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E+E 1959
"Da unterredeten sich miteinander, die Jehova fürchten, und Jehova merkte auf und hörte, und ein Gedenkbuch ward vor ihm geschrieben für die, welche Jehova fürchten und welche seinen Namen achten" (Mal 3,16).
Der Geist Gottes stellt und hier eine sehr schöne Szene vor. Obwohl schon Jahrhunderte seitdem vergangen sind, können die damaligen Geschehnisse und immer noch ermuntern und zum Nachsinnen anregen.
Bedenken wir einen Augenblick, in was für eine Lage die uns hier vorgestellten Personen damals waren, damit wir richtig einschätzen können, was uns von ihnen berichtet wird.
Es waren fromme Juden, nur gering an Zahl und wenig durch äußere Vorzüge gekennzeichnet. Das wird uns später noch deutlicher werden. Doch zuvor wollen wir uns daran erinnern, daß Gott die Israeliten wegen Seiner großen Liebe zu ihnen aus der Sklaverei Ägyptens herausführte, um sie zu Seinem Volk zu machen (5. Mo 7,6-8; 2. Mo 3,7-10). Dann sorgte Er für sie, und wir sehen, wie Er immer dem Namen treu blieb, den Er in Seiner Gnade für sie annahm - dem Namen Jehova (2. Mo 6,28). Und so handelte Er trotz ihrer Schwachheit und ihres Versagens. Das Wort Gottes berichtet uns, wie sie den Höhepunkt ihrer Geschichte als Volk unter David und Salomo erreichten und dann traurigerweise nur wenige Generationen später von fremden und heidnischen Königen in die Gefangenschaft weggeführt wurden (2. Kön 17; 2. Chr 36).
Das alles spricht ernst davon, wie untreu sie Jehova gewesen waren, obwohl Er ihnen allen Grund gegeben hatte, Ihm in Liebe zu gehorchen und in Treue zu dienen. Und doch bewirkte Gott wenig später - und verfolgte eine bestimmte Absicht damit -, daß Kores, der persische König, den bemerkenswerten Erlaß verkündete, den wir in Esra 1,1-4 lesen. Dadurch wurde der Weg für die geöffnet, an deren Herzen Gott ebenfalls gewirkt hatte, so daß sie bereit waren, zum Zentrum der Anbetung zurückzukehren. Sicher hatten sie sich während ihrer 70jährigen Gefangenschaft oft danach gesehnt (Ps 137).
So kehrte ein Teil der Weggeführten unter Serubbabel zurück, um das Haus Gottes in Jerusalem zu bauen, sowie später eine kleine Anzahl unter Esra, dem Priester. Wie kostbar war diese Rückkehr in den Augen Gottes! Was für ein Lichtblick auch für dieses Volk nach den so überaus traurigen Jahren der Gefangenschaft! - Und doch verging nicht viel Zeit, bis wir die Aufrufe von Haggai und Sacharja hören, die auf Gottes Weisung hin versuchten, das Volk aus seiner Trägheit aufzurütteln, in die es schon wieder gefallen war. Sie bemühten sich, es wieder zu seiner ersten Liebe und Freude zurückzuführen (Hag 1,3-5; Sach 1,3.4).
Gott gefiel es, einige zeitweilige Erweckungen durch die Botschaft Haggais und Sacharjas zu bewirken - Erweckungen, die schließlich in der Fertigstellung des Tempels gipfelten (Esra 6,3-15).
Doch dann kommen wir zu den Tagen Maleachis. Er war der dritte und letzte der Propheten, die nach der Gefangenschaft lebten. Er beschreibt, wie traurig in jener Zeit der Zustand des von Gott auserwählten Volkes war - dieses um der Väter willen geliebten Volkes, wie es in Römer 11,28 genannt wird. Können wir seinen Bericht ohne tiefen, inneren Ernst lesen? Gottes Ansprüche waren vergessen. Sein Tisch war verunreinigt. Seine Herrlichkeit mit Füßen getreten worden (Mal 1,7.8). Verunreinigtes Brot, Blindes, Lahmes und Krankes wurde geopfert anstelle der Opfer, die Er angeordnet und in Seinem Wort so ausdrücklich beschrieben hatte. Hätten sie diesem Wort nicht einen dankbaren Gehorsam entgegenbringen müssen? Statt dessen hören wir ihr trotziges, herausforderndes "Worin haben wir dich beraubt?"
Nun findet man mitten in dieser Unordnung dieses erfrischende Bild eines treuen Überrests. Es ist schon an sich schön, aber durch die große Finsternis ringsherum tritt es noch stärker hervor und vor allem für Jehova selbst. "Da unterredeten sich miteinander, die Jehova fürchten."
Was für eine Furcht war das? Es war die heilige Achtung, die daraus entsprang, daß sie Jehova in ihrem Herzen kannten, daß sie gelernt hatten, was Ihm zukam, und wünschten, Ihm eine Antwort auf Seine Gedanken zu geben, wie sie in Seinem Wort offenbart waren (5. Mo 8,6.11ff). Es war keine Furcht der Knechtschaft, keine Angst vor Gott, sondern sie glich der Anbetung von Kindern. Gottesfurcht bedeutet Ehrfurcht. Im Buch der Sprüche finden wir vieles über den Wert und die Bedeutung der Furcht, der Ehrfurcht, der Furcht Jehovas. Und gerade dort stellt sich der inspirierte Schrieber selbst oft als Sohn vor und sieht die, an die er seine Worte richtet, oftmals in derselben Beziehung. Laßt uns daher darauf bedacht sein, daß wir dieses liebliche Merkmal nicht geringachten oder unterschätzen, vor allem weil es in den Augen der Menschen immer mehr an Wert verliert.
Doch nun zurück zu unserem Gegenstand. Solch eine Liebe und fromme Furcht bei dem Überrest mußte sich irgendwie äußern. Und in wie schöner Weise geschah das: Sie redeten miteinander und achteten den Namen Jehovas. Wie viiel liegt in diesen Worten, die der Geist Gottes aufzeichnen ließ? Alles wurde zu unserer Ermunterung und Belehrung geschrieben. Deshalb laßt uns nicht das Geheimnis vergessen, das in der Bewahrung dieser alttestamentlichen Schriften liegt (Röm 15,4)!
Der Herr merkte auf und hörte. Sein Ohr war aufmerksam, und Er hörte. Wer kann ermessen, was die Haltung dieser Wenigen für Ihn bedeutete? Wären unsere Herzen doch empfindsamer in göttlichen Dingen, so daß wir Sein Teil an all diesem besser verständen!
Darauf kommt Sei Wohlwollen in dem Vers zum Ausdruck: "Und sie werden mir ... zum Eigentum sein an dem Tage, den ich machen werde" (Kap 3,17).
Wenn wir nun unser Thema so weit verfolgt haben, entsteht natürlich die Frage, ob es hier das letzte Mal im Wort Gottes ist, daß wir von einem treuen Überrest hören. Zwischen dem Ende des Buches Maleachi und dem Beginn des Matthäus- bzw. Lukas-Evangeliums liegen die 400 Jahre, über die die Schrift schweigt. Warum schweigt sie? Nein deshalb, weil auch Gott nicht mehr sprach? - Doch was ist mit der kleinen Schar der Getreuen; was ist aud ihnen geworden?
Wenn wir einen Blick nach Lukas 1 und 2 werfen, finden wir dasselbe Wohlwollen Gottes. Es ist dasselbst in dem Sinn, daß die dort erwähnte Schar eine Fortsetzung jener Getreuen aus den Tagen Maleachis war.
Mitten in zunehmender äußerer Schwachheit wartete der fromme Überrest in Liebe und Treue auf den verheißenen Messias. Und was für eine Belohnung erhielten sie! Wir sehen etwas von der Befriedigung ihres Herzens in Simeon, als er das Kind Jesus, den seit langem verheißenen Heilland Israels, in die Arme nahm.
Aber gab es bei aller tiefen und heiligen Freude in ihren Herzen nicht Jemand, dessen Freude noch tiefer war? Ganz gewiß. Als der Herr der Herrlichkeit in diese Welt kam und sie Ihn nicht begrüßten, da dankten Himmel und Erde, priesen und beteten gemeinsam an.
Wenn wir jetzt zum Schluß kommen, so laßt uns aus alledem lernen, wie der Heilige Geist in der heutigen Zeit wirkt. Sicherlich kann niemand die Geschichte Israels lesen, ohne zu empfinden, wie sehr die Geschichte der Kirche ihr gleicht. Beide können treffend in der kurzen Aussage zusammengefaßt werden: "Die Treue Gottes und die Untreue Seines Volkes."
In der Apostelgeschichte sehen wir die Kirche in der Vollkraft der ersten Tage. Aber was für ein trauriger Zustand kennzeichnet ihre letzten Tage! Gewiß gibt es auch jetzt noch den gesegneten Aspekt der Kirche, unter dem sie in Epheser 5,25-27 vorgestellt wird; daran dürfen wir uns immer freuen.
Doch es hat Gott gefallen, uns in diese Tage heineinzustellen, in Tage des Verfalls. Und immer besteht die Gefahr, daß man den Weg des Gehorsams aufgibt und die Wahrheit von dem einen Leib, dessen Haupt Christus im Himmel ist (Eph 4,4), als verloren betrachtet, weil kein sichtbarer Ausdruck davon zu erkennen ist. Zugleich besteht eine andere Gefahr darin, daß man vor Gott nicht mehr in Not ist über den traurigen Zustand Seines Volkes. Das bedeutet, daß man sich nicht mehr wirklich davon betroffen fühlt und sich nicht vor Gott darunter demütigt.
Wo stehen wir nun heute? Gleichen wir den Menschen in Maleachis Tagen? Gehören wir zu denen, die den Herrn, wenn Er wiederkommt, erwartet haben? "Bewahren" wir Sein Wort, das "Wort seines Ausharrens", und "verleugnen wir seinen Namen nicht"? Das sind die beiden Kennzeichen der Gläubigen früherer Tage. Wie tröstlich sind die anerkennenden Worte Gottes: "Und sie werden mir zum Eigentum sein an dem Tage, den ich machen werde" (Mal 3,17) und: "Ich werde sie zwingen, daß sie kommen und sich niederwerfen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe" (Off 3,9).
Was in den letzten Tagen des Christentums auf der Erde kostbarer für unseren Herrn und Heiland, als solche hier zu haben, die, durch Gottes Gnade bewegt, wünschen, einfach in Treue das festzuhalten, was Er ihnen anvertraut hat. Während Seiner Abwesenheit ist es das Vorrecht eines jeden von uns, Ihm - wie die drei Helden Davids - "Wasser aus der Zisterne von Bethlehem" zu bringen (2. Sam 25,15.16).
Möge Er uns in Seiner Gnade dazu bewegen, daß wir entschiedener für Ihn da sind und so den Augenblick beschleunigen, wo Er um Seines eigenen Namens willen Sein geliebtes Volk zu sich nehmen wird, damit es für immer bei Ihm ist!
P.B.
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