... und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe"
Matthäus 28,19.20.
Ich kenne keinen gläubigen Christen, der nicht von Herzen diesen Auftrag seines Herrn nachkommt.
Nicht umsonst heißt es ja: "Jeder Christ - ein Evangelist!"
Hast du schon einmal ein Traktat an einen Menschen weitergegeben? -
Hast Du schon einmal Kalender mit der guten Botschaft an Menschen, die dir begegnet sind, verteilt? -
Bist du schon einmal an einem Büchertisch in der Fußgängerzone gestanden und hast Traktate, Broschüren oder Kalender mit evangelistischen Inhalt an die Menschen verteilt? -
Hast du schon einmal innerhalb deiner Familie und Verwandtschaft Schriften, Kalender oder Broschüren mit der guten Botschaft Gottes weitergegeben?
Wenn ja, dann weißt du auch, dass es ohne Säen keine Ernte gibt. Dann hast du sicher auch die Erfahrung unseres Herrn gemacht. Du kennst das Gleichnis vom Sämann in Matthäus 13. Ich bin mir fast sicher, dass dir dann auch der begegnet ist, der "Unkraut mitten unter den Weizen säte". Du kennst die Hindernisse, die dir Satan in den Weg legte und legt. -
Aber all dies kann uns nicht aufhalten, aus Liebe zu unserem Herrn und den verlorenen Menschen, den Auftrag unseres Herrn zu erfüllen und die rettende Botschaft Gottes auszusäen. Mir ist dazu folgender Beitrag beim Lesen begegnet, ich möchte diesen, zur Ermunterung aller die am Werk unseres Herrn mitarbeiten, hier einstellen.
"Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten"
Ohne Säen gibt es kein Ernten; das erste muß dem zweiten unbedingt vorangehen. Aber der Mühe des Säens wird auch stets die Freude des Erntebns folgen, denn wir haben die Verheißung, daß "Saat und Ernte nicht aufhören sollen". Indes ist der Säende nicht frei von Sorgen. Es kann sein, daß der Regen zu lang ausbleibt, oder daß es zu viel regnet; der Frost und andere schädliche Einflüsse können das junge Korn vernichten, und wenn schließlich die Ernte da ist, kann der Ertrag noch durch ungünstige Witterung sehr beeinträchtigt werden. Aber mag das Ergebnis auch bescheiden sein, als Regel wird der Landmann, der seinen Acker gewissenhaft bestellt, auch seine Ernte halten.
So ist es auch mit jedem, der den kostbaren Samen des Wortes Gottes ausstreut. "Er geht hin unter Weinen und trägt den Samen zur Aussaat; er kommt heim mit Jubel und trägt seine Garben." (Ps. 126,6.)
Der Säemann, in des Wortes vollster Bedeutung, ist der Herr selbst. "Siehe, der Säemann ging aus zu säen." (Matth. 13,3.) Er kam in diese Welt mit dem kostbaren Samen des Evangeliums, und Er weinte, indem Er ihn säte. Wahrhaftig Mensch geworden, nahm Er in Gnaden teil an den Schwachheiten der menschlichen Natur. In der Erfüllung Seiner göttlichen Sendung wurde Er müde und hungrig und bedurfte des Schlafes und der leiblichen Erquickung. Äußerlich ermattet und innerlich beschwert, mußte Er Seine Tätigkeit zuweilen unterbrechen. Dabei legte Satan Ihm Hindernisse in den Weg, in dem er "Unkraut mitten unter den Weizen säte". Der Unglöaube Seines Volkes und die Enttäuschungen, die es Ihm bereitete, entlockten Seinen Augen Tränen. Ser Unglaube der Juden ließ Ihn "tief aufseufzen", und Er war "betrübt über die Verstockung ihres Herzens". Er weinte über das schuldige Jerusalem, das sich weigerte, Buße zu tun, und klagte, daß Er "umsonst sich abgemüht, vergeblich und für nichts Seine Kraft verzehrt habe". (Jes. 49,4.) Ja, mannigfaltig und bitter waren Seine Erfahrungen! Am Ende Seines Dienstes suchten die, zu deren Rettung Er gekommen war, Ihn zu ermorden, und denen Er nur Liebe erwieden, deren Freunde und Nachbarn Er gesund gemacht hatte, erkälrten Ihn für unsinnig und besessen. Seine eigenen Jünger verließen Ihn, und das Volk, das so oft Seinen Reden gelauscht hatte, schrie: "Kreuzige, kreuzige Ihn!" So ging Er hin, aber - Er kam zurück mit Freuden. Schon am Tage des Pfingstfestes durfte Er reiche "Frucht sehen von der Mühsal Seiner Seele", und wie viele Garben hat Er seitdem gesammelt! Aber welch eine Schar von glücklichen Erlösten wird dereinst erst Seinen Thron umgeben!
Möchten darum alle, die Ihm in Seinem Dienste folgen und auch weinend an der Arbeit stehen, immer wieder Mut fassen und Hoffnung schöpfen! Ich denke jetzt nicht nur an solche, denen Er einen besonderen Auftrag gegeben hat. Jeder Gläubige ist berufen, seinen Gelegenheiten entsprechend zu säen. Wer irgend zu seinem Nächsten sagt: "Erkenne den Herrn!" ist ein Säemann; so auch jeder Sonntagsschulhalter, jeder Traktatverteiler, jede Mutter im Kreise ihrer Kleinen.
Der Same, den sie alle tragen, kommt aus den Kornspeicher des Himmels. Gott selbst reicht ihn dar. Der Preis, den Er dafür bezahlt hat, ist das Blut Jesu Christi, Seines Sohnes. Der Zweck des Säens ist das Heil unsterblicher Seelen. "Der Same ist das Wort Gottes", die unverfälschte, göttliche Wahrheit. Wer könnte den Wert eines solchen Samens ermessen?
Doch obschon der Same so kostbar ist, gehen die Säenden doch hin "unter Weinen", und zwar in einem noch anderen Sinne als der Herr. Sie trauern über ihre Unzulänglichkeit und Schwachheit. Wer sind sie, um mit solch hohem Gut betraut zu werden, um solch kostbaren Samen auszustreuen? Einst fern von Gott, Fremdlinge und Feinde, sind sie jetzt allerdings glückliche Kinder Seiner Liebe geworden, denen alle Gnaden zu Gebote stehen, aber in sich selbst sind sie genau so schwach und unvollkommen wie vorher. Wie wenig tief empfinden sie oft auch die herrlichen Wahrheiten, die sie aussprechen, und wie schwach stellen sie sie in ihrem Leben dar! Wie unvollkommen ist ihr Dienst! Wie mischen sich in ihre Beweggründe oft gar Selbstsucht und Selbstgefälligkeit! - Da mögen wir wohl fragen, "wer ist dazu tüchtig?"
Neben allem diesem begegnen wir, gleich dem Herrn, vielen Enttäuschungen. Heute wie damals fällt etliches von dem Samen an den Weg. Da liegts auf dem hartgetretenen Boden, bis die Vögel des Himmels, diese scharfen Beobachter, kommen und es auffressen. Vieles von dem, was wir sagen, scheint gar keinen Eindruck zu machen. Wie manche Ansprache wird gehalten, wie manche Lehrstunde in der Sonntagsschule oder Kinderstube erteilt, ohne anscheinend den geringsten Erfolg zu haben! Wir weinen darüber. - Wir weinen auch über den Samen der auf steinichten Boden fällt, wo die heiße Sonne der Versuchung rasch die zarten Pflänzchen, die keine tiefe Wurzel haben, versengt. Ach, sie schienen das Wort mit solchem Ernst und mit solcher Freude aufgenommen zu haben, aber kaum traten erprobende Umstände ein, kaum nahre eine Versuchnung, da sanken sie zurück in ihre frühere Gleichgültigkeit und Sünde. - Wir trauern auch über viele, bei denen der Same "unter die Dornen fällt". Er geht zwar auf, aber die Dornen ersticken ihn. Freude oder Sorgen dieses Lebens, Geschäfte, Geselligkeit und andere ähnliche Dinge vermischen die empfangenen Eindrücke, überwuchern und ersticken den guten Samen. Wie betrübend groß ist die Zahl derer, die eine Zeitlang ernste Christen zu sein scheinen, nach und nach aber wieder in Weltlichkeit und Vergnügen aufgehen und keine Frucht bringen!
Alle solche Erfahrungen sind dazu angetan, das Herz niederzudrücken. Der Säemann weint. Doch wie gesegnet! Ein solches Weinen führt zu Gebet, und das Gebet bewirkt frische Schauer der göttlichen Gnade. Mit diesen Schauern aber lebt die Hoffnung auf, und man erinnert sich des Verheißungswortes: "Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten".
Die Verheißung ist sicher. Wenn sie verzieht, so harre ihrer. (Vergl. Hab. 2,3.) Monate und Jahre mögen zwischen Säen und Ernte hingehen, aber "der Ackersmann hat Geduld'", und die Zeit wird kommen, wo er die köstliche Frucht der Erde empfangen wird. "Am Morgen säe deinen Samen, und des Abends ziehe deine Hand nicht ab." (Pred. 11,6.) Gott hat verheißen: "Mein Wort wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe". (Jes. 55,11.) Derselbe Gott ruft uns deshalb ermunternd zu: "Wirf dein Brot hin auf die Fläche der Wasser, denn nach vielen Tagen wirst du es finden". (Pred. 11,1.) Wir haben nicht die Verheißung, es schon heute oder morgen zu finden, aber einmal werden wir es gewiß wiederfinden, wenn auch erst "nach vielen Tagen". Mancher Missionar hat sich jahrzehntelang eifrig bemüht, zu säen, ohne irgend nennenswerte Frucht zu sehen; schließlich aber verwandelte sich die Wildnis in ein Fruchtgefilde. Mancher Prediger hat erst Jahre später erfahren, daß seine Predigt zum Segen gewesen war.
Ein Bote des Evangeliums wanderte mehrere Jahre lang wöchentlich einmal nach einem fast drei Stunden von seinem Wohnort entfernten Städtchen, um dort an einem bestimmten Abend die frohe Botschaft von Christo zu verkündigen. Eisenbahn- oder passende Postverbindungen gab es damals nicht. So mußte er regelmäßig den weiten Weg hin und zurück zu Fuß machen. Stets fanden sich fast die gleichen Zuhörer ein, einmal mehr, einmal weniger. Aber alle schienen im geistlichen Tode erstarrt zu sein. Sie kamen, hörten aufmerksam zu und gingen wieder. Dabei blieb es. Unserem Freund wollte zuweilen der Mut sinken und der Fuß erlahmen. Aber wartend und betend harrte er aus. Und siehe da, eines Tages gerät ein junger Mann in große innere Unruhe, andere folgen, und nach kurzer Zeit umringt ein ganzes Häuflein glücklicher, erretteter Seelen den dankbaren Evangelisten. Alle bewährten sich, und noch heute besteht in dem inzwischen größer gewordenen Städtchen ein stets wachsendes, lebendiges Zeugnis für den Herrn.
Einmal kommt der Säende "heim und trägt seine Garben". Wir werden alle an der Freude des allgemeinen, herrlichen Erntetages teilnehmen, doch der einzelne wird auch seine eigenen, besonderen Garben bringen. Wer hier "unter Weinen hinging", wird dort "heimkommen mit Jubel". Wie werden wir uns freuen, dort den Erfolg von irgend einer Arbeit hienieden zu sehen, aber noch viel größer wird die Freude darüber für den Herrn der Ernte sein.
Die Freude des Heimkommens ist auch deshalb so groß, weil er teilhat an der Freude der Garben, der unsterblichen Seelen, die er für Jesum gewonnen hat. Dankbare, jubelnde Freuder wird der eignen hohen Glückseligkeit der Diener Gottes hinzugefügt werden, wenn sie die Freude derer schauen, denen sie den Weg zum Leben zeigen durften.
Und was allem die Krone aufsetzt: wir werden die Freude Dessen teilen, der die Grundlage zu unserem ewigen Heil gelegt hat, der für Sünder starb. Wer könnte Seine Freude beschreiben, wenn Er einmal die vollkommene Zahl Seiner Erlösten um sich scharen, wenn "Er die Versammlung sich selbst verherrliucht darstellen" wird? Doch sind wir auch außer stande, diese Freude zu ermessen, wir dürfen sie teilen; denn Er wird sagen: "Wohl, du guter und treuer Knecht! ... gehe ein in die Freude deines Herrn".
Ja, die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Auch die Prüfungen und Leiden der gläubigen, deren Bedeutung wir hier nicht verstehen, sind wie Samenkörner. Ein Samenkorn ist trocken und von unschönem Aussehen. So ist auch jedes Leid nicht erfreulich, aber es birgt den Keim zukünftiger Ernten, "die friedsame Frucht der Gerechtigkeit", in sich. Wenn das Samenkorn gesät ist, bleibt es eine Zeitlang verborgen, aber zur bestimmten Zeit keimt es auf. Wir säen nicht das, was werden soll, sondern "nacktes Korn". Was in Schwachheit und Unehre gesät wird, wird in unverweslicher Schönheit, als Gerechtigkeit, Friede und Freude, erstehen. "Licht ist gesät dem Gerechten." (Ps. 97,11.)
So ,laßt uns denn "Samen tragen zur Aussaat" in dem Bewußtsein, daß, wenn wir auch eine Weile "unter Weinen dahingehen", wir "heimkommen werden mit Jubel".
Aus "Botschafter des Heils in Christo" 1929
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"Handelt, bis ich komme."
Lukas 19,14