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E+E 1959
Im neunten Kapitel skizziert der Apostel die Geschichte Israels in der Vergangenheit, in Kapitel zehn den gegenwärtigen Zustand dieses Volkes: Er ist durch Untreue und Unglauben gekennzeichnet. Und weil sich dieses Volk an dem >Stein des Anstoßes< und dem >Fels des Ärgernisses< - an Christus - gestoßen und Ihn verworfen hat (Röm 9,33), hat Gott Seine in Güte gegen dieses ungehorsame und widersprechende Volk ausgestreckte Hand von ihm zurückgezogen, um sich solchen zuzuwenden, die nicht nach Ihm fragten, den Nationen (Röm 10,20.21). Israel ist als Nation, ist in seiner Masse beiseite gesetzt worden und dem Gericht Gottes verfallen. Wir haben das schon betrachtet: In heilsgeschichtlicher Sicht wendet sich Gott heute allen Völkern der Erde ohne Unterschied zu. Israel hat seine besondere Position auf der Erde verloren. Es hat seinen Platz als Zeuge Gottes, als Gegenstand der Verheißungen Gottes auf der Erde eingebüßt. Ja, es hat sich im höchsten Maß schuldig gemacht, weil es seinen ihm von Gott gesandten Messias gekreuzigt und gerufen hat: "Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" (Mt 27,25).
Hat nun dieses Volk keine Hoffnung mehr? Diese Frage behandelt, wie bereits bemerkt, das elfte Kapitel des Römerbriefes. Nun, aufgrund dessen, was dieses Volk getan hat, hat es tatsächlich keine Anrechte mehr. Sämtliche an Bedingungen geknüpfte Verheißungen Gottes hat es verwirkt. Und doch: Weil die Gnadengaben und die Berufung Gottes unbereubar sind (Röm 11,29), weil Gott dieses Volk zu einem bestimmten Zweck berufen hat, die Verherrlichung Christi auf der Erde und die Segnung der Erde) und Seine Gnaden-Absichten nicht durchkreuzt werden können, hat Israel eine Hoffnung. Das macht die Beantwortung von zwei Fragen deutlich, die in den Versen 1 und 11 in unserem Kapitel gestellt werden.
Auf die erste Frage in Vers 1 "Hat Gott etwa sein Volk verstoßen?" antwortet der Apostel, inspiriert durch den Geist, entschieden mit: "Das sein ferne!" Allein die Tatsache, dass er selbst, Paulus, ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams war und errettet worden ist, machte deutlich, dass Gott Sein Volk nicht ganz und gar verstoßen hat. Hatte nicht auch er Christus gehasst und die Versammlung Gottes verfolgt? Aber ihm war Barmherzigkeit zuteil geworden "zum Vorbild für die, die an ihn glauben werden zum ewigen Leben" (1. Tim 1,16). Seine beispiellose Bekehrung ist gewiss auch ein prophetischer Hinweis auf die Bekehrung des Überrestes aus Israel bei der Ankunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit.
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