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E+E 1959
Matthäus 24,29-31
In der letzten Zeit vor der Erscheinung des Herrn Jesus - wie wir aus anderen Stellen der Schrift wissen, sind es dreieinhalb Jahre - wird der gläubige Überrest des jüdischen Volkes durch eine große Drangsal gehen. Danach wird Er als Sohn des Menschen in Herrlichkeit für alle sichtbar auf die Erde herabkommen, um die Herrschaft in Seinem Reich anzutreten. Das ist das Thema der unseren Abschnitt vorausgehenden Verse (Mt 24,15-28).
Zerfall der Autoritäten
In den nun folgenden Versen beschreibt der Herr die näheren Umstände dieses Kommens. "Sogleich aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden" (Vers 29). Schon die Propheten des alten Testaments hatten für den Tag Jehovas, der der Erscheinung des Sohnes des Menschen entspricht, gewaltige Erschütterungen der Himmelskörper vorausgesagt (vgl. Jes 13,9.10; Joel 2,30.31; 3,15).
Offensichtlich ist hier nicht von den sichtbaren Himmelskörpern die Rede, sondern von Symbolen großer - vielleicht religiöser - Mächte. Die Sonne ist in der Bibel häufig ein Bild der höchsten Macht in der Schöpfung. An manchen Stellen steht sie mit der Herrlichkeit des Herrn als Sohn des Menschen in Verbindung (Mal 4,2; Off 1,16). Das ist hier natürlich nicht gemeint, denn Er wird ja kurz darauf selbst als "die Sonne der Gerechtigkeit" erscheinen. Es muß sich hier also bei Sonne, Mond und Sterne um irdische Mächte handeln, wobei der Mond, der ja sein Licht von der Sonne erhält, als Bild abgeleiteter Macht und die Sterne als Bilder untergeordneter Mächte zu betrachten sind (vgl. 1. Mo 37,9; Jer 31,35). Die irdischen Mächte werden im Augenblick der Erscheinung des Herrn Jesus ihren Charakter als Träger und Verbreiter göttlichen Lichts vollständig verloren haben. Sie werden sein wie die Sonne ohne Glanz, der Mond ohne Schein und wie Sterne, die ihren Platz am Firmament verloren haben.
Der Sohn des Menschen
"Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, uns sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit" (Vers 30). Diese Worte des Herrn enthalten Seine Antwort auf die Frage der Jünger in Vers 3: "... und was ist das Zeichen deiner ankunft und der Vollendung des Zeitalters?" Wenn wir sie unter die Lupe nehmen, erkennen wir, daß es sich nicht um die jetzt von den Gläubigen erwartete Entrückung handeln kann, sondern nur um die spätere Erscheinung des Herrn.
Erstens spricht Er von einem sichtbaren Zeichen. Davon ist bei der Entrückung keine Rede. Wenn Er die Seinen zu sich nimmt, wird Er nicht auf die Erde herabkommen, denn die Gläubigen werden Ihm in Wolken begegnen (Joh 14,3; 1. Thes 4,16.17). Die Wolken, die bei der Entrückung das Geschehen eher verbergen, sind bei Seiner Erscheinung dagegen gewissermaßen das Gefährt, auf dem Er für alle Menschen sichtbar kommen wird. Wenn Johannes am Anfang des Buches der Offenbarung davon spricht, fügt er ausdrücklich hinzu: "Jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstochen haben" (Off 1,7). Sodann heißt es, daß der Herr "mit Macht und großer Herrlichkeit" kommen wird. Was für ein gewaltiger Anblick, was für ein "Zeichen" wird es für die Menschen sein, wenn sie den verachteten Jesus von Nazareth als den von Gott verherrlichten Menschen in unbeschreiblichem Glanz aus dem Himmel herabkommen sehen werden, und zwar in Begleitung aller Engel und aller Heiligen, die Er zuvor zu sich entrückt hat (Mt 25,31; 1. Thes 3,13)! Die Tatsache, daß das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen wird, stellt zudem die in den Versen 23-26 erwähnten "falschen Christi" und "falschen Propheten", die an verschiedenen Orten auf der Erde auftreten, als Betrüger bloß.
Außerdem nennt der Herr Jesus sich hier "Sohn des Menschen". So bezeichnet Er sich selbst oft, wenn Er von Seiner Erniedrigung als Mensch wöhrend Seines Erdenlebens spricht. Andererseits sehen wir in diesem Namen auch die zukünftige Erfüllung des Ratschlusses Gottes, nach dessen Willen der Sohn des Menschen alle Macht und Herrlichkeit während Seiner tausendjährigen Herrschaft offenbaren wird. Schon in Psalm 8 wird Er prophetisch so genannt: "Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, daß du auf ihn achthast? Denn ein wenig hast du ihn unter die Engel erniedrigt; und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt" (Ps 8,4-6; vgl. Dan 7,13). In Seiner Beziehung zur Versammlung wird Er jedoch nie so genannt. Er ist ihr Haupt und der Herr jedes einzelnen Gläubigen.
Klage des jüdischen Überrestes
Schließlich enthält Vers 30 noch die bemerkenswerten Worte, die ebenfalls gar nicht in den Zusammenhang der Entrückung passen: "Und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen." Zwar kann man auch übersetzen: "alle Stämme der Erde", wie es in den meisten Bibelausgaben der Fall ist, doch in erster Linie treffen diese Worte des Herrn auf das Volk der Juden zu. Die Vorväter der dann lebenden Juden waren es ja, die geschrien haben: "Kreuzige ihn!", wenn der für die ungerechte Verurteilung des Herrn verantwortliche Richter Pilatus auch ein Römer war. Da jedoch alles in Matthaus 24,1-44 darauf hindeutet, daß der Herr hier zu und von Juden spricht, ist die Wiedergabe "alle Stämme des Landes" sicher vorzuziehen.
Wenn wir uns in die Zukunft versetzen, sehen wir, daß das Volk der Juden in zwei Lager geteilt sein wird: die große Menge derer, die dem Antichristen glauben, und diejenigen, die als gläubiger Überrest den Messias erwarten. Zwar werden auch die ersteren nach der Vernichtung des Anführers des Römischen Reiches und des Antichristen (Off 19) aus Verzweiflung über ihr Elend heulen, doch wenn wir die Weissagung des Propheten Sacharja hinzuziehen, wird deutlich, daß es sich hier um eine Wehklage des jüdischen Überrestes handelt. Sacharja schreibt: "Und ich werde das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen; und sie werden auf mich blicken, den sie durchstochen haben, und werden über ihn wehklagen gleich der Wehklage über den Eingeborenen, und bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich Über den Eingeborenen Leid trägt ..." (Sach 12,10-14).
Die Gläubigen, die in der Zukunft den jüdischen Überrest bilden, haben erkannt, daß der Herr Jesus, der von ihnem Volk gekreuzigt worden ist, der Messias ist. Sie erwarten Ihn und nehmen deshalb von seiten ihrer ungläubigen Landsleute und der feindlichen Nationen große Drangsale auf sich. Aber sie besitzen ohne den Heiligen Geist noch keine Gewißheit ihrer Annahme bei Gott, sondern hoffen darauf, daß der Herr ihnen bei Seiner Erscheinung Gnade erweisen wird. Wenn sie Ihn dann in Seiner Macht und Herrlichkeit sehen werden, dann werden sie in aufrichtigem Selbstgericht ihre eigenen Ungerechtigkeiten und die Schuld ihres ganzen Volkes unter Wehklagen bekennen. Und der Herr wird sie in Gnade als Sein Volk annehmen!
Die Sammlung der Auserwählten
"Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende" (Vers 31). Während der Herr in Vers 28 durch das Bild der Adler, die sich beim Aas versammeln, das Gericht bei Seiner Erscheinung andeutet, beschreibt Er hier die Tätigkeit der Sammlung aller Seiner Auserwählten. Von diesen hatte Er bereits in den Versen 22 und 24 gesprochen. Es sind die Auserwählten Seines irdischen Volkes Israel, die im Unterschied zu den Auserwählten der jetzigen Gnadenzeit dazu bestimmt sind, den Segen und die Freude des Tausendjährigen Reiches auf der Erde zu erleben und zu genießen (vgl. Jes 65,9.22). Nicht alle gläubigen Juden werden sich dann bereits im Land befinden. Sie werden deshalb von den von Ihm ausgesandten Engeln aus allen Himmelsrichtungen gesammelt und dorthin gebracht.
Auch im Zusammenhang mit der Entrückung der Gläubigen wird Posaunenschall erwähnt. Es ist dort die Rede von der "letzten Posaune", der "Posaune Gottes". Aber im Gegensatz zu Seiner Erscheinung wird unser Herr dann keine Engel senden, um die Seinen zu sich zu nehmen. Er selbst wird kommen, um die Leiber der Entschlafenen aufzuerwecken und die der Lebenden zu verwandeln, damit sie Seinem Leib der Herrlichkeit gleichförmig sind. So werden wir Ihm entgegengehen, um allezeit bei Ihm zu sein. Die Auserwählten Israels, die bei Seiner Erscheinung von den Engeln zusammengeführt werden, bleiben jedoch auf der Erde.
A.R.
Quelle: Ermunterung und Ermahnung 1997
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