicht, wenn ihm einige Glieder fehlen. Es ist deswegen nicht ohne Bedeutung, dass die Schrift nur dann von den >Gliedern< des Leibes, von den >Gelenken< und >Bändern< spricht, wenn der Leib, als Ganzes auf der Erde bestehend, vorgestellt wird:
"Lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus, aus dem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles, für sich das Wachstum des Leibes bewirkt zu seinerSelbstauferbauung in Liebe" (Eph 4,15.16).
"Und nicht festhaltend das Haupt, aus dem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst" (Kol 2,19).
Diese Betrachtungsweise des Leibes also können wir seinen zeitlichen Aspekt nennen. Er zeigt uns, was der Leib Christi in dieser Zeit ist und wie die Gläubigen ihn in dieser Zeit darstellen sollen.
Doch nicht nur in Bezug auf die Vollständigkeit des Leibes Christi zu jedem Zeitpunkt seines Bestehens auf der Erde ist diese Seite von großer Bedeutung, sondern auch in einer das Gemeindeleben zutiefst berührenden Hinsicht: Die Schrift keine keine voneinander unabhängigen örtlichen Versammlungen. Das es örtliche Versammlungen gibt, wird uns gleich beschäftigen; aber sie sind voneinander nicht unabhängig, weil sie alle zusammen den einen Leib Christi auf der Erde bilden. Wo immer auf der Erde der Leib einen sichtbaren Ausdruck finden mag (das ist eine Seite für sich), er wächst das Wachstum Gottes. Alle lebenden Gläubigen gehören zu diesem Leib Christi. Dieser ganze Leib wächst dadurch, dass die einzelnen Gläubigen als Bänder und Gelenke die ihnen vom Haupt übertragenen Funktionen ausüben. Da kann kein Glied von dem anderen sagen: "Ich brauche dich nicht." Ich kann nicht ohne dich auskommen und du nicht ohne mich. Und wenn du am Nordpol wohnen solltest und ich am Südpol wohnt, das ändert überhaupt michts an dem Grundsatz. So sehr sind wir ein Leib in Christus. Das war ja auch die Lehre von 1. Korinther 12. Und wenn schon das einzelne Glied von dem anderen nicht sagen kann: "Ich brauche dich nicht" (1. Kor 12,21), wie viel weniger kann dann eine örtliche Versammlung von einer anderen sagen, dass sie sie nicht braucht!
Unabhängigkeit ist niemals ein göttlicher Grundsatz. Gott hat uns als Glieder von Christus, dem Haupt des Leibes, abhängig gemacht, und Er hat uns auch voneinander abhängig gemacht. Auch in der Schöpfungsordnung Gottes herrscht niemals das Prinzip der Unabhängigkeit, hat Er selbst uns allen soch Leben und Odem und alles gegeben (Apg 17,25). Unabhängigkeit in geistlichen Dingen zu beanspruchen ist letzten Endes nicht anderes als Freisinnigkeit und Eigenwille.
Dass eine "Ortsgemeinde" nach anderen Grundsätzen handeln könnte als eine andere, ist mit den Gedanken und dem Geist der Heiligen Schrift völlig unvereinbar. Wenn der Apostel Paulus von Gott benutzt wurde, über die Ordnung in der Versammlung zu schreiben (und das ist gerade in seinem ersten Brief an die Korither der Fall), dann schreibt er nicht nur der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, sondern auch allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn (1. Kor 1,2). Was er den Gläubigen in Korinth schrieb, gelt ebenso jedem, der sich zu Christus als Herrn bekennt, zu welcher örtlichen Versammlung der Einzelne auch gehören mag. Wenn der Aopstel sein geliebts Kind Timotheus zu den Korinthern sadte, damit er sie an seine Wege in Christus erinnerte, dann fügt er hinzu: "Wie ich überall in jeder Versammlung lehre" (1. Kor. 4,17). Wenn in Kapitel 7 auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau zu sprechen kommt, schließt er seine Belehrungen über diesen Gegenstand mit den Worten ab: "Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle we; und so ordne ich es in allen Versammlungen an" (Vers 17). Und was der Apostel bezüglich der Sammlungen allen Versammlungen von Galatien verordnet hatte, galt ebenso den Korinthern und gilt uns heute (Kap. 16,1).
Das alles zeigt uns, dass es eine Unabhängigkeit unter den Gläubigen an verschiedenen Orten nicht gab und nicht geben kann. Es wäre nichts anderes als eine totale Leugnung der Wahrheit von dem einen Leib Christi auf der Erde. Wenn wir zum "Binden und Lösen" durch die Versammlung kommen, werden wir finden, dass die Beschlüsse der örtlichen Versammlung für den ganzen Leib auf der Erde bindend sind. Wenn sie im Himmel Anerkennung finden (Mt 18,18), sollten sie dann nicht umso mehr an jedem Ort auf der Erde, wo Gläubige in der Einheit des Geistes zusammenkommen, anerkannt werden und Gültigkeithaben? Bezieht sich "drinnen" in 1. Korinther 5, Vers 12, etwa nur auf die örtliche Versammlung? Nicht vielmehr auf die ganze Versammlung, wie sich auch "draußen" auf all jene erstreckt, die außerhalb von ihr in dieser Welt sind? Und die Gaben in Epheser 4: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer - hat Christus sie nicht dem ganzen Leib gegeben?
Nein, die Schrift kennt nicht den Gedanken einer Konförderation einzelner Ortsgemeinden, von denen jede vollständig autonom ist. Lasst uns festhalten, was uns in Epheser 4, Vers 4, gesagt wird: "Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hottnung eurer Berufung." Gott möchte, dass wir uns befleißigen, die Einheit des Geistes in dem Band des Friedens zu bewahren (Vers 3). Was das bedeutet, soll uns am Ende des Buches beschäftigen. Doch sei mit aller Dringlichkeit noch einmal festgehalten: Die Leugnung des Leibes Christi in seinem zeitlichen Aspekt führt unweigerlich zu unbiblischen Grundsätzen und Praktiken, die das Hauprt des Leibes, Christus im Himmel, zutiefst verunehren und den Kindern Gottes schweren Schaden zufügt.
1. Um irrtümlichen Gedanken vorzubeugen, sei hinzugefügt, dass Gläubige, wenn sie entschlafen, nicht den Heiligen Geist verlieren, als hätten sie keinerlei Verbindung mehr mit Ihm. Die Worte des Herrn Jesus in Johannes 14, Verse 16 und 17, zeigen uns vielmehr das Gegenteil: Er bleibt bei ihnen in Ewigkeit.
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