2. Korinther 5,20

Lasst euch versöhnen mit Gott!
 

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

I. Es gibt eine Versammlung Gottes auf der Erde

Hindernisse auf dem Weg zur Erkenntnis der Versammlung Gottes

Zunächst also zu der Tatsache. Es besteht so etwas wie die Versammlung Gottes auf der Erde. Das ist zweifellos eine höchst bedeutsame Tatsache. Gott hat eine Versammlung auf der Erde. Ich meine damit nicht bloß irgendeine menschliche Organisation, wie z.B. die Griechische oder die Römische Kirche, auch nicht die Anglikanische Kirche oder eine Kirche von Shottland oder irgendeines dieser verschiedenartigen Systeme, die aus diesen hervorgegangen sind, gebildet und gestaltet durch die Hand des Menschen und auch durch den Menschen betrieben und unterhalten. Ich meine einfach jene Versammlung, die durch Gott, den heiligen Geist, um die Person Gottes, des Sohne, versammelt wird, um Gott, den Vater, anzubeten und Gemeinschaft mit Ihm zu haben.

Wenn wir nun unsere Untersuchung über die Versammlung Gottes oder einen Ausdruck von ihr mit einem Kopf voller Vorurteile oder mit vorgefaßten Gedanken darüber oder mit persönlicher Vorliebe beginnen, oder wenn wir in unseren Untersuchungen Hilfe von den flackernden Irrlichtern der Dogmen, Ansichten und Überlieferungen der Menschen erwarten, dann wird es uns mit Sicherheit nicht gelingen, die Wahrheit zu erkennen. Um die Versammlung Gottes klar erkennen zu können, müssen wir und ausschließlich durch das Wort Gottes belehren und durch Seinen Geist leiten lassen; denn von der Versammlung Gottes kan - ebenso wie von den Kindern Gottes - gesagt werden, dass die Welt sie nicht erkennt (vgl. 1. Joh 3,1).

Wenn wir uns daher auf irgendeine Weise durch den Geist der Welt leiten lassen, wenn wir den Menschen erhöhen wollen, wenn wir danach streben, uns den Gedanken der Menschen zu empfehlen, wenn wir als Ziel die anziehenden Ergebnisse plausibel erscheinender Zweckmäßigkeitsüberlegungen vor uns haben, die die Seele umgarnen, dann können wir ebensogut unsere Suche nach einem wahren Ausdruck der Versammlung Gottes aufgeben und Zuflucht nehmen zu jener Form menschlicher Organisation, die sich unseren Gedanken oder unserer gewissenhaften Überzeugung am meisten empfiehlt.

Wenn es unsere Absicht ist, eine religiöse Gemeinschaft zu finden, in der das Wort Gottes gelesen wird oder in der sich Gläubige befinden, dann können wir uns diesen Wunsch rasch erfüllen, denn wir werden schwerlich einen Bereich innerhalb der bekennenden Christenheit finden, in dem nicht entweder das eine oder sogar diese beiden Dinge verwirklicht werden.

Wenn wir schließlich nur bestrebt sind, soviel wie möglich Gutes zu tun, ohne zu fragen, auf welche Weise wir es tun sollen; wenn bei allem, was wir unternehmen, unser Wahlspruch lautet: Per fas aut nefas, d.h. "auf rechte oder unrechte Weise"; wenn wir gewillt sind, jene gewichtigen Worte Samuels auf den Kopf zu stellen und zu sagen: "Schlachtopfer sind besser als Gehorchen, und das Fett der Widder ist besser als Aufmerken" (vgl. 1. Sam 15,22), dann wäre es sinnlos, unsere Suche nach der Versammlung Gottes fortzusetzen, denn diese Versammlung kann nur von solchen erkannt und willkommengeheißen werden, die belehrt sind, die Tausende von blumigen Wegen zu fliehen, die Menschen für zweckmäßig halten, und die ihr Gewissenm ihr Herz, ihr Verständnis, ihr ganzes sittliches Wesen der überragenden Autorität des "So spricht der Herr" unterwerfen.

Mit einem Wort, der gehorsame Jünger weiß also, dass so etwas wie die Versammlung Gottes besteht; und er ist auch durch die Gnade Gottes befähigt zu verstehen, was ein wahrer Ausdruck dieser Versammlung ist. Wer aufrichtig die Heilige Schrift studiert, erkennt sehr wohl den Unterschied zwischen dem, was durch den Willen und die Weisheit des Menschen gegründet, geformt und regiert wird, und dem, was sich um die Person Christi als Herrn versammelt und von Ihm geleitet wird. Und was für ein gewaltiger Unterschied ist das doch! Es ist gerade der Unterschied zwischen Gott und dem Menschen.

Beweise für die Existenz der Versammlung Gottes

An dieser Stelle könnten wir gefragt werden, was es denn für Beweise aus der Heiligen Schrift dafür gibt, dass so etwas wie die Versammlung Gottes auf der Erde tatsächlich besteht; und wir werden auch sogleich dazu übergehen, solche Beweise zu liefern, denn ohne die Autorität des Wortes Gottes sind alle Erklärungen und Darlegungen absolut wertlos. Was also sagt die Heilige Schrift über diesen Gegenstand?

Unser erster Beweis soll jene berühmte Stelle aus Matthäus 16 sein:

Aufgebaut auf den Herrn Jesus Christus als den Felsen

"Als aber Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Wer sagen die Menschen, dass ich, der Sohn des Menschen, sei? Sie aber sagten: Die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und wieder andere: Jeremia oder einer der Propheten. Er spricht zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus; und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung (ekklesía)1) bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen"  (Verse 13-18).

Hier kündigt unser wunderbarer Herr Seine Absicht an, eine Versammlung zu bauen, und Er stellt das wahre Fundament dieser Versammlung vor, nämlich "Christus, den Sohn des lebendigen Gottes". Dieser Punkt ist von äußerster Wichtigkeit für unser Thema. Dieses Bauwerk ist auf den Felsen gegründet, und dieser Felsen ist niemals der schwache , versagende, strauchelnde und irrende Prtus, sondern CHRISTUS, der ewige Sohn des lebendigen Gottes. Und jeder Stein an diesem Bauwerk hat nun Teil an dem Leben dieses Felsens, das siegreich über alle Macht des Feindes und deshalb auch unzerstörbar2) ist.

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1) Das griechische Wort ekklesia wird in der englischen Übersetzung sowohl mit Kirche als auch mit Versammlung wiedergegeben - Versammlung trifft jedoch die wahre Bedeutung besser.

2) Es ist von großer Bedeutung, zu unterscheiden zwischen dem, was Christus baut, und dem, was der Mensch baut. Ganz gewiß werden die Pforten des Hades alles das überwältigen, was nur von dem Menschen ist; und daher wäre es ein verhängnisvoller Fehler, auf das Bauen des Menschen solche Worte anzuwenden, die sich allein auf das Bauen Christi beziehnen. Der Mensch baut auch mit Holz, Heu und Stroh (1. Kor 3,12) - leider tut er das! Alles aber, was Christus, unser Herr, baut, wird in Ewigkeit bestehen. Der Stempel der Unvergänglichkeit prägt jedes Werk Seiner Hand. Sein wunderbarer Name sei gepriesen!

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Versammelt in Seinem Namen

Wenn wir nun im Matthäus-Evangelium etwas weitergehen, kommen wir zu einer gleichermaßen bekannten Stelle:

"Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit durch den Mund von zwei oder drei Zeugen jede Sache bestätigt werde. Wenn er aber nicht auf sie hört, sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hört, sei er dir wie der Heide und der Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein. Wahrlich, wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgendeine Sache, welche sie auch erbitten mögen, so wird sie ihnen zuteil werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Mt 18,15-20).

Wir werde im zweiten Teil dieses Aufsatzes noch Gelegenheit haben, auf diese Stelle zurückzukommen. Sie sei hier erst einmal nur als ein Glied in der Kette der Beweise aus der Heiligen Schrift angeführt, dass es so etwas wie die Versammlung Gottes auf der Erde gibt. Diese Versammlung ist nicht ein Name, eine Form, eine Erfindung, eine Annahme. Sie ist eine görrliche Wirklichkeit - eine Einrichtung Gottes, die Sein Siegel und Seine Bewilligung trägt. Sie ist etwas, woran man sich in allen Fällen von persönlichen Übergriffen oder Zerwürfnissen, von darin verwickelten Beteiligten nicht geschlichtet werden können, wenden kann. Diese Versammlung mag an einzelnen Orten nur aus "zwei oder drei" bestehen - die kleinste Mehrzahl, wenn wir so wollen; aber sie besteht dort und wird von Gott anerkannt und ihre Entscheidungen werden im Himmel bestätigt.

Göttlich gewirkte Überzeugung über den wahren Ausdruck der Versammlung Gottes

Wir wollen uns von der Wahrheit über diesen Gegenstand nicht dadurch abbringen lassen, dass es die Römische Kirche gewagt hat, ihre ungeheuerlichen Anmaßungen gerade auf diese beiden angeführten Stellen zu stützen.Diese Kirche ist nicht die Versammlung Gottes, die auf den Felsen Christus aufgebaut und in dem Namen Jesu versammelt ist; sie ist eine menschliche Ketzerei, die sich auf einen fehlbaren Sterblichen stützt und die durch die Überlieferungen und Lehren von Menschen regiert wird. Wir dürfen es daher nicht zulassen, dass uns die göttliche Wirklichkeit durch die Nachahmung und Fälschung des Teufels geraubt wird. Gott hat Seine Versammlung auf der Erde, und es ist unsere Verantwortlichkeit, die Wahrheit darüber zu bekennen und praktisch zum Ausdruck zu bringen. In diesen gegenwärtigen Tagen der Verwirrung und des Durcheinanders mag das nicht einfach sein. Es erfordert ein einfältiges Auge, einen unterwürfigen Willen und eine demütige Gesinnung. Doch der Leser darf versichert sein, dass es sein Vorrecht ist, eine ebenso göttliche Überzeugung darüber haben zu können, was ein wahrer Ausdruck der Versammlung Gottes ist, wie er sie auch über die Wahrheit bezüglich seiner eigenen Erlösung durch das Blut des Lammes besitzt; und ohne diese Überzeugung sollte er sich nicht zufrieden geben. Ich könnte mich nicht damit begnügen, auch nur eine Stunde ohne die Gewißheit voranzugehen, dass ich dem Geist und dem Grundsatz nach mit denen verbunden bin, deren Grundlage für das Zusammenkommen allein die Tatsache ist, dass sie gemeinsam Glieder der Versammlung Gottes sind - der Versammlung, die alle wahren Heiligen umfaßt. Ich sage, dem Geist und dem Grundsatz nach, denn es kann sein, dass ich an einem Platz bin, wo es einen solchen örtlichen Ausdruck dieser Versammlung nicht gibt; in einem solchen Fall muß ich mich damit begnügen, im Geist die Gemeinschaft mit solchen zu pflegen, die sich auf diesem Boden der Versammlung Gottes befinden. Aber ich werde auf Ihn warten, dass Er meinen Weg so führen wird, dass ich mich des hohen Vorrechts erfreuen kann, unter Seinem Volk persönlich gegenwärtig sein und die Segnungen schmecken als auch an der heiligen Verantwortung Seiner Versammlung teilhaben zu können.

Das vereinfacht die Sache ganz enorm. Wenn ich nicht einen wahren Ausdruck der Versammlung Gottes haben kann, dann habe ich gar nichts. Es nützt mich nichts, wenn man mir irgendeine relifiöse Gemeinschaft zeigt, in der sich einige Christen befinden, in der das Evangelium verkündigt wird und die Sakramente gespendet werden. Ich muß durch die Autorität des Wortes und des Geistes Gottes davon überzeugt sein, dass sie sich wirklich auf dem Boden der Versammlung versammeln und ihre Kennzeichen tragen, andernfalls kann ich sie nicht anerkennen. Ich kann wohl jedes Kind Gottes dort für sich genommen anerkennen, außerhalb der Schranken dieses religiösen Systems, wenn man es mir gestattet; aber ihr System selbst kann ich auf keinen Fall anerkennen oder billigen. Wenn ich es täte, wäre das gleichbedeutend mit der Behauptung, es gäbe nicht den geringsten Unterschied zwischen dem Festhalten an den Grundsätzen der Versammlung Gottes und dem Aufrichten eines menschlichen Systems; zwischen der Anerkennung Christi als Herr, und der Autorität des Menschen; zwischen dem Beugen vor dem Wort Gottes einerseits und vor menschlichen Meinungen andererseite.

Das wird ohne Frage bei vielen Anstoß erregen. Es wird Engstirnigkeit, Voreingenommenheit, Intoleranz und ähnlich genannt werden. Aber das braucht und nicht zu entmutigen. Alles, was wir zu tun haben, ist, die Wahrheit über die Versammlung Gottes zu erkunden und daran von ganzen Herzen und mit allem Nachdruck festzuhalten - um jeden Preis. Wenn Gott eine Versammlung hat - und die Schrift sagt mir, dass Er sie hat - dann laßt mich mit solchen sein, die ihre Grundsätze aufrechterhalten, und nirgendwo anders. Hier gilt, wie auch überall sonst: entweder die Wahrheit oder gar nichts! Wenn es in deiner Umgebung einen örtlichen Ausdruck dieser Versammlung gibt, dann ist das gut, und dann solltest du auch persönlich dort sein. Wenn das aber nicht der Fall ist, dann begnüge dich damit, im Geist mit all denen Gemeinschaft zu pflegen, die in aller Demut und Treue diesen heiligen Boden erkennen und einnehmen.

Es mag wie Großzügigkeit aussehen und sich gut anhören, wenn man bereit ist, alles anzuerkennen und mit jedem zusammenzugehen. Es mag sehr bequem und angenehm erscheinen, sich an einem Platz aufzuhalten, "wo man jedem seinen Willen läßt und wo niemades Gewissen beunruhigt wird" - wo wir es so haben können, wie es uns gefällt, und sagen und tun können, was wir wollen, und hingehen können, wohin wir nur wollen. All das mag sehr schön, sehr einnehmend, sehr populär, sehr anziehend sein; aber ach! am Ende steht Unfruchtbarkeit und Verbitterung. Und am Tag des Herrn wird es gewiß verbrennen, wie so vieles Holz, Heu oder Stroh, das vor Seinem Gericht nicht bestehen kann.

Doch laßt uns mit den Beweisen aus der Heiligen Schrift fortfahren. In der Apostelgeschichte [oder besser, im "Bericht über die Taten des Heiligen Geistes"] finden wir die förmliche Bildung der Versammlung. Ein oder zwei Stellen hierzu mögen genügen:

Wie es am Anfang war

"Und während sie täglich einmütig im Tempel verharrten und zu Hause das Brot brachen, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich hinzu, die gerettet werden sollten" (Apg 2,46.47).

Das war die ursprüngliche, einfache apostolische Ordnung. Wenn jemand bekehrt worden war, dann gehörte er dadurch zu der Versammlung und nahm seinen Platz darin ein; da gab es keine Schwierigkeiten bei dieser Sache, es gab ja noch keine Sekten oder Parteiungen, von denen jede für sich beanspruchte, als eine Kirche oder Interessengruppe angesehen zu werden. Es gab nur diese eine Sache, und das war die Versammlung Gottes, in der Er wohnte, handelte und regierte. Das war kein System, das aus dem Willen des Menschen oder nach seinem Ermessen oder auch seinem Gewissen gebildet worden wäre. Der Mensch hatte bis dahin noch nicht angefangen, Kirchen zu gründen. Alles war allein das Werk Gottes. Es war ebenso ausschließlich die Zuständigkeit und das Vorrecht Gottes, die Geretteten durch die Taufe mit dem einen Geist zu dem einen Leib zusammenzufügen, wie es auch allein Sein Werk ist, die Zerstreuten zu retten1).

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1) In der Heiligen Schrift gibt es den Gedanken der Mitgliedschaft in einer Kirche nicht. Jeder wahre Gläubige ist ein Glied der Kirche Gottes - des Leibes Christi; und er kann daher genaugenommen genauso wenig Glied von etwas anderem sein, wie mein Arm ein Glied eines anderen Körpers sein könnte. Die einzige wahre Grundlage, auf der sich Gläubige versammeln können, wird in der bedeutenden Aussage vorgestellt: "Da ist ein Leib und ein Geist", und weiter noch: "Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen" (Eph 4,4; 1. Kor 10,17). Wenn Gott erklärt, dass es nur einen Leib gibt, dann muß es im Widerspruch zu Seinem Gedanken sein, mehr als diesen einen Leib anzuerkennen. Nun, wenn es auch völlig wahr ist, dass keine bestimmte Anzahl von Gläubigen an einem bestimmten Ort der Leib Christi oder die Versammlung Gottes genannt werden kann, so sollten sie sich doch auf der Grundlage dieses Leibes und dieser Versammlung versammeln - und auf keiner anderen. Wir möchten die Aufmerksamkeit des Lesers ganz besonders auf diesen Grundsatz hinlenken. Zu allen Zeiten, an allen Orten und in allen Umständen bleibt dieser Grundsatz bestehen und wird auch nicht durch die Tatsache des Verderbens der bekennenden Kirche ungültig gemacht. Das ist wahr seit dem Tag der Pfingsten, und es ist auch in diesem Augenblick wahr und wird wahr bleiben bis zu dem Augenblick, wo die Versammlung aufgenommen werden wird, um ihrem Haupt und Herrn in den Wolken zu begegnen, dass da ein Leib ist. Alle Gläubigen gehören zu diesem Leib; und sie sollten sich auf diesem Boden versammeln - und auf keinen anderen.

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Warum, so könnte mit Recht gefragt werden, sollte das heute anders sein? Warum sollte ein Bekehrter suchen, etwas  anderem anzugehören, als dem, wozu er bereits gehört - der Versammlung Gottes? Ist das nicht ausreichend? Ganz gewiß! Sollte man sich mit irgend etwas anderem zufriedengeben? Ganz gewiß nicht! Wir wiederholen mit Nachdruck: Entweder das oder gar nichts!

Es ist leider wahr, dass Versagen, Verderben und Abfall eingedrungen sind. Des Menschen Weisheit und sein Wille, oder, wenn wir so wollen, sein Verstand, sein Urteil und sein fehlgeleitetes Gewissen waren in diesen kirchlichen Fragen wirksam; und in den nahezu unzählbaren und namenlosen Sekten und Parteiungen unserer Tage sehen wir das Ergebnis. Und dennoch sind wir so kühn zu sagen, dass die Grundlage des Zusammenkommens wie im Anfang - einfach als Glieder der Versammlung Gottes - auch heute noch die gleiche ist, trotz allen Versagens, trotz der Irrtümer und der Verwirrung, die eingedrungen sind. dies praktisch zu verwirklichen, mag mit großen Schwierigkeiten verbunden sein; aber die Wirklichkeit, wenn wir zu ihr durchgedrungen sind, ist unverändert und bleibt unveränderlich.

In den Tagen der Apostel hob sich die Versammlung deutlich von dem finsteren Hintergrund sowohl des Judentums auf der einen Seite als auch des Heidentums auf der anderen Seite ab. Es war unmöglich, sie zu verkennen; sie stand da als eine erhabene Wirklichkeit! Eine Gemeinschaft von Menschen, die durch Gott, den Heiligen Gesit, versammelt waren, der in ihnen wohnte, sie regierte und leitete, so dass selbst Unkundige oder Unbekehrte, die hereinkamen, von allen überführt und dazu gedrängt wurden, anzuerkennen, dass Gott wirklichunter ihnen war. Man lese dazu sorgfältig die beiden Kapitel 1. Korinther 12 und 14 ganz durch.

Im Evangelium nach Matthäus kündigt unser gepriesener Herr also Seine Absicht an, eine Versammlung zu bauen. Diese Versammlung wird uns geschichtlich dann in der Apostelgeschichte vorgestellt. Danach, wenn wir uns zu den Briefen des Apostels Paulus wenden, finden wir, wie er an die Versammlung in sieben verschiedenen Orten oder Gegenden schreibt, nämlich Rom, Korinth, Galatien, Ephesus, Philippi, Kolossä, und Thessalonich; und schließlich haben wir auch am Anfang des Buches der Offenbarung Sendschreiben an sieben verschiedene Versammlungen. Nun, an all diesen Orten war die Versammlung Gottes eine klare, greifbare, wirkliche Sache, die von Gott selbst errichtet und aufrechterhalten wurde. Es war keine menschliche Organisation, sondern eine göttliche Einrichtung - ein Zeugnis - ein Lichtträger für Gott an jedem Ort.

Soviel also zu unseren schriftlichen Beweisen für die Tatsache, dass Gott eine Versammlung auf der Erde hat, in welcher der Heilige Geist als der wahre und einzige Stellvertreter Christi auf Erden wohnt und sie auch leitet. Das Evangelium kündigt die Versammlung prophetisch an; die Apostelgeschichte stellt sie uns geschichtlich vor; und die Briefe sind formell an die jeweilige Versammlung gerichtet. Alles das ist ganz deutlich. Und wenn nun auch alles in viele Stücke zerbrochen ist, dann sollen wir uns doch immer noch auf dem Boden der einen Versammlung Gottews versammeln und dadurch ein wahrer Ausdruck dieser Versammlung sein.

"Dein Wort ist Wahrheit"; es genügt für alle Umstände

Möchten wir sorgfältig darauf achten, in dieser Hinsicht auf keine andere Stimme zu hören, als auf die der Heiligen Schrift. Achte nicht auf verstandesmäßige Gründe, denn wir erkennen sie nicht an. Höre auch nicht auf Überlieferungen, denn wir lassen sie völlig außer acht. Laßt uns nicht von Überlegungen der Zweckmäßigkeit bedrängt werden, denn wir geben ihnen überhaupt keinen Raum. Wir haltan daran fest, dass die Heilige Schrift für alles völlig genügt - dass sie genügt, den Menschen Gottes mit allem Nötigen zu versorgen -, ihn zu jedem guten Werk völlig geschickt zu machen (2. Tim 3,16.17). Entweder genügt das Wort Gottes allen Bedürfnissen, oder nicht. Wir sind davon überzeugt, dass es für jede Notlage der Versammlung Gottes völlig genügt. Wenn Gott selbst der Schreiber dieses Wortes ist, dann kann das auch nicht anders sein. Entweder leugnen wir die göttliche Inspiration der Bibel, oder wir erkennen an, dass sie für alle Umstände genügt. Es gibt keinen Mittelweg, auch keinen noch so schmalen. Unmöglich, dass Gott ein unvollkommenes, ungenügendes Buch geschrieben haben sollte"

Das Fleisch und Satan verderben alles

Das ist ein sehr bedeutsamer Grundsatz in Verbindung mit unserem Thema. Viele unserer protestantischen Schreiber haben, indem sie das Papstum angegriffen haben, betont, dass unsere Bibel vollkommen ausreichend ist und Autorität besitzt; aber es scheint uns doch ziemlich offenkundig zu sein, dass sie sich selbst auch im Unrecht befinden, wenn ihre Gegner sich nun gegen sie wenden und von ihnen schriftgemäße Beweise für viele Dinge fordern, die von den evangelischen Kirchen und Gemeinschaften gebilligt und angenommen worden sind. In der Landeskirche und anderen evangelischen Gemeinschaften sind viele Dinge angenommen und praktiziert worden, die nach der Heiligen Schrift keine Berechtigung haben; und wenn nun die scharfsinnigen und klugen Verteidiger des Papstums auf diese Dinge hinweisen und schriftgemäße Beweise dafür sehen wollen, wird die Schwäche des Protestantismus auffallend sichtbar.

Kein Raum für Traditionen

Wenn wir auch nur für einen Augenblick dem Gedanken Raum geben, wir müßten in einigen Dingen zu den Traditionen und dem, was zweckdienlich erscheint, Zuflucht nehmen, wer will dann dabei die Grenzen ziehen? Wenn es überhaupt zulässig sein soll, den Boden der Heiligen Schrift zu verlassen, wie weit dürfen wir dabei dann gehen? Wenn den Überlieferungen und Traditionen Autorität eingeräumt wird, wer will deren Einflußbereich festlegen? Wenn wir den schmalen und klar bezeichneten Pfad der göttlichen Offenbarung verlassen und das breite und verworrene Feld menschlicher Traditionen betreten, hat dann nicht jeder das gleiche Recht, sich das zu erwählen, was ihm gefällt?

Kurz gesagt, es ist offensichtlich nicht möglich, den Anhängern des römischen Katholizismus auf irgendeinem anderen Boden zu begegnen, als auf dem, worauf die Versammlung selbst ihren festen Stand hat: nämlich darauf, dass das Wort Gottes, der Name Jesu und die Kraft des Heiligen Geistes für alle Umstände völlig genügen. Gepriesen sei Gott! Das ist die unerschütterliche Stellung, die Seine Versammlung einnimmt; und wie schwach und verächtlich irgendein Ausdruck dieser Versammlung in den Augen der Welt auch immer sein mag, wir dürfen wissen - weil Christus es uns gesagt hat -, dass des Hades Pforten sie nicht überwältigen werden. Jedes menschliche System werden diese Pforten ganz sicher überwältigen, alle diese Gemeinschaften und Verbindungen, die von den Menschen aufgerichtet worden sind. Und in keinem anderen Fall ist dieser Triumph - sogar schon in dieser Zeit - schrecklicher deutlich geworden, als bei der Römischen Kirche selbst, obwohl sie in ihrer Anmaßung diese Worte unseres Herrn so auslegt und für sich in Anspruch nimmt, als wäre sie das Bollwerk ihrer eigenen Stärke. Nichts kann dieser Macht der Pforten des Hades widerstehen als nur die Versammlung des lebendigen Gottes, denn sie ist auf den "lebendigen Stein" (1. Petr 2,4) aufgebaut; mag ein örtlicher Ausdruck dieser Versammlung auch nur aus den zwei oder drei bestehen, sie in dem Namen Jesu versammelt sind, eine schwache, klägliche, verächtliche Handvoll - der Kehricht der Welt und der Abschaum aller (1. Kor 4,13).

"Zwei oder drei" - die kleinste Mehrzahl

Es ist gut, wenn wir diesbezüglich klar und entschieden sind. Christi Verheißung wird niemals hinfällig. Er ist dabei - gepriesen sei Sein Name! - auf die kleinste denkbare Mehrzahl zurückgegangen, auf die eine örtliche Versammlung reduziert werden kann, nämlich auf "zwei". Wie gnädig und liebevoll! Wie rücksichtsvoll! Wie steht das doch in Übereinstimmung mit Seinem ganzen Wesen! Er verbindet die ganze Würde, den ganzen Wert, die ganze Wirksamkeit Seines göttlichen und unsterblichen, unvergänglichen Namen mit einer unbedeutenden Handvoll solcher, die um Ihn versammelt sind.

Reich der Himmel und Versammlung Gottes klar unterschieden

Es muß eigentlich jedem geistlichen Gemüt völlig klar sein, dass der Herr Jesus, als Er von den "zwei oder drei" sprach, nicht an diese weitverbreiteten Systeme denkt, die im Altertum, im Mittelalter und auch in der Neuzeit sowohl im Osten als auch im Westen entstanden sind, und die ihre Anhänger und Jünger nicht nach "zwei oder drei" zählen, sondern nach Königreichen, ganzen Gebieten und Pfarrbezirken. Es ist doch ganz klar, dass ein getauftes Land und "zwei oder drei" lebendige Seelen, die im Namen Jesu versammelt sind, niemals das gleiche meinen können und es auch nicht sind. Eine getaufte Christenheit ist eine Sache, und die Versammlung Gottes eine andere. Was diese letztere nun ist, müssen wir noch darlegen; an dieser Stelle betonen wir erst einmal, dass diese beiden Dinge niemals das gleiche sind und es auch nicht sein können. Sie werden zwar immer wieder durcheinander gebracht, aber es gibt eigentlich kaum zwei Dinge, die sich stärker voneinander unterscheiden.1)

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1) Der Leser wird auch noch über diesen Unterschied nachdenken müssen, der besteht zwischen der Versammlung, gesehen als "der Leib Christi", und gesehen als "das Haus Gottes". Er mag dazu Epheser 1,22 und 1. Korinther 12 hinsichtlich des Leibes Christi und Epheser 2,21 u. 1. Korinther 3 und 1. Timotheus 3 hinsichtlich des Hauses Gottes untersuchen. Diese Unterscheidung ist ebenso interessant wie bedeutsam.

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Wenn wir wissen wollen, mit welchem Bild Christus die getaufte Welt vorstellt, brauchen wir uns nur die Gleichnisse vom Sauerteig und vom Senfkorn in Matthäus 13,31-33 anzusehen.Das Gleichnis vom Sauerteig stellt uns den inneren Charakter des Reiches der Himmel vor, und das Gleichnis vom Senfkorn den äußerlich sichtbaren Aspekt. Das "Reich der Himmel" wurde ursprünglich in Wahrheit und Schlichtheit aufgerichtet - zwar klein, aber echt -, wurde aber durch die List Satans innerlich zu einer verderbten Masse, obwohl es äußerlich sehr umfassend, ansehnlich und beliebt auf der Erde wurde und alle denkbaren Richtungen unter seiner Schirmherrschaft vereinigte. Das ist die Belehrung - die einfache, aber sehr ernste Belehrung, die man in einer geistlichen Gesinnung aus den Gleichnissen vom Sauerteig und vom Senfkorn entnehmen muß. Und wir können noch hinzufügen, dass aus dem Verständnis dieser Lektion die Fhigkeit hervorgeht, das "Reich der Himmel" von der "Versammlung Gottes" unterscheiden zu können. Das Reich der Himmel kann verglichen werden mit einem großen Sumpf, die Versammlung Gottes mit einem Fluß, der durch diesen Sumpf fließt und in der ständigen Gefahr ist, durch Vermischung mit den umgebenden Wassern den ihm eigenen Charakter und auch seine eigentliche Orientierung zu verlieren.

Diese beiden Dinge miteinander zu verwechseln bedeutet den Todesstoß für jede gottgemäße Zucht und die sich daraus ergebende Reinheit in der Versammlung Gottes. Wenn das Reich der Himmel und die Versammlung Gottes ein und dasselbe bedeuten, wie soll dann mit einem Bösen wie in 1. Korinther 5 verfahren werden? Der Apostel sagt und dort, dass er hinausgetan werden soll. Wohin sollen wir ihn hinaustun? Unser Herr Jesus selbst sagt ausdrücklich, dass der Acker die Welt ist (Mt 13,38; und in Johannes 17 sagt Er, dass die Seinen nicht von dieser Welt sind (Vers 14). Das macht die Sache klar genug. Die Menschen jedoch sagen und gerade angesichts dieser Erklärungen unseres Herrn, der Acker sei die Versammlung, und Unkraut und Weizen, Ungläubige und Gläubige, sollten zusammen heranwachsen und auf gar keinen Fall voneinander getrennt werden. Dadurch wird die klare und bestimmte Belehrung des Heiligen Geistes aus 1. Korinther 5 in offenen Widerspruch gesetzt zu den ebenso deutlichen und bestimmten Belehrungen unseres Herrn in Matthäus13; und all das ist das Resultat der Bemühungen, zwei völlig verschiedene Dinge, nämlich "das Reich der Himmel" und "die Versammlung Gottes", miteinander zu vermischen.

Es würde sich mit dem Thema dieses Aufsatzes durchaus nicht vereinbaren lassen, noch weiter auf den interessanten Gegenstand des Reiches der Himmel einzugehen. Wir haben auch schon genug darüber gesagt, wenn der Leser dadurch davon überzeugt worden ist, dass einer gebührenden Unterscheidung zwischen dem Reich der Himmel und der Versammlung Gottes erhebliche Bedeutung zukommt. Wir wollen nun weiter untersuchen, was diese Versammlung Gottes überhaupt ist. Möge Gott, der Heilige Geist, dabei unser Lehrer sein!

 

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