2. Korinther 5,20

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Gesetz und Gnade

"Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden" (Joh 1,17). Dieses Wort deutet einmal den großen Unterschied zwischen Moses und Jesus Christus an und bringt andererseits den Gegensatz zwischen Gesetz und Gnade zum Ausdruck.

Mose hatte ein gutes Zeugnis; die Schrift sagt: "Der Mann Mose aber war sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren" Der HERR konnte von ihm sagen: "Nicht also mein Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Hause; mit ihm rede ich von Mund zu Mund, und deutlich und nicht in Rätseln, und das Bild des HERRN schaut er" (4. Mose 12,3.7.8). Aber er war ein Mensch aus Adams Geschlecht. Zur gegebenen Zeit "entbrannte der Zorn des HERRN wider Mose (2. Mose 4,14), auch zog er sich den Tadel zu: "Weil ihr mir nicht geglaubt habt, mich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen"(4. Mose 20,12).

In Hebräer 3 wird uns der gewaltige Unterschied zwischen Mose und Jesus Christus gezeigt: "Und Moses zwar war treu in seinem ganzen Hause als Diener ... Christus aber als Sohn über sein Haus" (V. 5.6). Mose war Knecht Gottes, Jesus christus ist des ewigen Gottes Sohn. "Das Wort ward Fleisch", in Ihm allein konnte "eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater" wahrgenommen werden.

So wurde das Gesetz, die Forderung eines heiligen Gottes an den Menschen, durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit dagegen ist durch Jesum Christum geworden. In der Anwesenheit seiner Person als "Gott, geoffenbart im Fleische", wurde Gott, der Licht und Liebe ist, geoffenbart. Seine Natur und Sein Wesen sind unzertrennlich, somit auch Gnade und Wahrheit. Es heißt: "Die Gnade und die Wahrheit ist (nicht sind) geworden", es sind gleichsam zwei Blumen an einem Stiel.

Leider wird die Stellung des Gläubigen, der auf dem Boden der Gnade steht, zum Gesetz so wenig verstanden. Man sucht durch die gesetzliche Neigung immer wieder Gesetz und Gnade zu vermischen. In der allgemeinen Christenheit werden die zehn Gebote vom Sinai auch als eine zehnsprossige Leiter angepriesen, an der man zum Himmel emporklettern muß. Doch stellt uns Gott in Seinem Wort das Gesetz als einen anderen Zweck dienend vor.

Fragen wir uns zunächst, mit welchen Begleiterscheinungen das Gesetz gegeben wurde. In 2. Mose 19,16-19 und 20, 18.19 sehen wir das Volk Israel zitternd am Sinai diese Dinge erleben. Der Schreiber des Hebräerbriefes faßt es zusammen in den Worten: "... gekommen zu dem Berge, der betastet werden konnte, und zu dem enzündeten Feuer, und dem Dunkel und der Finsternis und dem Sturm, und dem Posaunenschall, und der Stimme der Worte, deren Hörer baten, daß das Wort nicht mehr an sie gerichtet würde, (denn sie konnten nicht ertragen, was geboten wurde: 'Und wenn ein Tier den Berg berührt, soll es gesteinigt werden.' Und so furchtbar war die Erscheinung, daß Moses sagte: 'Ich bin voll Furcht und Zittern.')" (Hebr 12,18-21).

Gott kam hernieder in richterlicher Herrlichkeit und Majestät als Gesetzgeber. Er hatte Sein geliebtes Volk Israet mit starker Hand aus dem Diensthause Ägypten befreit und es getragen wie auf Adlers Flügeln. Er hatte es gespeist und getränkt und ihm gesagt: "Wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern." Darauf hatte das Volk, das sich nicht kannte in seiner Verkehrtheit, Sündhaftigkeit und Ohnmacht, und das darum auf seine eigene Kraft vertraute, Gott antwortet: "Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun."

Hierauf nun gibt der Gott des Himmels und der Erde ein Gesetz. Dasselbe mußte bald zeigen, daß das menschliche Herz trotzig und böse ist und den Willen Gottes nicht tun will; es mußte bald offenbaren, daß der Mensch seit dem Sündenfall eine sündhafte, verderbte Natur hat, doe Gottes Willen nicht tun will, und auch nicht tun kann, daß er errettet werden muß.

Der Zweck des Gesetzes wird uns durch manche Stelle des Neuen Testamentes klar. Wir lesen: "Das Gesetz aber kam daneben ein, auf daß die Übertretung überströmend würde" (Röm 5,20). Das soll heißen: Das Gesetz soll die Sünde, die seit Adams Fall in der Welt war, als bestimmte Übertretung des Willens Gottes zeigen. Wenn mir jemand auf meinen Grund und Boden tritt, er sieht sein Unrecht aber nicht ein, so kann ich es ihm dadurch klarmachen, daß ich einen Zaun errichte. Dann wird der Betreffende leicht als Übertreter zu überführen sein. Früher war sein Unrecht ein Vergehen, jetzt ist es größer oder "überstömender" geworden: es ist zugeich eine "Übertretung". Durch das Gesetz wollte Gott den Menschen von seiner Schuld überführen, "auf das jeder Mund verstopft werde" und offenbar werde, daß "die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei" (Röm 3,19).

In diesem Sinne und zu diesem Zweck wandte auch der Herr das Gesetz an. Der reiche Jüngling kam zu ihm mit der Frage: "Was soll ich tun, auf daß ich ewiges Leben ererbe?" Der Herr sah das Innere jenes Jünglingsm daß er an den Schätzen dieser Welt hing und weder "Gott über alles" noch auch "seinen Nächsten wie sich selbst" liebte. Deshalb sagte Er in Seiner Weisheit zu ihm, daß er die Gebote halten solle. Und als der Jüngling entgegnete, daß er dies alles gehalten habe, gab ihm der Herr zur Antwort: "Gehe hin, verkaufe was irgend du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach, das Kreuz aufnehmend." Hiermit wurde jener offenbar gemacht und sein Inneres bloßgelegt: "Er aber ging , betrübt über das Wort, traurig hinweg, denn er hatte viele Güter." Sein Mund war verstopft, er war als Übertreter des Willens Gottes erwiesen. Sein Herz war nicht erfüllt von Liebe zu Gott und seinem Nächsten, sondern es hing am Gelde und war voll Eigenliebe.

Also das Gesetz zeigt, daß der Mensch ein Übertreter und Schuldner ist. Aber seine Wirkung geht noch weiter und tiefer. Es weckt und deckt die Lust zur Sünde auf, welche im menschlichen Herzen wohnt. "Durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde" (Röm 3,20). Im gleichen Brief schreibt Paulus: "Die Sünde aber, durch das Gebot Anlaß nehmend, bewirkt jede Lust in mir; ... als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf" (Röm 7,8.9).

Das Gesetz ist von Gott, und Gott ist gerecht, heilig und gut, also auch "das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut". Das Gesetz ist in der Tat der richtige Ausdruck der Rechte und Forderungen Gottes an den Menschen; es ist ferner der Maßstab der Verantwortlichkeit des Menschen gegen Gott, gegen seinen Nächsten und gegen sich selbst. Aber weil der Mensch gefallen und verderbt ist, wird durch das Gesetz der verdorbene Quell im Menschen, das sündhafte Herz, aufgedeckt. Bei seiner Anwendung regt sich in ihm Widerspruch dagegen und zugleich die Lust, gerade das Verbotene zu tun.

Wie oft erfährt man dies im Kleinen. Man sagt einem Kinde vielleicht: "Gehe heute nicht in die Stadt!" oder: "Lies mir nicht in diesem Buche!" Das böse Herz wird sich dann gerade dorthin sehnen und nach dem verlangen, was ihm verwehrt sein soll. Das ist, was Römer 7 sagt: "Als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf."

Hierbei wird natürlich auch die Kraftlosigkeit des Menschen und seine Ohnmacht zum Guten offenbar. Das Gesetz deckt nicht nur die Lust zum Bösen im Herzen auf, es zeigt auch die Unfähigkeit zum Guten. Dem Menschen ist es unmöglich, Gottes Gesetz zu erfüllen und Seinen Willen zu tun, wegen der Kraftlosigkeit des Fleisches. Also das Gesetz mach uns unsere Übertretungen kung, aber es deckt sie nicht zu; es zeigt uns unsere Schuld, aber es sühnt und tilgt sie nicht. Es deckt uns unser böses Herz auf, aber es heilt dasselbe nicht. Es gebietet uns, Gott zu lieben von ganzen Herzen, aber es schenkt uns keine Zuneigungen zu Ihm; es fordert von uns, Gott zu leben, aber es verleiht uns keine Kraft dazu.

Auf dem Boden des Gesetzes stehen alle Menschen "ohne Hoffnung" vor Gott, "schuldig", "den Mund verstopft", "dem Gericht verfallen", "unter dem Fluche". So spricht Gott. "Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden."

Wenden wir uns nunmehr der Gnade zu, so ist alles verändert. Welch liebliches Bild tritt vor uns, als auf der Flur von Bethlehem-Ephratha der Engel des Herrn den Hirten verkündigt: "Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute, in Davids Stadt, ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr." Und was finden sie? Ein Kindlein in einer Krippe! Das ewige Wort, Gott selbst, ward Fleisch und wohnte unter uns". Das Wort des Propheten wurde erfüllt: "Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel heißen, was verdolmetscht ist: Gott mit uns."

Als der engel des Herrn die wunderbaren Worte sprach, war alsbald bei ihnen eine Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten: "Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!" Welch ein Gegensatz zu dem Donner und Sturm vom Sinai! Dort wurde das Gesetz durch Mose gegeben, aber hier ist die Gnade und Wahrheit durch Jesum Christum in Erscheinung getreten, die Gnade, welche den armen, schuldigen und verlorenen Sünder in seinem Elend besucht und sucht, um ihn zu Gott zu bringen.

Ja, welch ein Unterschied! Das Gesetz machte offenbar, was im Herzen des Menschen ist, daß es unrein, böse und voll Feindschaft ist wider Gott; die Gnade zeigt, was im Herzen Gottes ist, daß es voll Liebe und Erbarmen ist gegen die Menschenkinder. Das Gesetz tut kund, was vom Menschen gefordert wird, die Gnade, was Gott gibt. Jenes wurde unter Donner und Blitz und Erdbeben gegeben, diese ist unter dem Lichtglanz der Herrlichkeit Gottes und dem Lobpreis der himmlischen Heerscharen geworden. Das Gesetz kam mit einem Fluche über alle, die nicht verblieben in jedem und allem, was Gott geboten hatte, es zu tun; die Gnade kam mit Segen für alle, welche vor dem kommenden gerechten Zorn zu Gottes Heil und Herzen vertrauensvoll ihre Zuflucht nehmen. Das Gesetz sagt: "Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buche des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!" (Gal 3,10). Die Gnade sagt: "Der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn" (Röm 6,23). "Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, auf daß niemand sich rühme" (Eph 2,8.9).

Gnade ist Liebe, die sich in Güte an dem Schuldner erweist. Sie ist in Christus Jesus mit Wahrheit vereint. Darum verschweigt sie nicht, daß der Mensch vor dem heiligen und gerechten Gott schuldig, sündhaft und unter dem Gericht ist; aber sie bieltet ihm auf Grund des stellvertretenden und heiligen Opfers Jesu Christi vollen Erlaß der Schuld und aller strafe an, ja mehr noch: ewiges Leben und ewige Gemeinschaft und Herrlichkeit mit und bei Gott.

Die Gnade bezweckt also die Errettung des verlorenen Menschen, sie bewirkt Versöhnung und Leben und Befreiung vom Gericht. Sie vergibt und gibt. Sie vergibt die Schuld durch den Glauben an Christi Blut, und sie gibt ewiges Leben im Heilgen Geiste das Recht, Kind Gottes zu heißen.

Doch wie ist nun die Stellung des durch Glauben Gerechtfertigten dem Gesetz gegenüber? Paulus schreibt dem Timotheus: "Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht, indem er dies weiß, daß für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Zügellose, für Gottlose und Sünder" (1. Tim 1,8-10). Das Gesetz ist die Religion des Fleisches (der alten Natur). Durch das Werk Christi ist aber dem alten Menschen ein Ende bereitet, "indem wir dieses wissen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, auf daß der Leib der Sünde abgetan sei" (Röm 6,6). "Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in welchem wir festgehalten wurden, so daß wir dienen in dem Neuen des Geistes und nicht in dem Alten des Buchstabens" (Röm 7,6).

Ein wunderbarer Stellungswechsel durch den Glauben vor den Augen Gottes vollzogen, indem Er uns nicht mehr al Kinder Adams, sondern "in Christo" betrachtet. "Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden" (2. Kor 5,17), "und angezogen habe den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph 4,24).

Wenn ein Menschen den Tod verdient hat und er erleidet die Todesstrafe, zu der das Gesetz ihn verurteilt, hat das Gesetz keine Ansprüche mehr an ihn. Er ist tot, dem Gesetz entrückt. Dieses hat, nachdem ihm Genüge geschehen ist, keinerlei Rechte mehr an den Schuldigen, sein Recht ist ihm geworden. Gott sei gepriesen! So So ist es mit allen denen, die an Jesum geglaubt haben und mit Ihm in Seinem Tode und Seiner Auferstehung als Seine Glieder vereinigt worden sind. Wir, die Gläubigen, sind sozusagen unter dem Gesetz weggestorben. Das Gesetz ist nicht gestorben, es bleibt in seiner ganzen Heiligkeit bestehen; aber ihm ist Genügegeschehen, indem wir gestorben sind.

Von dieser Wahrheit redet der Apostel in Römer 7. Er entwickelt sie zunächst, wie er es gewöhnlich tut, in lehrhafter Weise, um dann seine Anwendung zu machen und die praktischen Folgen zu ziehen. Er beginnt: "Oder wisset ihr nicht, Brüder, (denn ich rede zu denen, die Gesetz kennen) daß das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt?" Das Gesetz kann, wie eben gesagt, einem gestorbenen Menschen nichts mehr anhaben, kann seine Rechte an ihm nicht mehr geltend machen. Zur Erläuterung dieses Punktes gebraucht der Apostel ein Bild. Er redet von einer verheirateten Frau. Wie ist es mit einer solchen? Sie ist durch das Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt. Wenn sie bei seinen Lebzeiten eines anderen Mannes wird, bricht sie die Ehe. Sobald aber der Mann gestorben ist, kann sie eines anderen Mannes werden, ohne sich dadurch des Ehebruchs schuldig zu machen. Sie ist durch den Tod des Mannes von den Verpflichtungen entbunden, die auf ihr als Weib ruhten. Sie steht unter diesem Gesetz, dem Ehegesetz, nur solange der Mann lebt.

Soweit das Bild. Nun die Anwendung: "Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus." Wie wir sehen, dreht der Apostel in der Anwendung das Bild um. Das Gesetz kann nicht sterben; es ist Gottes heiliges, ewig bestehendes Gesetz, das will sagen "ewig" in dem Sinne: solange diese Erde besteht.

Der Tod muß aber eintreten, um das Verhältnis zu lösen. Nun, der Apostel sagt: "Ihr seid getötet worden"; und zwar wie? "Durch den Leib des Christus." Ein bemerkenswerter Ausdruck! Christus war wahrhaftiger Mensch. Immer wieder betont der Apostel diese Tatsache. Er redet deshalb auch hier nicht einfach von Christus, sondern von dem Leibe des Christus, um daran zu erinnern, daß Er einen menschlichen Leib angenommen, an Blut und Fleisch teilgenommen hat (Heb 2,14). Er mußte wahrhaftiger Mensch sein wie wir, anders hätte er unseren Platz nicht einnehmen können; und doch wieder ein ganz eigenartiger Mensch - ein heiliger Mensch, obwohl dem sündigen Menschen gleichgestaltet, Gottes und des Menschen Sohn.

Wir sind also durch den Leib des Christus dem Gesetz getötet worden, wir sind dem Gesetz gestorben. Zu welchem Zweck? Um fortan ungesetzlich oder gar gesetzlos zu sein, um unserem eigenen Willen zu folgen? Ach, das wäre viel schrecklicher, als unter Gesetz zu stehen. Nein, wir sind dem Gesetz getötet worden, "um eines anderen zu werden". DAs Weib in dem Gleichnis des Apostel wird eines anderen Mannes. So sind auch wir eines anderen Mannes geworden. Das Gesetz war sozusagen der erste Mann, dessen Herrschaft nur Seufzer und Klage hervorrufen konnte; das arme Weib vermochte trotz aller Anstrengungen seinen Forderungen nicht zu entsprechen. Wer ist nun der zweite Mann, dessen wir geworden sind? Der "aus dem Toten Auferweckte."

So laßt uns diesem Herrn dienen, indem wir nach dem Geiste wandeln und uns nicht wieder den Gesetz zuwenden. Verbinden wir das Gesetz mit der Gnade, so ist die Gnade nicht mehr Gnade, wir sind dann "aus der Gnade gefallen". Betreten wir als Begnadigte den Boden des Gesetzes, so stehen wir in der Gefahr, das Fleisch heiligen zu wollen, und das ist unmöglich. Wenn wir im Geiste wandeln, kommen gesegnete Früchte hervor, die weit über das im Gesetz Geforderte hinausgehen, zur Verherrlichung Gottes. Dies ist kein knechtischer, ergebnisloser Dienst, sondern ein gesegneter in der Freiheit des Geistes.

Quelle:  "Ermunterung und Ermahnung" 1965

 

 

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