2. Korinther 5,20

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Die Erprobung des Menschen

Sicher ist uns beim Überschauen der sieben Haushaltungen aufgefallen, dass jede von ihnen mit Gericht abschließt. Wie kommt das? Was ist der Grund für solch ein ernstes Handeln Gottes? Hat Er etwa Freude am Gericht?

O nein, Er ist langsam zum Zorn und groß an Güte und Erbarmungen. Die Antwort ist vielmehr darin zu suchen: Die Wege Gottes mit den Menschen in den verschiedenen Epochen sind dadurch gekennzeichnet, dass Gott den Menschen unter Verantwortung stellt und ihnen unter wechselndem Vorzeichen, wenn ich so sagen darf, erprobte. Er suchte, etwas Gutes an dem zu finden, den Er selbst "sehr gut" gemacht hatte (1. Mo 1,31). Doch wie war das Ergebnis der Erprobung des Menschen?

Der Mensch, der sich der glücklichsten Umstände im Paradies erfreute und selbst noch im Zustand der Unschuld war, wurde unter die Verantwortung gestellt, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen (1. Mo 2,16.17). Aber er gehorchte nicht, misstraute Gott, glaubte der Schlange und fiel in Sünde (1. Mo 3,6).

In der Zeit, als nur das Gewissen herrschte und der Mensch unter der Verantwortung stand, "wohl zu tun" 1. Mo 4,3.7), geschah der erste Brudermord. Gott musste sehen, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag (1. Mo 6,5).

Als Gott dem Noah im Zeitalter der Regierung durch den Menschen das Schwert anvertraute, versagte dieser: Noah konnte nicht einmal sich selbst regieren (1. Mo 9,21). In dieser Zeit geschah es, dass die Menschen sich in ihrem Hochmut gegen Gott empörten und eine Stadt bauen wollten mit einem Turm, dessen Spitze an den Himmel reichen sollte, um sich selbst einen Namen zu machen (1. Mo 11,4).

Nachdem Gott sich in Abraham ein irdisches Volk auserwählt hatte, gab Er diesem unter Mose das Gesetz mit der Verantwortung für das Volk, fleißig auf Seine Stimme zu hören und Seinen Bund zu bewahren (2. Mo 19,5). Er gab ihm einen Platz besonderer äußerer Vorrechte und sonderte es durch die verschiedenen Institutionen, Riten, Verordnungen und Dienste von den Gräuln der übrigen Völker für Sich ab:Er grenzte durch Sein heiliges Gesetz Sein Volk, das in seiner Mehrheit ebenso schlecht wie die Nationen war, so von den übrigen Völkern der Erde ab, dass es für einen Juden Sünde war, mit einem Heiden Gemeinschaft zu haben. Es sei hier nur daran erinnert, welche Mühe sich der Herr nehmen musste und in Gnaden auch nahm, um Petrus bereit zu machen, mit nach Cäsarea zu Kornelius, dem heidnischen Hauptmann, zu gehen (Apg 10).

Doch das Volk Israel brach das Gesetz, nachdem es kaum gegeben war, und verderbte sich gegen den HERRN, seinen Gott (2. Kön 17,7-23). Es wandte sich von Gott zu den Götzen und bewies vor der ganzen Welt, dass - mag eine Nation noch so große Vorrechte genießen und durch noch so große göttliche Weisheit geleitet werden - das Ergebnis nur wachsende Feindschaft des Menschen gegen Gott selbst ist.

Das krönende Experiment Gottes zur Erprobung des Menschen war die Sendung Seines geliebten Sohne in diese Welt der Sünde und des Todes. In Markus 12,6 lesen wir die ergreifenden Worte: "Da er nun noch einen geliebten Sohn hatte, sandte er ihn als letzten zu ihnen." Und der Herr Jesus war hier, auf diesem Schauplatz der Sünde und des Todes, und verkörperte in Vollkommenheit die Güte und Liebe Gottes. Niemand hatte Gott jemals gesehen; Er, der eingeborene Sohn der im Schoß des Vaters ist, Er hat Ihn kundgemacht (Joh 1,18).

Aber das Kommen Christi brachte eine schreckliche Wahrheit ans Licht: Der Mensch ist nicht nur verderbt und folgt seinem eigenen Willen, sondern er ist auch der Feind Gottes und hasst die vollkommene Güte Gottes in Ihm - einem Menschen, dem Menschen vom Himmel. Wie bewegend, wie ernst sind die Worte des Herrn: "Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie gesehen und doch gehasst sowohl mich als auch meinen Vater" (Joh 15,24). Durch die Verwerfung Christi kam der totale Ruin des Menschen, unter Verantwortung gestellt, völlig ans Licht: Er liebt nicht nur die Sünde, sondern er hasst die Liebe Gottes!

War nun Gott von der Entwicklung der Dinge überrascht, kam Er gar in Verlegenheit? O nein! Weil Er durch das Werk Seines geliebten Sohnes am Kreuz von Golgatha auf vollkommene Weise auch bezüglich der Sünde verherrlicht wurde, bietet nun Gott dem Menschen Seine unumschränkte Gnade an. Wohl verloren die Juden für die gegenwärtige Zeit ihren bevorrechtigten Platz, weil sie den Christus Gottes, ihren Messias, gekreuzigt haben, und sie wurden aus ihrem Land vertrieben und unter die Völker der Erde zerstreut. Aber wenn Gott auch Israel beiseite gesetzt hat, so öffnet Er den Weg für die Nationen, damit sie aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht kommen könnten. Vor nun fast 2000 Jahren ließ Er die Epoche der Gnade anbrechen. In den Wegen Gottes mit der Erde bilden das Kreuz und die Auferstehung Christi einen einschneidenden Wendepunkt. Aufgrund des vollbrachten Sühungswerkes Christi sucht und fordert Gott nicht länger etwas Gutes von dem Menschen, sondern Er selbst gibt (Joh 3,16-18; 4,10).

Beachten wir: Seit dem Kreuz erprobt Gott den Menschen nicht mehr. Denn der Gipfelpunkt der Liebe Gottes war auch der Gipfelpunkt der Boshei des Menschen. Mehr kann der Mensch nicht zeigen, was er ist, als er es am Kreuz gezeigt hat. Was soll Gott ihn noch weiter erproben? Dass der Mensch auch in der Zit der Gnade - und in dieser Zeit besonders - für sein Tun verantwortlich ist, bedarf keiner Frage.

Ebenso wenig ist es eine Frage, ob er dieser Verantworlichkeit nach den Gedanken Gottes entsprechen würde oder nicht: Die Christenheit hat sich ebenso verderbt (1. Tim 4,1-3) wie das Judentum vorher, und Christus wird dieses leblose System, das sich nach Seinem Namen nennt, ausspeien aus Seinem Mund (Off 3,16).

Doch damit sind wir, um den verfolgten Gedankengang (die Erbrobung des Menschen unter den verschiedenen Epochen) abzuschließen, in der prophetischen Sicht weit vorausgeeilt. Wir wollen jetzt diese Linie der Verantwortlichkeit verlassen und uns wieder dem zuwenden, was Gott in dieser Zeit zur Ehre Seines Sohnes und auf dem Boden des erwiesenen Ruins des Menschen wirkt. Dabei muss ich noch einmal auf die Bedeutung des Kreuzes im Hinblick auf die Wege Gottes mit der Erde zu sprechen kommen.

 

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