2. Korinther 5,20

Lasst euch versöhnen mit Gott!
 

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Die beiden Religionen

"Zwischen Ihrer Religion und der meinigen besteht ein großer Unterschied", sagte eines Abends eine Christin zu einem Bekannten, für dessen geistlichen Zustand sie sich schon seit langer Zeit sehr interessiert hatte.

"Wirklich?" fragte der andere; "inwiefern denn?"

"Ihre Religion," lautete die Antwort, "besteht aus vier Buchstaben, die meinige aus sechs."

Der also angeredete Mann gehörte zu jener zahlreichen Klasse von Personen, welche durch ihr Tun in den Himmel zu kommen suchen. Religiös, ehrbar, eifrig in der Beobachtung christlicher Formen und Satzungen, und bereit, zu allen Werken der Nächstenliebe hilfreiche Hand zu bieten, sind sie reich an dem, was der Apostel im 9. Kapitel des Hebräerbriefes "tote Werke" nennt.

Der gute Mann wußte nicht, was er aus der sonderbaren Antwort seiner Freundin machen sollte. Diese hatte schon oft mit ihm über religiöse Dinge gesprochen und war an jenem Abend gekommen, um Abschied von ihm zu nehmen, da sie für einige Zeit verreisen wollte. Endlich, nach längerem Besinnen, sagte er:

"Was meinen Sie eigentlich mit den "vier" und "sechs" Buchstaben?"

"O das ist sehr einfach. Ihre Religion heißt: "thun"; die meinige: "gethan"."

Weiter wurde nichts gesprochen. Man nahm Abschied, und die Sache war damit scheinbar erledigt. Aber Gott benutzte die kurze Unterhaltung zum ewigen Heil des Mannes. Die Worte seiner Freundin gingen ihm nach und taten ein Werk in seiner Seele, wie er es nie für möglich gehalten hatte. Sie riefen eine völlige Umwälzung in allen seinen Gedanken hervor. Er fühlte sehr wohl den Unterschied zwischen seiner Religion und derjenigen seiner Freundin, denn "thun" und "gethan" sind zwei sehr verschiedene Dinge. Das eine bedeutet Gesetzlichkeit, das andere bildet die Grundlage des Christentums. Es war allerdings eine neue und etwas merkwürdige Art, das Evangelium von dem vollbrachten Werke Christi vorzustellen; aber sie war gerade passend für einen gesetzlichen Charakter, und der Geist Gottes bediente sich ihrer zum Nutzen des Hörers. Als der Mann das nächste Mal wieder mit seiner Freundin zusammentraf, sagte er zu ihr: "Jetzt kann ich auch sagen, daß meine Religion aus sechs Buchstaben besteht. Der Herr sei ewig gepriesen, daß Er alles gethan hat!"

Er hatte seine "toten" Werke in ihrer ganzen Wertlosigkeit vor Gott erkannt und gelernt, völlig von ihnen abzusehen und in dem vollbrachten Werke Christi zu ruhen. Die Gnade Gottes hatte ihn dahin geleitet zu sehen, daß es sich nicht mehr darum handelte, was er für Gott tun konnte, sondern was Gott für ihn getan hatte.

Das ordnete alles. Gethan - alles gethan, alles für ewig vollbracht, was zu unserem Heile nötig ist! Kostbares Wort! Wer könnte die tiefe Freude und Erleichterung eines mühseligen und beladenen Herzens schildern, wenn es entdeckt, daß alles gethan ist? Welch ein Glück, zu wissen, daß das, dessen Erreichung es vielleicht seit vielen Jahren vergeblich angestrebt hat, schon vor mehr als achtzehn Jahrhunderten auf dem Kreuze geschehen ist. Christus hat alles gethan. Er hat die Sünde hinweggethan, den Forderungen der göttlichen Gerchtigkeit völlig genügt, den Fluch des Gesetzes getragen, Satan besiegt, dem Tode seinen Stachel genommen und dem Grabe seinen Sieg; Er hat Gott gerade da verherrlicht, wo Er verunehrt worden war, und eine ewige Gerechtigkeit für den glaubenden Sünder erworben. Alles das liegt eingeschlossen in dem einen kurzen, aber so kostbaren Worte: "gethan". O wer wollte dafür nicht sein eigenes armseliges "Thun" aufgeben?

Mein Leser! was ist deine Religion? Besteht sie aus vier oder aus sechs Buchstaben? Bist du immer noch damit beschäftigt, zu "thun", oder hast du mit dir selber und all deinem eigenen Wirken abgeschlossen und deine Ruhe in der seligen Gewißheit gefunden, daß alles "gethan" ist? Möchte das letztere der Fall sein! Nur so kannst du wahrhaft glücklich sein, nur dann, wenn du in dem vollbrachten Werke Christi Ruhe gefunden hast, beginne, etwas für Den zu thun, der alles für dich gethan hat. Denn dann ist alles verändert. Statt der fruchtlosen Anstrengungen eines ohnmächtigen, verlorenen Sünders, statt der "toten" Werke eines von Satan gebundenen Sklaven zeigen sich die lieblichen Früchte eines neuen Lebens, dessen Quelle Gott selbst ist; es erklingen die Lobgesänge eines aus der Gewalt der Finsternis und der Herrschaft der Sünde erlösten Gläubigen, der, aufrecht erhalten und gekräftigt durch die Güte und Macht seines Erlösers, fähig gemacht ist, auf dem schmalen Pfade der Wahrheit zu Seiner Verherrlichung zu wandeln. Die Zeit der "toten" Werke ist vorüber, und die Zeit der "guten" hat begonnen, wie wir lesen: "Er hat sich selbst für uns gegeben, auf daß Er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentums-Volk, eifrig in guten Werken." (Titus 2,14)

Der Herr gebe uns allen ein einfältiges Auge, ein kindliches, demütiges Herz und einen aufrichtigen Eifer für Seinen Namen! "Denn einst waret ihr Finsternis,jetzt aber Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts." (Epheser 5,8)

Quelle: "Botschafter des Heils in Christo" (1892)

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