2. Korinther 5,20

Lasst euch versöhnen mit Gott!
 

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Gottes Haus 7

Ein Tempel

Obwohl wir uns bereits zu Anfang mit der Versammlung als dem heiligen Tempel Gottes beschäftigt haben, müssen wir noch einmal darauf zurückkommen. Zur Bezeichnung des Tempels in Jerusalem, der das Vorbild ist, kennt das Neue Testamen zwei verschiedenene Wörter (grich. hieron und naos). Das erste mit der allgemeinen Bedeutung "das Heilige" bezeichnet den gesamten Tempelbezirk mit allen dazugehörigen Gebäuden, das zweite bedeutet ursprünglich "Wohnung, Heiligtum" und wird für das eigentliche Heiligtum gebraucht werden.

Jahrhunderte vorher hatte die Wolke der Herrlichkeit des Herrn den Tempel erfüllt, den Salomo zu Seiner Ehre in Jerusalem erbaut hatte, genauso wie es schon früher beim Zelt der Zusammenkunft in der Wüste der Fall gewesen war (2. Mo 40,35; 1. Kön 8,10). Die Wolke der Herrlichkeit war das sichtbare Zeichen der Gegenwart und Zustimmung Gottes. Doch sie verließ den entweihten Tempel zur Zeit Hesekiels (He 9,3; 10,4.18; 11,23), und wir lesen nichts davon, dass sie nach dessen Wiederaufbau in den Tagen Serubbabels und Esras wieder dorthin zurückgekehrt sei. Erst im Tausendjährigen Reich wird Gott wieder ein Heiligtum auf der Erde haben, in dem die "Herrlichkeit des Gottes Israels" wohnen wird (Hes 43,1-5).

Den gleichen Ausdruck für "Tempel" wie hier gebraucht Paulus in den Briefen an die Korinther, um ihnen die hohe Stellung ins Gedächtnis zu rufen, die sie als Versammlung einnehmen: "Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in [oder: unter]  euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr" (1. Kor 3,16.17). Durch seine Frage: "Wisst ihr nicht ...?", erinnert er sie an eine bekannte Tatsache, die sie aus dem Auge verloren hatte. Als örtliche Versammlung in Korinth stellten sie genauso den geistlich, heiligen Tempel Gottes dar, wie sie der Ausdruck des einen Leibes Christi waren. Sowohl bei "Christi Leib" fehlt der Artikel, das heißt, die Korinther waren nicht im absoluten Sinn der Leib oder der Tempel, sondern trugen diesen Charakter als örtlicher Ausdruck davon. Ebenso ist es in 2. Korinther 6,16, wo es heißt: "Denn ihr seid [der] Tempel des lebendigen Gottes." Wenn Paulus dagegen von der gesamten Versammlung spricht, zu der die Korinther natürlich auch gehörten, heißt es zweimal mit dem Artikel: "Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr."

Von diesem Tempel werden drei Dinge bezeugt: Es ist der Tempel des lebendigen Gottes, er ist heilig, und der Geist Gottes wohnt darin. Wie der Tempel Salomos auch nach außen die Herrlichkeit des Gottes Israels offenbaren sollte, so ist die Versammlung als Tempel des lebendigen Gottes dazu berufen, Seine Heiligkeit darzustellen.Es ist nicht von ungefähr, dass die Bezeichnung "Tempel Gottes" nur in den Briefen an die Korinther vorkommt, denen viele Regeln für das Verhalten in der Versammlung gegeben werden mussten, weil sie sich der Heiligkeit Gottes und Seiner Versammlung nicht in rechter Weise bewusst waren und sich deshalb ins Gedächtnis rufen lassen mussten: "Wisst ihr nicht ...?"

Als gegenwärtige Wohnung des Heiligen Geistes ist der Tempel Gottes zudem keine unvollständige geistliche "Baustelle", sondern ein vollständiges Gebäude. Der Heilige Geist wohnt seit dem Pfingsten (Apg 2) in der Mitte der Gläubigen, was zwar besonders im Leib Christi zum Ausdruck kommt, der durch die Taufe mit dem einen Geist  entstanden ist. Aber auch der heilige Tempel ist die Wohn- und W§irkungsstätte des Heiligen Geistes. Wie einst die Wolke der Herrlichkeit Gottes den Tempel in Jerusalem erfüllte, so nahm Gott in der Person des Heiligen Geistes Wohnung in der Versammlung.

Ergänzend sei bemerkt, dass der Herr Jesus mit dem gleichen Wort (griech. naos) den Tempel Seines Leibes bezeichnet, der abgebrochen und in drei Tagen wieder aufgebaut werden würde - eine Anspielung auf Seinen Tod und Seine Auferstehung (Joh 2,19-21; vgl. Mt 26,61). Es ist ein zu Herzen gehender Gedanke, dass der reine Leib des Mensch gewordenen Sohnes Gottes ein heiliger Tempel Gottes war, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte und wohnt (vgl. Kol 1,19; 2,9). Zwar wird auch der Leib jedes einzelnen Gläubigen jetzt der Tempel des Heiligen Geistes genannt, der in uns wohnt (1. Kor 6,19). Doch welch ein Unterschied zu dem vollkommenen Tempel des Leibes Jesu Christi als Mensch auf der Erde! In einem Gläubigen wohnt der Geist ja nicht von Geburt an, sondern erst durch die Versiegelung und Salbung auf Grund des Glaubens an das Evangelium des Heils (2. Kor 1,21f; Eph 1,13f). Erst dadurch wird unser Leib "der Tempel des Heiligen Geistes".

Der Leib des Herrn Jesus wat jedoch von Geburt an der Tempel Gottes, nicht erst durch das Herabkommen des Heiligen Geistes bei Seiner Taufe am Jordan, wo der Vater Sein Wohlgefallen an Seinem geliebten Sohn bezeugte und Ihn durch die Herabsendung des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube in Seinen öffentlichen Dienst bestätigte (Joh 6,27; Apg 10,38). Seine Menschwerdung war der von Gott ersehene Weg zur Verwirklichung der unergründlichen Wahrheit: "Und das Wort wurde Fleisch" (Joh 1,14; vgl. 1. Tim 3,16). Schon in der Krippe war Sein heiliger Leib die Wohnung der ganzen Fülle der Gottheit. Bis in Ewigkeit wird diese Tatsache Gegenstand unserer Anbetung sein!

Doch kommen wir zu unserem eigentlichen Thema, der Versammlung, zurück.Die bereits betrachtete Stelle im Epheserbrief erfordert noch eine kurze Erklärung: "... in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn ..." (Eph 2,21). Auch hier wird das Wort "Tempel" verwendet, aber im Unterschied zum "Tempel Gottes" in den Briefen an die Korinther handelt es sich hier nicht um die Versammlung unter dem Gesichtspunkt menschlicher Verantwortung, sondern um das vollkommene Bauwerk Gottes. Die Benutzung des gleichen Wortes darf nicht über diesen wichtigen Unterschied hinwegtäuschen, wenn sie auch anzeigt, dass es sich grundsätzlich um ein und dieselbe Sache handelt. Darüber hinaus wird der Tempel Gottes in den Korintherbriefen als bereits vollständige Wohnung des Heiligen Geistes vorgestellt, während im Epheserbrief der Bau noch zu einem heiligen Tempel im Herrn heranwächst, also nicht als vollendet betrachtet wird. solange noch "lebendige Steine" hinzugefügt werden, das heißt, bis zum Kommen des Herrn.

Der Bau

Ein Wort mit vielfältiger Bedeutung ist "Bau" (griech. oikodome), mit dem in Matthäus 24,1 die "Gebäude" des Tempels in Jerusalem bezeichnet werden, in 2. Korinther 5,1 der Leib der Herrlichkeit, den wir bei der Entrückung empfangen, und in Römer 14,19 sowie vielen weiteren Stellen die geistliche "Erbauung" oder "Auferbauung" der Gläubigen. In 1. Korinther 3,9 nennt Paulus die Christen in Korinth "Gottes Ackerfeld, Gottes Bau", und in Epheser 2,21 heißt es: "... in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn." Allen verschiedenen Bedeutungen des Wortes gemeinsam ist die Vorstellung des Bauens, ob bereits vollendet oder noch im Gang. Die letzten beiden Stellen sprechen eindeutig davon, dass etwas im Bau befindlich ist. In1. Korinther 3,9 wird jedoch die örtliche Versammlung in Korinth als "Gottes Bau" gesehen, an dem Menschen bauen, während "der ganze Bau" im Epheserbrief das vollkommen göttliche Bauwerk der Versammlung auf der ganzen Erde darstellt. Auch dieses Wort bezeichnet also - ähnlich wie "Tempel" nicht immer genau dasselbe.

Wie ist es nun zu verstehen, dass die Versammlung - sei es örtlich oder weltweit - als fertiger Tempel, als Wohnstätte Gottes und des Heiligen Geistes, bezeichnet wird und zugleich als noch nicht vollendeter "Bau"? In diesen verschiedenen Darstellungen dürfen wir nicht etwa einen Widerspruch oder eine Unvollkommenheit vermuten. Im Gegenteil, es ist unsere menschliche Schwachheit und Begrenztheit, deretwegen Gott in Seinem Wort bildliche Darstellungen Seiner Versammlung benutzen muss, damit wir Seine ewigen und erhabenen Gedanken überhaupt erfassen können. Er greift deshalb auf bekannte Begriffe aus der Schöpfung und dem menschlichen Leben zurück. Aber diese reichen auf Grund ihrer begrenzten Aussagekraft nicht aus, um uns alle Aspekte auf einen Blick sehen zu lassen. Daher rührt die für viele verwirrende Vielfalt von Gesichtspunkten gerade bei der Versammlung als Haus Gottes. Doch nur so kann die "mannigfaltige Weisheit Gottes", die durch die Versammlung kundgetan werden soll, auch in dieser Hinsicht zur vollen Entfaltung gelangen. Wir dürfen anbetend sagen: "O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!" (Röm 11,33).

Eine Behausung Gottes

Das Wort "Behausung" (griech. kaoiketerion) wird schon in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung  des Alten Testaments, hauptsächlich für die Wohnung Gottes benutzt, sei es prophetisch in 2. Mose 15,17, sei es für den Tempel in 1. Könige 8,39 und anderen Stellen, oder für Gottes "heilige Wohnung im Himmel" (2. Chr 30,27). Es kommt im Neuen Testament nur an zwei Stellen vor: in Epheser 2,22 als "Behausung Gottes im Geist" und in Offenbarung 18,2 für Babylon als "Bahausung von Dämonen".

Erlösung ist die Vorbedingung für das Wohnen Gottes bei Menschen. Das irdische Volk Israel ist darin ein schwaches und unvollkommenes Vorbild auf die Versammlung, wenn es auch nach dem Durchzug durch das Schilfmeer triumphierend singen konnte: "Du hast durch deine Güte geleitet das Volk, das du erlöst, hast es durch deine Stärke geführt zu deiner heiligen Wohnung" (2. Mo 15,13). So reich an Belehrung das Zelt der Zusammenkunft auch für uns ist, und so herrlich der Tempel in Jerusalem sein mochte, beide sind nur "Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst", denn "der Höchste wohnt nicht in Wohnungen, die mit Händen gemacht sind", und Er, "der der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind" (Heb 10,1; Apg 7,48; 17,24). Seine gegenwärtige Wohnung auf der Erde, wenn auch für das natürliche Auge unsichtbar, ist jetzt ein geistliches Haus. Wir brauchen als nicht bir zu unserer Entrückung zu warten, um dann erst die Wohnung Gottes zu werden, sondern wir sind schon jetzt die Behausung Gottes im Geist. Sie ist wie der Leib Christi durch den Heiligen Geist gebildet worden, Er wohnt in ihr, und dadurch trägt sie Seinen Charakter. Die "Behausung im Geist" ist die geistliche Wohnung Gottes auf der Erde. Alle wahren Gläubigen gehören dazu, die jetzt auf der Erde leben.

Jedes Haus trägt den Charakter oder Stempel seines Besitzers oder Bewohners. Nicht anders ist es bei der Versammlung Gottes. Sein Wesen soll in Seiner Wohnung zum Ausdruck kommen, und nur Sein Wille darf darin Geltung haben. Kein Mensch und keine noch so große Gemeinschaft von Menschen hat das Recht, hier etwas zu bestimmen. Nur durch Sein Wort und Seinen Heiligen Geist wird alles geleitet und bestimmt.

Wenn die Welt Gott auch ablehnen mag, so hat Er doch einen Platz, wo Er wohnt, wo Er als Gott anerkannt wird und wo auch Seine Rechte anerkannt werden. Nur da kann Er wohnen und ruhen - inmitten erlöster Sünder, für die Er alles getan hat und die jetzt auch in Ihm und Seinem Sohn Frieden gefunden haben und zur Ruhe gekommen sind.

Die Hütte Gottes

Bei ihrer letzten Erwähnung in Offenbarung 21,3 wird die Versammlung die Hütte Gottes (griech. skene theou) genannt. Hier sehen wir die heilige Stadt, das neue Jerusalem, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut, aus dem Himmel herabkommen, und eine laute Stimme aus dem Thron spricht: "Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen!"

Bald wird der Herr Jesus all die Seinen aufnehmen in die Herrlichkeit des Himmels. In Offenbarung 21 wird uns ein Blick in die Ewigkeit gestattet. Wir seheh die Versammlung als "die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Hütte [oder: das Zelt] Gottes bei den Menschen" (Off 21,2.3).

Ohne Zweifel knüpft der Heilige Geist bei dieser letzten Schilderung der Versammlung mit dem Ausdruck "Hütte" an das Zelt der Zusammenkunft, die erste Wohnung Gottes bei Seinem irdischen Volk Israel an. Da sehen wir ein Heiligtum, in dem und durch das Gott bei Seinem befreiten Volk wohnt (vgl. 2. Mo 25,8). Im Zustand der Ewigkeit wird dieses Vorbild seine vollkommene Erfüllung finden. Die Versammlung wird dann die "Hütte" bilden, in der Gott wohnt, aber die erlösten Menschen aller anderen Epochen der Heilsgeschichte werden auf der neuen Erde Sein Volk sein, bei dem Er wohnt. Das wird ihr ewiger Segen und Grund ihrer ewigen Freude sein, Gott selbst in ihrer Mitte wohnend zu haben.

In Gestalt des neuen Jerusalem kommt die Versammlung aus dem Himmel hernieder, um dann als die Hütte Gottes bei den Menschen vorgestellt zu werden. Zeigt uns das nicht, dass ihr eigentlicher Wohnplatz nicht hier zu suchen ist? Ist nicht das Vaterhaus des ewigen Sohnes Gottes, die ewige Heimat göttlichen Lichts und göttlicher Liebe, ihr besonderer, ihr einzigaretiger Segensort? "Dorthin dringt unser Hoffen, dort liegt unser Teil bereit!" Doch wir werden die vollkommene Liebe des Bräutigams zu Seiner Braut nicht in selbstsüchtiger Weise erfahren und genießen, sondern alle Erlösten werden ewig ihren Anteil daran haben, wenn Gott alles in allem sein und in Seiner Versammlung bei ihnen wohnen wird, nicht nur unser, sondern auch "ihr Gott". So wird sich der vollkommene Ratschluss des ewig anbetungswürdigen alleinigen Gottes und Seines Sohnes Jesus Christus in Vollkommenheit erfüllen!

A. R.

Mit freundlicher Genehmigung von CSV e.V.
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