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E+E 1959
Der Sabbath, der siebente Tag, ist keineswegs in den ersten Wochentag verwandelt worden. Bevor der erste Tag der Woche begann, war der Sabbath vorüber. Beide Tage gingen nicht ineinander über, sondern die Heilige Schrift trennt sie streng voneinander. Der erste Tag, der auch im Alten Testament oft der achte Tag genannt wird, führt eine ganz andere Ordnung ein, es ist der Beginn eines völlig neuen Zeitabschnittes, des der Auferstehung. Die Tatsache, daß der Herr gerade am Sabbath im Grabe lag, macht uns deutlich, daß damit die alte Ordnung, die des Gesetzes, aufgehört hat. Das Gesetz und auch der dazu gehörende Sabbath sind für Christen nicht Lebensregel und noch viel weniger das Mittel zur Erlangung der Gerechtigkeit vor Gott und der ewigen Glückseligkeit. "Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit" (Röm 10,4).
Wenn wir den Sabbath als Bundeszeichen zwischen Gott und Seinem Volke Israel betrachten (2. Mose 31,13.17; Hes 20,12.20), so erkennen wir, daß der Sabbath nicht uns gegeben ist. Wir sind nicht wie Israel Gottes irdisches Volk, sondern sind als Kinder Gottes Sein himmlisches Volk. Selbst wenn wir den Sabbath als den Ausdruck der Ruhe betrachten, die Gott nach der Vollendung der Schöpfung genoß, so ist dennoch dieser Sabbathtag für uns nicht bindend; denn die Vollkommenheit der Schöpfung ist dahin, sie seufzt und liegt in Geburtswehen, seitdem die Sünde und der Tod eintrat. Darum kann Gott nicht mehr in ihr ruhen. Der Herr Jesus sagt ausdrücklich: "Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke", und es ist auffallend, daß der Herr gerade am Sabbath sehr viele, wohl die meisten Wunderwerke tat. Schließlich wissen wir, daß alle Schatten und Vorbilder in dem Herrn Jesus ihre endgültige Erfüllung gefunden haben, so daß auch der Sabbath als Vorbild der ewigen Ruhe in Ihm erfüllt ist.
Der Sabbath mit seinen gesetzlichen Bestimmungen hat also nicht das gringste mit dem ersten Wochentage gemein. Er kennzeichnet die Stellung Israels unter Gesetz. Das irdische Volk mußte arbeiten, um, wenn möglich, zuletzt Ruhe zu finden. Darum war auch der Sabbath der letzte Tag der Woche. "Der Tag des Herrn" hingegen kennzeichnet als erster Wochentag, als Auferstehungstag des Herrn, die Stellung des Christen, der nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade steht. Auf diesem Boden arbeitet man nicht, um Ruhe zu finden, sondern man geht von der Ruhe aus, die man durch den Glauben an das kostbare Blut des Lammes Gottes gefunden hat. Darum ist dieser Tag auch der Tag des Herrn und der erste der Woche.
Durch Gottes Gnade im Besitz der Ruhe des Gewissens und auch des Herzens, sowie in der festen Zuversicht der ewigen Ruhe droben, geht der wahre Christ von dieser Ruhe aus gleichsam in sein Tagewerk hinein. Er freut sich darüber, daß der erste Tag der Woche gleichzeitig der Tag des Sieges ist, den der Herr am Kreuz von Golgaths über Satan, Sünde, Welt und Tod errungen hat. Der Herr selbst hat dies am Tag Seiner Auferstehung den Seinen kundgetan und durch Seinen Sieg ist dieser Tag der "Tag des Herrn" geworden, der dem Herrn gehörende Tag. Für ihn besteht keinerlei Gebot oder Verbot von Gott, keine gesetzliche Anordnung, diesen Tag etwas zu feiern wie den Sabbath. Doch von den ersten Tage des Christentums an haben die Gläubigen verstanden, wie wir es im Worte Gottes bestätigt finden, daß es ein Tag ist, der nach dem Willen und Wohlgefallen Gottes dem Herrn und Seinem Dienste geweiht sein soll.
In der Tat, der erste Tag der Woche kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. An diesem Tage erschien der Herr zweimal Seinen Jüngern, als sie hinter verschlossenen Türen versammelt waren. Am gleichen Tage waren sie später beisammen, um das Brot zu brechen (Apg 20,7); und in der Offenbarung wird dieser Tag der "Tag des Herrn" genannt (Off 1,10). Hieraus erkennen wir deutlich, daß es in der Absicht des Herrn liegt, daß wir einen Tag der Ruhe haben und unser Zusammenkommen nicht versäumen sollen. Das ist für uns kein Gebot, sondern ein wertvolles Vorrecht. Wir dürfen an diesem Tage unseren Platz am Tisch des Herrn einnehmen und Seinen Tod verkündigen. Von allem abgesondert, haben wir an diesem Tage die besondere Möglichkeit, mit Seinem Wort beschäftigt zu sein und uns in unsere himmlischen Segnungen zu vertiefen. Dankbar dürfen wir dabei erkennen, daß "der Herr des Sabbaths", wie sich der Herr selbst einst nannte, für uns das "Haupt des Leibes, Seiner Versammlung" ist. Er hat uns mit Sich selbst auf den Boden der Auferstehung geführt, und wir dürfen uns an das Wort erinnern: "So richte euch nun niemand über diese Speise und Trank, oder in Ansehung eines Festes oder Neumondes oder von Sabbathen, die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist Christi" (Kol 2,16.17).
Quelle: Ermunterung und Ermahnung 1979
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