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E+E 1959
Hier wollen wir in unserem Vorüberflug über das prophetische Bild zunächst einmal eine kleine Besinnungspause einlegen. Denn wir sind jetzt bei der bildlichen Darstellung der heutigen Zeit, der Haushaltung der Gnade, angelangt, und es scheint notwendig, einige grundsätzliche Erwägungen einzufügen, um das Bild recht zu verstehen, ehe wir den "Flug" fortsetzen.
An den Platz von Vorrechten versetzt zu sein schließt unbedingt Verantwortlichkeit mit ein, die Verantwortlichkeit nämlich, den verliehenen Vorrechten praktisch zu entsprechen. Aber an einem Platz der Vorrechte zu sein und Verantwortlichkeit zu haben schließt nicht unbedingt mit ein, dass derEinzelne auch wirklich Leben aus Gott hat. Das wird oft nicht richtig verstanden und auseinander gehalten. Israel war am Ölbaum, besaß kostbare Verheißungen; und doch war die große Masse des Volkes ungläubig. Am Ölbaum zu sein bedeutet also durchaus nicht, in einer lebendigen Verbindung mit Gott zu stehen. Gewiss, Gott ist langmütig, und in Seiner Langmut ertrug Er lange diesen Zustand, um sie zu erproben. Aber schließlich trat Er mit Gerichtins Mittel und brach einige der Zweige aus.
An ihrer Stelle brachte Er nun Menschen aus den Heiden (Nationen) an den Platz der Segnunge auf der Erde, indem Er ihnen die Schleusen Seiner Gnade öffnete und ihnen das Evangelium der Gnade verkündigen ließ. Diejenigen aus den Nationen, die sich nun zum Christentum bekannten und bekennen, die also ablehnen, Mohammedaner oder Juden oder dergleichen zu sein, befinden sich - zumindest äußerlich - an dem Platz der Segnungen des Christentums, und sie sind verantwortlich für das, was Gott ihnen anvertraut hat. Davon redetdas Eingepfropftsein in den >Ölbaum<.
Aber das heißt nicht, dass sie alle auch wirklich von neuem geboren und damit wahre Kinder Gottes sind. Gewiss gehören auch solche heute zum >Ölbaum<, die die wahre Kirche bilden, aber eben nicht nur sie. Alle getauften Christen, alle, die sich, und sei es nur äußerlich, zum Christentum bekennen und durch die Unterwerfung unter die christlich Taufe ablehnen, Juden oder Heiden zu sein, gehören heute zum >Ölbaum<. Sie sind am Platz der Segnung und der Vorrechte, sind der Fettigkeit des Ölbaumes teilhaftig geworden.
Es geht hier also nicht um die Versammlung Gottes, sondern es ist alles ganz eine Frage des Bekenntnisses, des Besitzes von Verheißungen und des Zeugnisses Gottes hier auf der Erde. Und wer sich zu Christus bekennt, steht nominell auf dem Grundsatz des Glaubens. Doch das bedingt die Verantwortlichkeit, nach diesem Grundsatz zu leben. Haben nun die Christen, die aus dem wilden Ölbaum eingepfropften Zweige, dieser Verantwortlichkeit entsprochen? Leben sie nach dem Grundsatz des Glaubens? Wenn Gott die natürlichen Zweige, die ungläubigen Israeliten, nicht verschonte, wird Er dann die ungläubige Christenheit verschonen, die eine weit größere Verantwortlichkeit hat?
Deswegen wird auch in Bezug auf sie von der Möglichkeit eines Ausschneidens gesprochen. Vom >Leib Christi< wird kein Glied je ausgeschnitten werden, wohl aber werden Zweige bom >Ölbaum< ausgeschnitten. Das ist bereits geschehen - mit Israel in seiner Masse. Wie ernst sind daher die Ermahnungen an die aus den Nationen, sich nicht zu rühmen und nicht hochmütig zu sein! Denn wenn sie nicht an der Güte Gottes bleiben, werden auch sie ausgeschnitten werden. So redet diese Stelle keineswegs davon, dass ein Gläubiger schließlich doch verloren gehen könnte, sondern davon, dass bekennende Christen ohne Leben aus Gott aus dem Bereich der Segnung, in den sie die Güte und Vorsehung Gottes gebracht hat, entfernt werden, um nie mehr dahin zurückzukehren. Denn erinnern wir uns: Für sie gibt es nie mehr ein Eingepfropft-Werden! Mit Israel dagegen verhält es sich anders. Und halten wir, diese grundsätzlichen Belehrungen zusammenfassend, noch einmal fest: Bei diesem ganzen Bild handelt es sich nicht um die geistliche Segnung des einzelnen Gläubigen, sonder es geht um die Wege Gottes mit den Menschen, wie Er das Volk Israel als solches beiseite gesetzt und sich statt dessen den Nationen zugewandt hat; und es geht um die Verantwortlichkeit solcher, die an den Platz des Segens und der Verheißung auf der Erde gekommen sind.
Doch damit wollen wir unseren Flug über die prophetische Szene fortsetzen und zu Ende führen. Wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, wird Er auch die gegen die Natur eingepdropften nicht verschonen. Dass Er leblose christliche Bekenner, die ihrer Verantwortlichkeit nicht entsprochen haben, ausschneiden wird, wird hier nicht direkt gesagt. Aber andere Stellen zeigen uns das (z.B. Mt 24,45-25,30). Wenn die wahre Versammlung schon im Himmel ist, wird der Herr Jesus das christliche Bekenntnis in seiner letzten Phase aus Seinem Mund speien, weil Er es weder kalt noch warm gefunden hat (Off 3,16).
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