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E+E 1959
Es ist in vieler Menschen Herzen ein Gefühl dafür vorhanden, das zwischen Gott und dem Menschen nicht alles so ist, wie es sein sollte. Während sich aber die meisten Christen, wie im Abschnitt I gezeigt wurde, mit der bloßen Zugehörigkeit zu einer Kirche, mit dem Empfangen der sogenannten Sakramente und gelegendlichen Beiwohnen gottesdienstlicher Veranstaltungen begnügen, haben andere ein tieferes Bewußtsein der Sünde. Demzufolge bemühen sie sich, Gott mit sich zu versöhnen. Dies ist auch der Grundgedanke aller heidnischen Religionen, ganz gleich, ob es sich bei ihnen um einen Gott oder viele Götter handelt. Auch in der in Verfall geratenen Christenheit hat dieser Gedanke Eingang gefunden. Indessen ruft die Heilige Schrift den Menschen zu: "Laßt euch versöhnen mit Gott" (2. Kor 5,20). Denn Gott muß nicht erst versöhnt werden mit den Menschen, Er liebt ihn ja, weil Er Selbst die Liebe ist. "...Gott ist Liebe" (1. Joh 4,8 und 16). Gott sich wohlgesinnt zu machen, ist also nicht nur unnötig, sondern auch eine Leugnung Seiner bereits geoffenbarten Liebe. Daß ein solches Streben nicht von Erfolg begleitet sein kann, liegt auf der Hand und sollte wohl beachtet werden.Gott kann nicht dulden, daß ein gefallenes und abtrünniges Menschengeschlecht Ihn zum Empfänger macht: Er nur allein kann der Gebende, der Mensch aber nur der Empfangende sein.
Welchen Sinn sollte es auch haben, wenn der Mensch den ihm von Gott gegebenen Leib verstümmelt oder kasteit, wenn er sich zerfleischt und Blut an sich vergießt? Was hat Gott davon, wenn der Mensch sich in eine Zelle einschließt, oder wenn er fastet gemäß dem Gebot, "sich von Speisen zu enthalten, welche Gott geschaffen hat zur Annehmung mit Danksagung für die, welche Glauben und die Wahrheit erkennen" (1. Tim 4,3)? Man wende nicht ein, daß man Gott dadurch seine Aufrichtigkeit beweisen wolle, denn Er kennt ohnehin das Herz jedes Menschen und weiß, ob er aufrichtig ist. "Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge, siehe, Jehova, du weißt es ganz" (Ps 139,4). Durch solches Tun stellt man vielmehr, wie oben bereits bemerkt, die Liebe Gottes in Frage und übergeht sie, diese Liebe, die den Menschen gewordenen Sohn Gottes an das Fluchholz (Gal 3,13) gehen und für schuldige Sünder sterben ließ. Ferner: Was will der arme Mensch dem reichen Gott geben, Dessen "die Enden der Erde sind", Dem alle Welten und Milchstraßensysteme gehören, und Der, wenn sie Ihm nicht genügten, ebensoviele neue Sternensysteme und größer schaffen könnte? Nein, Gott will den Menschen beschenken, und zwar aus Gnaden und ganz umsonst: "Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst" (Offb 22,17). Alles eigene Geben und alles eigene Tun hat keinen Wert, wenn es sich darum handelt, den Himmel und die ewige Seligkeit zu erlangen.
Solche Anstrengungen des Menschen liegt, mag es dem einzelnen zum Bewußtsein kommen oder nicht, die Voraussetzung zu Grunde, daß der Mensch fähig sei, von sich aus sein Verhältnis zu Gott zu bereinigen und die Schuld seines Lebens abzutragen. Aber nicht der Schuldner, sondern der Gläubiger bestimmt, ob oder wann er zu seinem Recht gekommen ist. Gott allein kann erklären, welches Opfer zur Tilgung der Schuld des Menschen geeignet ist. Sind Fasten und Kasteiungen, Bußübungen und Meßopfer dazu hinreichend? Ist der Mensch in einem solchen Zustande, daß er selbst seine Erlösung vor Gott bewirken oder doch dazu beitragen kann? Das sind wichtige Fragen, die die Heilige Schrift auch klar beantwortet. Sie lehrt nämlich, daß alle Menschen ohne Ausnahme Sünder sind: "Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig sei; da ist keiner, der Gott suche. Alle sind abgewichen, ... da ist keiner, der Gutes tue, da ist auch nicht einer" (Röm 3,10-12). In Vers 19 wird die Schlußfolgerung gezogen, daß "die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei". Aber die Bibel bezeugt nicht nur, daß alle Menschen mit Tatsünden behaftet sind, sondern sie zeigt auch, warum das so ist: Der Mensch ist verderbt. Diese beiden dem Menschen so unbequemen und unangenehmen Wahrheiten besagen also, daß nicht nur die Früchte schlecht sind, sondern daß auch der Baum nichts taugt. Der Mensch hat eine verderbte Natur, und sie ist die Ursache davon, daß der Mensch immer wieder in Sünde fällt; hier ändern die besten Vorsätze nichts. Schon auf ihren ersten Blättern bezeugt die Heilige Schrift: "Und Jehova sah, daß des Menschen Bosheit groß war auf Erden, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag" (1. Mo 6,5). Nicht schmeichelhafter ist das Urteil Gottes durch den Mund des Propheten Jeremia: "Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verderbt ist es; wer mag es kennen"? (Jer 17,9). Dies nun ist der Punkt, dessen Anerkennung dem Menschen am schwersten fällt. Er möchte doch nicht so schlecht sein, er möchte noch etwas für sich retten. Lieber legt er sich die größten Opfer und Entbehrungen, die furchtbarsten Leiden auf, um nicht seinen völligen Bankrott vor Gott hinsichtlich der Tilgung seiner Sündenschuld erklären zu müssen. Die Anerkennung des göttlichen Urteils über das innere Verderben des Menschen ist nur mit Beugung der Seele vor Gott möglich und schließt zwangsläufig alle eigene Rettungsbemühungen als unmöglich aus. Diese Erkenntnis ist sehr, sehr bitter für den Menschen, wenn auch heilsam, und man versteht, daß der Mensch ihr auszuweichen und sich einzureden sucht, daß noch nicht alles verloren sei. Man will an sich arbeiten, möchte sich veredeln, aber damit leugnet man die Wahrheit der eben angeführten Bibelworte sowie auch des Wortes des Herrn Jesus in Mt 15,19-20: "Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen; diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen; diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen ...".Kann es da Wunder nehmen, daß der Prophet Jesaja azsruft: "Und wir allesamt sind em Unreinen gleich geworden, und alle Gerechtigkeit gleich einem unflätigen Kleide" (Jesaja 64,6)? Also selbst die gerechten Handlungen, das Beste des menschlichen Tuns, sind vor Gott etwas Ekelerregendes! Das mag verwunderlich erschienen, ist es aber bei näherem Zusehen nicht; denn alles was ein Verunreinigter berührt, wird ebenfalls verunreinigt. So sind auch die guten Regungen des menschlichen Herzens vermischt mit bösem und daher unbrachbar für Gott. Man muß sich dazu durchringen, sich unter das göttliche Urteil zu beugen. Man sage nicht: Ich kann es nicht, sondern man sei ehrlich und sage vielmehr: Ich will es nicht! Der Wille des Menschen kann bei diesem grundlegenden Vorgang nicht ausgeschalten werden, und Gott zwingt niemanden. Es wurde schon das Wort aus Offenbarung 22 angeführt: "Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst", also ohne Geld und ohne eigene Bemühungen.
Was will nun Gott angesichts der gänzlichen Ohnmacht und Verderbtheit des Menschen? Gott erwartet von dem Menschen, daß er seine Schuld einsieht und bekennt und die von Ihm umsonst angebotene Errettung annimmt. Bei nur einiger Ehrlichkeit muß man anerkennen, daß es in der Welt viel Schuld und Sünde gibt, und daß man seinen Anteil daran hat. Warum hat der Mensch so oft ein schlechtes Gewissen? Doch nicht, weil er ohne Sünd' und Fehle ist? Warum die schreckliche Furcht vor dem Tode, der alle ohne Ausnahme unterliegen? Der Römerbrief sagt: "Der Lohn der Sünde ist der Tod" (Rö 6,23). Über die Grenzen, wo das Gute aufhört und das Böse beginnt, wird es verschiedene Meinungen geben, je nach dem Zustande des Gewissens der einzelnen; aber über die Tatsache des Vorhandenseins von Bösen auch bei sich selbst kann ein ehrlicher Mensch nicht im Zweifel sein. So geben viele zu, daß sie Sünder seien, fügen aber hinzu: Das sind aber auch alle Menschen; als wenn ihnen dies etwas nützen könnte! Jeder Mensch hat es persönlich mit Gott zu tun: Eine kollektive Erlösung gibt es nicht! Der Mensch muß sich und sein Leben vor Gott (nicht vor Menschen) verurteilen, von Herzen verurteilen. Das ist Buße, zu welcher der Apostel Petrus auffordert: "Su tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden" (Apg 3,19). Und wenn diese Buße von Herzen kommt, d. h. eine wahre Buße ist und keine Schaustellung, so wird man auch den bisherigen Sündenweg verlassen, und das ist Bekehrung. Aber man braucht dazu den Glauben an den Erlöser, den Herrn Jesus, Der gesagt hat: "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben" (Mt 11,28). Man muß zu Ihm kommen wie man ist, d. h. beladen, und Ihm seine Sünden bringen, sie also Ihm bekennen.
Nun zeigt die Erfahrung, daß viele Menschen wohl Gott gelten lassen, aber mit Jesus Christus nichts anzufangen wissen. Warum muß man nun gerade zu Ihm kommen? Weil Er, wie schon gesagt, der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen ist! Jesus Christus war das Opferlamm, das die Strafe für die Sünden auf sich genommen hat. "Um unsere Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden." n"Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen" (Jes 53,5.8.). Zweifellos redet hier der Prophet von dem Erlösungswerke Christi auf Golgatha, wo Gott die notwendige Genugtuung im Blick auf die Sünde der Menschen zuteil wurde. Diese Tatsache wird im allgemeinen zu wenig beachtet, und doch bildet sie das Fundament des ganzen Christentums. Niemals haben die armseligen Anstrengungen schuldbeladener und mit Sünden besudelter Menschen Gott die erforderliche Genugtuung verschafft, sondern einzig und allein das vollkommene Erlösungswerk des Herrn. Der wegen der auf Ihn gelegten Sünden - denn eigene hatte Er nicht - in den drei Stunden der Finsternis von Gott verlassen wurde. Am Schluß derselben rief der Herr Jesus Christus aus "Es ist vollbracht". Dieses Sühnungswerk auf Golgatha bildet allein die Grundlage dafür, daß der schuldige Mensch von seinen Sünden gereinigt werden kann. Und da das Werk eine göttliche Person vollbracht hat, ist es auch göttlich vollkommen und ihm nichts mehr hinzuzufügen. "Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden" (Hebr 10,14).
Dieses große Werk der Erlösung muß nun der Mensch, und zwar jeder persönliche, in kindlichem Glauben für sich annehmen. Dies ist nur möglich, wenn er sich verurteilt und die Strafe, die christus von seiten Gottes getroffen hat, als die seine anerkennt, wenn er also Buße tut. Buße und Glauben müssen bei dem Sünder vorhanden sein, wenn er errettet werden soll. In dem Abschnitt III wurde schon daraus hingewiesen, daß dem Glauben die Vergebung der Sünden, d. h. die Erlösung zugesagt wird. "... in welchem (d. i. Christus) wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen" (Eph 1,7). Immer ist es der einfache Glaube, dem die Erlösung und damit ewiges Leben verheißen ist: "Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt. wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm" (Joh 3,36); "..., daß er (Gott) gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesum ist" (Röm 3,26). In Röm 5,1 wird dies zusammengefaßt: "Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus". Diese beiden wichtigen Stücke: Buße und Glauben, bildeten auch den Hauptinhalt der Evangelisations-Predigt des Apostels Paulus, der bekannte: "... indem ich sowohl Juden als Griechen bezeugte die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesum Christum" (Apg 20,21). Sie sind die unerläßlichen, aber auch genügenden Stücke für die Erlösung (die Vergebung der Sünden) und für die Ruhe des Gewissens vor Gott im Blick auf die Frage der Sünde.
Dieser errettende Glaube steht in direktem Gegensatz zum Wirken. (Wohlverstanden: Es handelt sich jetzt um menschliches Wirken, sich den Himmel oder die ewige Seligkeit auf die eine oder andere Weise zu erwerben.) Dem Wirken wird Lohn auf Grund des Verdienstes zuteil. Warum der Mensch zu einem Wirken dieser Art unfähig ist, wurde obern erörtert. So bleibt als Weg zu Gott und Seiner Gerechtigkeit nur der Glaube übrig, der aber kein Verdienst bedeutet, sondern der sich an die göttliche Gnade wendet. Auf Gnade hat man keinen Anspruch; sie ist im Gegenteil frei und unverdient. Das ist ihr Wesen, sonst wäre die keine Gnade. So wird denn in Römer 4,5 gesagt: "Dem aber, er nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet". Daß Gott den Gottlosen nicht nur nicht bestraft, wie er es verdient hätte, sondern ihn sogar rechtfertigt, ist große Gnade, und an diese wendet sich der Glaube.
Nun begegnet man oft dem Einwand, daß die Erlangung der Errettung und das Gerechtwerden vor Gott so einfach so einfach nicht sein könnte. Auch folgert man, daß man dann ja so leben könnte, wie es einem gefiele. Daß es wirklich so "einfach" ist, trifft zu, wie schon des längeren dargelegt. Aber daß man in der Sünde weiterleben kann, ist aus zwei Gründen unmöglich. Erstens würde es mit der Buße, der Verurteilung des früheren Lebens in der Sünde, in krassen Widerspruch stehen. Man verurteilt etwas (nämlich die Sünde), worin man aber gewillt ist, auch weiterhin zu leben. Das ist unmöglich! Zweiten antwortet Gott auf wahre Buße und einfältigen Glauben an Christi vollbrachtes Erlösungswerk nicht nur mit der Erlösunf und Rechtfertigung des Sünders, sondern auch mit der Mitteilung einer neuen Natur, eines neuen Wesens. Die Mitteilung dieses neuen Wesens nennt die Heilige Schrift "Wiedergeburt". In Johannes 3,7 sagt der Herr Jesus zu Nikodemus: "Ihr müsset von neuem (von oben her) geboren werden". Die neue Natur, von obern, vom Geiste Gottes geboren, steht mit Gottes Natur in Übereinstimmung. "Was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist" (V. 6). Sie wünscht nicht zu sündigen und kann es auch nicht, ja, sie haßt die Sünde, wie Gott sie haßt. Da die gläubigen Christen aber noch ihre verderbte Natur an sich tragen, werden sie ermahnt, nicht zu sündigen, wozu die alte Natur immer fähig ist und stets bleiben wird. Es wird den Gläubigen zugerufen: "Von aller Art des Bösenj haltet euch fern" (1. Thess 5,22). Oder: "Die Furcht Jehovas ist der Weisheit Anfang, und vom Bösen weichen ist Verstand"; "Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu" (Röm 6,11). Alles, was Menschen tun, ist unvollkommen, und dies wird auch so bleiben, und so ist einleuchtend, daß das Befolgen der Ermahnungen durch den Christen ebenfalls nicht vollkommen ist. Aber es bleibt zu beachten, daß die gläubigen Christen die Seligkeit nicht wegen ihrer mehr oder weniger groren Treue im Befolgen der Gebote Gottes erlangen - dann würde niemand selig werden! -, sondern weil Gott ihnen die Ergebnisse des Erlösungswerkes Christi zurechnet, und in diesen erblickt der heilige Gott nur Vollkommenheit. Nichtsdestoweniger bleibt für die erlösten Christen die Verpflichtung, dem Worte Gottes zu gehorche, und das Verlangen danach muß bei ihnen vorhanden sein. Es ist gleichsam der praktische Beweis dafür, daß ihr Bekenntnis echt ist. In diesem Sinne heißt es im Jakobusbrief, Kapitel 2,26: "Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne die Werke tot". Wenn also auch die Werke als Bestätigung des wahren Glaubens vorhanden sein müssen, so ist doch der Glaube der alleinige Weg, auf welchem der Mensch zu Gott kommen und die Erlösung und Wiedergeburt erlangen kann. Hiermit ist der Einwand widerlegt, das Bekenntnis und praktisches Leben nicht in Übereinstimmung zu sein brauchen.
Viele Menschen, die dem Christentum ablehnend gegenüberstehen, stoßen sich an Schwächen und Fehlern von Christen. Aber wie bereits bemerkt, sind die Christen auf dieser Erde in sich selbst nocht nicht vollkommen, und ihr Tun und Lassen kann es deshalb auch nicht sein. Doch stehen wahrhaft gläubige Christen in ihrem Verhalten und ihrer Gesinnung weit über den Kindern dieser Welt und jenen, die ihnen so gerne am Zeuge flicken möchten, möchte man zurufen: Ihr sucht nur nach Vorwänden für eure Ablehnung der christlichen Wahrheit, weil ihr euch durch dieselbe verurteilt fühlt! Der Ordnung halber muß allerdings zugegeben werden, daß viele sich Christen nennen, die es nicht sind; hinsichtlich des Christentums segeln sehr viele unter falscher Flagge!
Überblicken wir noch einmal das Gesagte! Der Mensch hat nach der Lehre der Heiligen Schrift nicht nur Sünden, die er nicht austilgen kann, sondern er ist auch in seiner Natur verderbt. Die verderbte menschliche Natur kann Gott nichts bringen und nichts für Ihn tun, wodurch Gottes vollkommene Gerechtigkeit zufriedengestellt wird. Dieselbe verlangt, daß die Sünde gerichtet wird. Wäre es nicht so, müßte Gott aufhören heilig zu sein. So hat Gott das Rettungswerk getan, "indem er seinen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde (d. i. als Mensch) für die Sünde sandte und die Sünde im Fleische verurteilte" (Röm 8,3). "Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat, als eine Sühnung für unsere Sünden" (1. Joh 4,10). Auf dem Kreuz von Golgatha hat Gott Seinen Sohn Jesus Christus für die Sünde gerichtet und somit den Weg zu Seinem Herzen für den schuldigen, aber nun begnadigten Sünder gebahnt. Jeder Mensch nun, der in wahrer Buße, d. i. Selbstverurteilung, und in einfältigem Glauben Jesum als seinen Stellvertreter im Gericht Gottes über die Sünde annimmt, erhält die Vergebung seiner Sündenschuld und ewiges Leben, eine neue Natur. Der Himmel und die ewige Seligkeit sind ihm auf das Bestimmteste verheißen. Der Glaube ist das einzige Mittel zur Errettung und zur Erlangung aller Segnungen, die göttliche Gnade den Menschen, und zwar allen Menschen, schenken will. Gute Werke und überhaupt der Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber sind wohl zur Bestätigung der Echtheit des Glaubens eines Menschen und der in ihm innerlich bewirkten Erneuerung, der Wiedergeburt, erforderlich; sie ändern aber nichts an der Tatsache, daß Rechtfertigung, Frieden mit Gott und die ewige Herrlichkeit allein durch den Glauben erlangt werden können.
Mit diesen biblischen Lehren steht somit die Behauptung, der sümdembedeckte Mensch könne durch eigenes Wirken, durch Einhalten christlicher Formen, duchr Fasten oder gute Werke die ewige Seligkeit erlangen, in direktem Widerspruch. Auch beides zusammen ist nicht möglich; das eine schließt das abdere aus.
Wir haben diesen Gegenstand so ausführlich behandelt, weil er die Grundlage des Christentums bildet, und viele grundlegende Irrtümer zur Folge gehabt hat.
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