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E+E 1959
Alle, die durch das kostbare Blut Jesu erlöst sind, sind auch von neuem geboren und haben dadurch eine neue Natur erhalten, ein neues Leben, das sie befähigt, die Dinge Gottes sich anzueignen und zu genießen. Diese neue Natur steht unter der Wirkung des Heiligen Geistes, der in dem Erlösten wohnt. Die Wiedergeburt ist nur dadurch möglich, daß die Seele Christus als Heiland annimmt. "So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind."
In Johannes 3 sagt der Herr dem Nikodemus, daß er von neuem geboren werden müsse, und auch da stellt Er sich als der über der Erde erhöhte Sohn des Menschen dar, die einzige Quelle dees neuen, des ewigen Lebens für jeden, der an Ihn glaubt. Wir werden dort belehrt, daß es ein Werk des Geistes ist, und zwar durch das Wort Gottes: "aus Wasser und Geist geboren". Der Weg ist der des Glaubens, der den Sohn Gottes, den Gekreuzigten, zum Gegenstand hat.
Ebenso finden wir es im 1. Petrusbrief. Das Wort Gottes ist der Same, der Geist die Kraft und Christus Der, durch den wir an Gott glauben. Der Gehorsam gegen die Wahrheit (Kap. 1,22) besteht darin, daß man dem Worte Gottes glaubt. Alle, die dies tun, werden von ihren Sünden gereinigt. Die Tätigkeit der neuenj Natur äußert sich in der Liebe zu den Brüdern. "Da ihr eure Seelen gereinigt habt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe ... die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes." Wird das Wort Gottes durch den Heiligen Geist im Herzen aufgenommen und Christus der Gegenstand des Glaubens, und zwar als Der, der gekreuzigt worden, auferstanden und verherrlicht ist, so wird in dem Gläubigen eine neue Natur, ein neues Leben erzeugt.
Das Wiedergeborensein bedeutet nicht etwa die Umwandlung einer bösen Natur in eine bessere, sondern eine neue Geburt, eine neue Schöpfung , man wird eines neuen Leben teilhaftig. Der Herr sagt: "Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem GTeiste geboren ist, ist Geist." Diese beiden Naturen in dem Gläubigen werden öfter in der Schrift erwähnt. "Das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind entgegengesetzt, auf daß ihr nicht das tuet, was ihr wollt" (Gal. 5, 17).
Der Gläubige wird nie aufgefordert, den alten Menschen zu kreuzigen, denn er ist schon mit Christus gekreuzigt. Deshalb wird dem Erlösten gesagt, daß er sich "der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu" halten solle (Röm. 6, 11), daß er "den alten Menschen ... ausgezogen und den neuen angezogen" habe. Es wird ihm nicht geboten, das Fleisch zu töten, weil es Gott auf dem Kreuz gerichtet hat, aber er wird aufgefordert, die Handlungen des Fleisches, seine Glieder, die auf der Erde sind, zu töten (Kol. 3, 5). SDas heißt, wir sollen durch die Macht des in uns wohnenden Heiligen Geistes die böse Natur, die stets in uns ist, nicht wirksam werden lassen.
Der Gläubige kann sich selbst und das, was in ihm vorgeht, nicht richtig beurteilen, wenn er sich nicht bewußt ist, daß er zwei Naturen hat eine, die nicht sündigen kann, weil sie aus Gott geboren ist, und eine andere, die, wenn sie wirkt, nur sündigen kann, weil sie verderbt und Gott entgegengesetzt ist. Deshalb werden wir ermahnt, nicht zu sündigen. Auch wird uns gesagt, daß in unserem Fleische nichts Gutes wohnt (Röm. 7, 18). Es wäre nicht richtig zu sagen, daß in dem Gläubigen nichts Gutes wohnt, denn er hat eine neue, von Gott geschaffene Natur, und der Heilige Geist wohnt in ihm.
Solange der Christ nicht verstanden hat, daß zwei entgegengesetzte Gundsätze in ihm arbeiten, beschäftigt er sich immer mehr oder weniger mit sich selbst, und das um so mehr, je gewissenhafter er ist. Statt sich als mit Christus gekreuzigt und der Sünde gestorben anzusehen, betrachtet er sich als noch in der Welt und in einer sündigen Natur lebend. Er sucht das Böse zu verdecken oder zu entschuldigen, ist einmal mit sich zufrieden, ein andermal wieder verzagt. Wer dagegen weiß, daß er Gott lebt in Jesus Christus, wer mit Christus in der Herrlichkeit und Seiner Fülle beschäftigt ist und seine Kraft aus Ihm, nicht aus sich selbst schöpft, der ist wirklich für sich selbst tot und begraben. Indem er sich in dem auferstandenen und verherrlichten Heiland jenseits des Todes befindet, lebt er durch den glauben an den Sohn Gottes, der ihn geliebt und sich selbst für ihn hingegeben hat.
Der Heilige Geist wirkt auf die neue Natur und kräftigt sie mit Macht nach dem inneren Menschen, damit Christus durch den Glauben im Herzen wohne. Die Frucht des Geistes ist KLiebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (Gal. 5, 22), die Werke des Fleisches dagegen sind böde und verabscheuungswürdig. Wir werden deshalb ermahnt, im Geiste zu wandeln, damit wir die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Die Schrift erkennt also das Vorhandensein der beiden Naturen klar an.
Kann ich nun ganz gewiß sein, daß ich aus Gott geboren bin, nachdem ich geglaubt habe? Dies ist keinesfalls fraglich, denn es steht geschrieben: "Jeder, der da glaubt, daß Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren" (1. Joh. 5, 1). Der Heilige Geist leitet mich durch das Wort der Wahrheit, in welchem Er Zeugnis gibt von dem Evangelium Jesu Christi, meinen Blick auf Ihn als den Gegenstand meines Glaubens zu richten und dadurch das neue Leben zu empfangen. Die Wirkung der Wiedergeburt ist, daß ich liebe. Ich liebe Ihn, der mich zuerst geliebt hat, und ich liebe die Brüder; denn jeder, der den liebt, welcher geboren hat, liebt auch den, der aus ihm geboren ist (1. Joh. 5, 1). Wie einfach und wie gesegnet! Welche Gewißheit gibt es mir, daß ich in Christus bin!
Quelle: E+E 1971
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