2. Korinther 5,20

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

VI Maria

Man kann nicht in Berührung mit dem Christentum kommen, ohne bald zu bemerken, daß in weiten Teilen der Christenheit eine Frau im Vordergrund steht: Es ist Maria, die Mutter des Herrn Jesus. Dies war aber zu Beginn der Geschichte der Kirche nicht so. Erst vom vierten Jahrhundert ab begann man der Person der Jungfrau Maria größere Bedeutung beizulege. Sie wurde die "Mutter Gottes" genannt. Nestorius, der Bischof von Konstantinopel, bekämpfte dieser Ausdruck heftig, doch ohne durchgreifenden Erfolg. Zu weit schon hatte ich die Kirche von ihrem Ursprung, der biblischen Wahrheit, entfernt, um das Verkehrte und Gefährliche dieser Bezeichnung zu erkennen. Die Gegner des Nestrius behaupteten, daß dieser Ausdruch nicht bedeuten solle, daß die Jungfrau den Heiland die göttliche Natur mitgeteilt habe, sondern daß er die Einheit der Gottheit und Menschheit der Person Jesu bedeuten solle. Aber wenn es auch völlig wahr ist, daß Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person ist, so besagt doch der Ausdruck "Mutter Gottes" und "Gottesgebärerin" weit mehr als dies, und die weitere Entwicklung zeigt dies auch deutlich. Sie endigte in der Marienverehrung, und man muß sagen, daß die Maria schließlich mehr verehrt wurde als der Herr Jesus Selbst. Die einfache Frage: Wer war zuerst, die Mutter oder das Kind? kann nur beantwortet werden: die Mutter. Danach müsste die "Mutter Gottes" vor Gott dagewesen sein. Dies zu glauben ist widersinnig!Der Ausdruck ist also falsch und stellt Maria neben den Herrn. Der doch in Seiner Gottheit ganz allein steht. "Niemand erkennt den Sohn (d. h. steht in dieser Beziehung zu Ihm) als nur der Vater" (Mt 11,27); doch wenn es sich um das Verhältnis zum Vater handelt, fährt der Herr fort: "noch erkennt jemand den Vater, als nur der Sohn, und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will". Man muß eben notwendigerweise unterscheiden, in welchen Beziehungen zwei Personen zueinander stehen, oder welchen Charakter ihr Verhältnis zueinander hat. Die Gattin eines Gelehrten ist mit diesem als Mensch ehelich verbunden, aber mit seiner fachlichen Gedankenwelt mag sie wenig oder keine Beziehung haben. Sie ist also in dieser Hinsicht nicht seine Teilhaberin, ist keine Wissenschaftlerin. Der Name des Herrn als Mensch war Jesus. Der Engel Gabriel sagt zu Maria: "Du sollst seinen Namen Jesus heißen" (Lk 1,31). So war die Jungfrau Maria die Mutter des Herrn Jesus als Mensch. Nicht Maria war die Quelle der übernatürlichen Geburt Jesu Christi, sondern der Heilige Geist, wie im Lukas-Evangelium bezeugt wird: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden" (Lk 1,35). Maria war also nur das Gefäß, nicht aber der Ursprung der übernatürlichen Geburt des Erlösers. Als Gott war Er von Ewigkeit her. Darum sagt Er zu den Juden: "Ehe Abraham ward, bin ich" (Joh 8,58), nicht: "war Ich", noch viel weniger: "wurde Ich". Maria wird in der Bibel nur ganz schlicht "sie Mutter Jesu" oder "seine Mutter", nicht einmal die Mutter Christi genannt. Dies muß unbedingt beachtet werden!

Die Wertschätzung und Verehrung der Jungfrau Maria geht schließlich in Anbetung über, die Gott allein zukommt. Der tägliche Dienst für Maria sowie die Tage und Feste, die ihr besonders geweiht sind, wurden durch Papst Urban II. auf dem Konziel von Clermont im Jahre 1095 bestätigt. Unmittelbare Gebete wurden an sie gerichtet, die zeigen, daß ihr göttliche Verehrung gezollt wurde. So heißt es z. B. in einem Gebet: "Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verwirf nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse und jederzeit von aller Fährlichkeit. O glorreiche, o glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin!" Wiederholt wird sie genannt: "Tor des Himmels", "Helleuchtender Morgenstern", "Zuflucht der Sünder". Die in diesem oder ähnlichen Ausdrücken bezeugte Abgötterei fühte schließlich dahin, das Papst Pius IX. 1854 das Dogma von der unbefleckten Empfängnis der Maria verkündete, wonach Maria von dem ersten Augenblick ihres Daseins im Schoße ihrer Mutter Anna von dem Makel der Erbsünde befreit worden sei. Es kann dann auch nicht wundernehmen, daß Maria, die "Himmelskönigin", sitzend zwischen Cherubim und Seraphim, auch darin dem Erlöser Jesus Christus, dem Sohne Gottes, gleichgestellt wurde, daß man behauptete, sie sei gen Himmel gefahren. Dies wurde schließlich durch Papst Pius XII. im Jahre 1950 als kirchliches Dogma verkündet. Man erkennt an dem Beispiel der Mariaverehrung, wie sich der Irrtum entwickelt, während die Wahrheit sich stets gleichbleibt.

Vergleichen wir nun mit dem soeben Gesagten das, was die Heilige Schrift über Maria sagt, so finden wir zwischen beiden einen unermeßlichen Abstand. Von der Geburt ind Kindheit der Maria wird nichts erwähnt. Der Bericht über die Geschichte dieser gottesfürchtigen Jungfrau beginnt vielmehr mit der Erwähnung ihrer Verlobung mit Joseph aus der Stadt Nazareth. In dieser Zeit wurde "der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt von Galiläa, mit dem Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die einem Manne verlobt war mit Namen Joseph, aus dem Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria" (Lk 1,26.27). Hier wird die Geburt des Retters angekündigt und gesagt: "... du sollst seinen Namen Jesus heißen" (Lk 1,31).Auf ihre Frage: "Wie wird dies sein, dieweil ich keinen Mann kenne?" erhält sie von dem Engel, dem Boten Gottes, die bedeutsame Antwort: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden" (Lk 1,35). Maria war also, wie bereits bemerkt, das Gefäß, aber nicht die Quelle des göttlichen Wesens des Herrn; letzteres war der Heilige Geist, die dritte Person der Gottheit. Joseph konnte der Zustand seines Weibes nicht verborgen bleiben, aber er konnte sich denselben, da sie beide noch nicht "zusammengekommen waren", nur auf eine für ihn sehr schmerzliche Weise erklären. "Joseph aber, ihr Mann, indem er gerecht war und sie nicht öffentlich zur Schau stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. Indem er aber solches bei sich überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geiste. Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen; denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden" (Mt 1,19-21).

Die Geburt des Herrn mußte aber gemäß einer Weissagung des Propheten Micha  (Micha 5,1) in Bethlehem erfolgen. Um Maria von Galiläa nach Bethlehem in Judäa zu bringen, benutzte Gott eine Verordnung des römischen Kaisers Augustus, "den ganzen Erdkreis einzuschreiben", also wohl eine Volkszählung in allen von den Römern beherrschten Ländern*). So kam Joseph mit Maria, "seinem Weibe", nach Bethlehem, "und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war" (Lk 2,7).

Nachdem die Vorschriften des "Gesetzes des Herrn" in Jerusalem erfüllt waren, kehrte die Familie in ihre Stadt Nazareth zurück. Von nun an wird nichts Wunderbares oder Außergewöhnliches aus dem Leben der Maria berichtet. Sie lebte in ehelicher Gemeinschaft mit Joseph (Mt 1,25); die Ehe wird mit einer Reihe von Kindern gesegnet. Als am nämlich später über Jesu Lehre und Wunderwerke erstauent war, fragte man: "Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Mariam und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns?" (Mt 13,55.56.) Wie andere Mütter ist Maria beunruhigt, als sie bei der Rückkehr von Jerusalem entdeckte, daß der zwölfjährige Knabe Jesus fehlte (Lk 2,41-51). In der Zeit der öffentlichen Wirksamkeit Jesu wird sie einige Male erwähnt. Joseph, ihr Gemahl, war in dieser Zeit wohl schon tot. Als der Herr am Kreuze hing, übergab Er nämlich Seine Mutter der Fürsorge Seines Jüngers Johannes. "Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, welchen er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe dein Sohn" Dann spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich" (Joh 19,26.27). Schließlich wird noch berichtet, daß Seine Mutter und Seine Brüder am Himmelfahrtstage des Herrn unter denen waren, die sich zum Gebet versammelt hatten (Apg 1,14). Später, auch in den Briefen, wird die Mutter Jesu nicht mehr erwähnt, es sei denn in der bekannten Stelle im Galaterbrief: "Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von eoinem Weibe, geboren unter Gesetz" (Gal 4,4). Die Erklärung für diese auffallende Tatsache ist einfach: Maria bildet keinen Gegenstand der Grundlehren der biblischen Wahrheiten.

Untersuchen wir noch kurz die Stellung, die die Mutter Jesu in den Berichten der Bibel einnimmt. Als die Magier aus dem Morgenlande zu dem König kamen, dessen Stern sie im Morgenlande gesehen hatten, huldigten sie dem Kindlein, nicht aber der Maria, und opferten ihm Gold, Weihrauch und Myrre (Mt 2,11). Es ist überhaupt bezeichnend, daß es in dem genannten Kapitel dreimal heißt: "das Kindlein und seine Mutter". Sonst spricht man gewöhnlich von Mutter und Kind, und zwar mit Recht; hier aber ist nicht die Mutter die Hauptperson und erst recht keine göttliche Person, sondern das Kindlein, welches "Gott war, gepriesen in Ewigkeit" (Rö 9,5).

Bei der Darstellung Jesu im Tempel sprach der gottesfürchtige Simeon wunderbare Worte über den Herrn: "Meine Augen haben dein Heil gesehen, welches du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker; ein Licht zur Offenbarung der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel. Und sein Vater und seine Mutter verwunderten sich über das, was über ihn geredet wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird, (aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen,) damit die Überlegungen vieler Herzen offenbar werden" (Lk 2,30-35). Simeon segnete also die Eltern, aber nicht das Kindlein, weil ihm das nicht zustand. Denn: "ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet" (Hebr 7,7). Der Sohn Gottes konnte unmöglich von einem Menschen gesegnet werden; Maria aber wurde mit ihrem Manne von Simeon gesegnet.

In der Zeit Seines öffentlichenm Dienstes duldete der Herr keine Einmischung in Seinen Dienst, auch nicht von Maria. Als es auf der Hochzeit zu Kana in Galiäa, wo Jesus Sein erstes Zeichen tat, an Wein gebrach, "spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Weib? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch sagen mag, tut" (Joh 2,3-5). Maria nimmt die Zurückweisung in ihre Schranken demütig von dem Herrn hin, da sie eine wahrhaft gottesfürchtige Frau war und wußte, wer zu ihr sprach. Der Herr Jesus war in Seinem Dienst stets von Seinem himmlischen Vater abhängig; von Menschen konnte Er keine Weisungen entgegennehmen, sondern nur von Gott.

Nie finden wir Maria eine Mittlertätigkeit ausüben oder auf den öffentlichen Dienst der Apostel Einfluß nehmen; niemals betraut sie jemand mit einem Dienst oder gibt Belehrungen und Anweisungen hierfür. Das alles tat der Herr Jesus Selbst, und nach Seinem Tode sehen wir die inspierierten Apostel als die Lehrer der Kirche (oder Versammlung) tätig. Stattdessen finden wir in der Maria, der Mutter Jesu, das Bild einer gläubigen Frau, die im Einklang mit den Belehrungen der später geschriebenen Briefe still und demütig ihren Weg ging und sich zu den übrigen Jüngern des Herrn hielt (Apg 1,14). Sie stellt also ein schönes Vorbild für alle christlichen Frauen dar. Ihre angebliche Mittlierschaft, ihre Stellung als Mutter Gottes und Himmelskönigin sowie ihre Himmelfahrt sind menschliche Erfindungen späterer Jahrhunderte, die mit der Heiligen Schrift, wie wir gesehen haben, in krassem Widerspruch stehen. Sie sind daher ohne jeden Wert für das Herz eines jeden Christen, der sich nur an das Wort Gottes halten will!

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