2. Korinther 5,20

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

VII Geistliche

In den großen Kirchen wird der Dienst: Predikt, Seelsorge, sogenannte Amtshandlungen usw. fast ausschließlich von angestellten Personen, den Geistlichen, ausgeübt, während die übrigen Christen praktisch untätig sind, d. h. sie sind diejenigen, denen der Dienst gilt. So haben sich zwei Klassen von Personen herausgebildet: "Geistliche" und "Laien". Zur Zeit der Apostel waren vom Herrn begabte Diener und Arbeiter in den Versammlungen (Gemeinden) oder auf den Missionsfeldern tätig; sie bildeten aber keine abgesonderte Klasse, keinen besonderen Stand für sich, sondern sie waren Brüder unter Brüdern. Die Schrift nennt zwei Ämter, nämlich Aufseher und Diener. Bald nach dem Abscheiden des letzten Apostels, des Apostels Johannes, wurde aber durch dessen Schüler und Freund Ignatius der Aufseher (griech.: Episkopos, wovon das deutsche Wort Bischof abgeleitet ist) als die Person hingestellt, auf die alle zu blicken hatten. In seiner "Geschichte der Christlichen Kirche" sagt Andr. Miller in Band 1, Seite 314-316 u. a. folgendes: "In seinem Brief an die Versammlung zu Ephesus sagt Ignatius: "Laßt uns darauf achten, Brüder, daß wir uns nicht gegen den Bischof auflehnen, damit wir Gott unterworfen sind ... Es ist daher klar, daß wir auf den Bischof sehen sollen wie auf den Herrn selbst". Weiter heißt es in seinem Brief an die Christen in Magnesia: "Ich ermahne euch, daß ihr euch befleißigt, alles in göttlicher Eintracht zu tun, indem eure Bischöfe vorstehen an der Statt Gottes, eure Ältesten sie Stelle des Konzils der Apostel vertreten, und eure Diakonen, die mir sehr teuer sind, den ihnen anvertrauten Dienst Jesu Christi versehen" ... Der Hauptgedanke, der sich durch alle seine Briefe zieht, ist die völlige Unterwerfung der Herde unter ihre Leiter, oder der "Laien" unter die "Geistlichen". Für das Wohl der Kirche besorgt und die Folgen der "Spaltungen", auf welche er hindeutet, fürchtend, dachte er wahrscheinlich, daß eine starke Regierung in den Händen der Führer das beste Mittel sei, um das Eindringen des Irrtums zu verhüten. "Befleißigt euch", sagt er, "daß ihr, samt eurem ehrwürdigen Bischof und der schön gewirkten geistlichen Krone eures Presbyteriums und euren gottesfürchtigen Diakonen, befestigt werdet in der Lehre unseres Herrn und der Apostel. Seid eurem Bischof, sowie einer dem anderen unterwürfig, wie Jesus Christus nach dem Fleische dem Vater, und wie der Apostel Christo, dem Vater und dem Geiste unterworfen waren, damit Einheit unter euch sei, sowohl dem Leibe wie dem Geiste nach". Auf diese Weise wurde demjenigen, welcher das höchste Amt in der Gemeinde bekleidete, die Bischofmütze aufgesetzt; und die Erlangung der Bischofwürde wurde fortan der Gegenstand des Ehrgeizes und nicht selten eines ungeziemenden Streites mit allen seinen entsittlichenden Folgen". Wenn die Christen dem Bischof so unterworfen sein solten, wie Christus als Mensch dem Vater und wie die Apostel der göttlichen Dreieinheit unterworfen waren, so stand der Bischof zwischen der Gemeinde und Gott. Wie später der Maria, der Mutter Jesu, göttliche Verehrung entgegengebracht wurde, so sollte dem Bischof Gehorsam geleistet werden. Er wurde zum Maßstab und Richtpunkt erklärt, so daß für den einzelnen Christen nicht mehr die Heilige Schrift im Vordergrund stand.

In einer örtlichen Gemeinden waren im Anfang mehrere Aufseher vorhanden. "Die nächste Stufe der Entwicklung war dann, daß einer von den Aufsehern die wichtigsten Funktionen dieses Amtes dauernd ausübte und der Titel Bischof (Episkopos) schließlich ihm allein vorbehalten wurde" (Dr. Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte, Seite 36).

Das Neue Testamen kennt, wie bereits bemerkt, nur zwei Ämter: Aufseher und Diener (vgl. 1. Tim 3,1-13). Die Aufseher der örtlichen Versammlungen (Gemeinden) wurden nur von dem Apostel Paulus oder seinen Beauftragten eingesetzt. Ein Aufseher (griech.: Episkopos) und ein Ältester (griech.: Presbyteros) ist in der Heiligen Schrift das gleiche. In Apostelgeschichte 20 wird berichtet, das Paulus die Ältesten von Ephesus mach Milet kommen ließ und in seiner Rede u. a. zu ihnen sagte: "Habet nun acht auch euch selbst und auf die ganze Herde, in welcherder Heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten, welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen" (Apg 20,28, vgl. Apg 20,17). Ebenso ersieht man aus Titus 1, den Versen 5 und 7 (Titus 1,5.7), daß zwischen Ältesten und Aussehern kein Unterschied gemacht wird. Aber schon im 2. Jahrhundert hielt man sich nicht mehr daran und machte aus ihnen zwei Klassen, die zusammen mit den Dienern (Diakonen) die Geistlichkeit bildeten. Die Ältesten oder Aufseher hatten Aufsicht zu führen und gegebenenfalls zu ermahnen und zurechtzuweisen; sie mußten als lehrfähig sein, d. h. das Wort Gottes richtig anwenden und erkläen können. Manchmal hatte ein Ältester auch eine Gabe öffentlich zu predigen (1. Tim 5,17). Der erstgenannte Schreiber sagt von dem Bischof noch folgendes: "Er nahm damals nicht den Platz eines Herren über das Erbe Gottes ein, sondern war in Wirklichkeit der Diener und Knecht desselben, der die Christen unterwies und persönlich die Kranken und Armen besuchte. Die Ältesten, wie auch die Diakone, standen ihm ohne Zweifel in der Besorgung der allgemeinen Angelegenheiten der Kirche bei; jedenfalls aber hatte er den Hauptanteil an dem Dienst. Dennoch besaß ein Bischof oder Aufseher nicht die Autorität, etwas zu verordnen oder zu bestimmen, ohne die Einwilligung der Ältesten und der übrigen Gläubigen. Von einer "niedrigen Klasse von Geistlichen", die unter ihm gestanden hätten, war keine Spur vorhanden ... Aber schon gegen das Ende des 2. Jahrhunderts trat eine Wendung in der Geschichte der Kirche ein, welche die Demut und die Einfachheit ihrer Aufseher sehr schwächte und den Verfall der sogenannten Geistlichkeit herbeiführte. Um diese Zeit wurden die ersten Klagen über das zunehmende Verderben unter den Geistlichen laut. Von dem Augenblick an, wo die persönlichen Interessen der Diener von den Interessen des Christentums getrennt wurden, nahmen, wie wir wohl sagen können, viele und große Veränderungen zum Schlimmen ihren Anfang" (Band 1, Seite 330-331).

Es ist sehr zu beachten und kann nach dem Charakter der ganzen bibel nicht anders erwartet werden, daß die Aufseher ebenso wie die Diener, deren Tätigkeit sich auf die äußeren Bedürfnisse der Gläubigen erstreckte (Apg 6,1-6), von guten Wandel und lauterer Gesinnung sein mußte. Die erforderlichen Kennzeichen für die Aufseher und Diener werden in 1. Tim 3,2-13 mitgeteilt. Auffallend ist hierbei, daß der hohe sittliche Ernst nicht nur für die Aufseher, sondern auch für die Diener gefordert wird. Es könnte nun gefragt werden: Erwähnt die bibel denn nichts von "Geistlichen"? Die Antwort muß lauten: Doch, sie spricht aber in einem ganz anderen Sinn von solchen. "Geistliche" und "Fleischliche". "Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christo" (1. Kor 3,1). "Geistlich" sein ist kein Stand, sondern ein Zustand, wie die eben angeführte Stelle sowie auch das Wort aus Gal 6,1 beweisen: "Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehlötritt übereilt würde, so gringet ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geiste der Sanftmut ". Das Wort Geistlicher ist hergeleitet vom Worte Geist, d. i. Geist Gottes. Ein Geistlicher im Sinne der Heiligen Schrift ist ein Mensch, der mit dem Heiligen Gesit erfüllt ist. Es bedarf wohl nicht der Erwähnung, daß ein solcher die Wiedergeburt (siehe Abschnitt IV) erlebt habenund zum Bewußtsein seiner Gotteskindschaft gelangt sein muß. Nur wenn dies der Fall ist, kann er den Heiligen Geist empfangen gemäß der in Eph 1,13 genannten gesegneten Reihenfolge: Hören, glauben, Versiegelung mit dem Geiste. "... nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, in welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geiste der Verheißung". Aber die Innewohnung des Heiligen Geistes ist nicht gleichbedeutend mit einem geistlichen Zustand, wenn es auch die Voraussetzungen hierfür ist. Geistlich sein ist eben ein Zustand; ist er vorhanden, so werden sowohl die Gedanken als auch die Neigungen, die Beweggründedes Herzens und die Gesinnung von dem Heiligen Geiste beeinflußt und geformt. Ein solcher Christ wird dann auch in seinem Wandel und Verhalten vom Geiste geleitet. "Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes" (Röm 8,14). Es kann dabei nicht ausbleiben, daß der Geist Gottes auch bei dem Betreffenden selbst alles verurteilt, was nicht von Ihm ist. Beugt sich der Gläubige nun im Hinblick auf diese Dinge, unterwirft er sich also der Zucht des Geistes, so ist er fähig, den in der Stelle in Galater bezeichneten Dienst an Irrenden auszuüben, einen "Menschen", der von einem Fehltritt übereilte wurde, wieder in den rechten Zustand zurückzubringen. Ein Geistlicher ist dessen eingedenk, was er in sich selbst ist, und wie leicht der Mensch zum Irren und Fehlen geneigt ist. Stellt sich aber jemand in hochmütigem Sinn über den anderen, meinend, ihn könne "so etwas" nicht widerfahren, so ist er nicht geistlich, sondern fleischlich.Ein Gläubiger ist leider nicht immer geistlich, sondern zu Zeiten erlaubt er seiner alten Natur, "dem Fleische", zu wirken, dann ist er eben fleischlich, urteilt und redet wie ein "ntürlicher", d. h. unwiedergeborener Mensch. Geistliches Urteil, geistliche Gesinnung und geistliches Handeln haben eben ihre Quelle einzig und allein in dem Heiligen Geiste und nicht in dem Menschen. Aus der schon angeführten Stelle aus Gal 6,1 ergibt sich, daß Paulus keinen besonderen Stand gemeint hat, denn er redet sie alle an und sagt: Brüder! Wer von ihnen wirklich zu den Geistlichen gehörte, mußte sich jeder selbst fragen. Jedenfalls waren diese Geistlichen nicht solche Personen, die es auf Grund ihres Amtes, sondern auf Grund ihres innerlichen Zustandes waren. Alle Christen sollten zwar geistlich sein, die Erfahrung zeigt aber, daß sie es leider oft nicht sind.-

Wie schon obern bemerkt, war es möglich, daß ein Ältester auch die Fähigkeit hatte zu lehren. Zu diesem Zweck mußte er eine Gabe besitzen. Man muß grundsätzlich zwischen Amt und Gabe unterscheiden. Mit einem Amt konnte jemand von Menschen betraut werden, bei einer Gabe ist dies nicht möglich. Eine Gabe ist, wie das Wort schon sagt, etwas gegebenes, Verliehenes. Können nun Menschen geistliche Gaben verleihen? Sie können weder natürliche Gaben noch geistliche Gaben mitteilen. Man kann wohl vorhandene natürliche Fähigkeiten und Gaben ausbilden und vervollkommnen, doch niemals kann man sie anderen geben. Dies kann nur Gott tun! Es ist selbstverständlich, daß Er eine Gabe nur einem Gläubigen, wiedergeborenen Menschen mitteilt. Bei einem natürlichen, d. h. nicht erneuerten Menschen fehlt die elementarste Grundlage für jeden geistlichen Dienst. Erst wenn eine Seele das Erlösungswerk Christi im Glauben angenommen hat und dieses Werk in der Seele durch den Heiligen Geist versiegelt, d. i. abgeschlossen worden ist, besteht die Voraussetzung für die Mitteilung einer geistlichen Gnadengabe. Wie verkehrt ist es also, wenn Menschen Personen für einen Dienst in der Kirche "ordinieren", zu dessen Ausübung doch eine geistliche Gabe nötig ist! Wir finden derartiges nicht in der Heiligen Schrift.

Das Wort Gottes nennt die Gaben "Gnadengaben", da kein Mensch einen Anspruch auf eine Gabe hat. Es ist nur göttliche Gnade, wenn Gott einen Menschen in Seinen Dienst stellt und ihm die dazu erforderlichen Fähigkeiten darreicht. Nach Eph 4 verleiht der aufgefahrene und verherrlichte Herr Jesus selbst diese Gaben:"Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er (Christus) ... den Menschen Gaben gegeben" (Eph 4,8). "Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi" (Eph 4,11.12). Der Leib Christi ist Seine Versammlung oder Gemeinde, für die Er als das Haupt im Himmel Sorge trägt. Die Apostel und Propheten - letztere sind die des Neuen Testamentes, nicht etwa die des Alten Bundes - haben die Grundlage gelegt. Ihre Schriften besitzen wir durch die Vorsehung Gottes noch heute; sie sind allein maßgebend für die Lehre und für das ganze christliche Leben innerhalb und außerhalb der Versammlung. Die Evangelisten bewirken durch ihre Tätigkeit die Sammlung der Gemeinde, und der Dienst der Hirten und Lehrer gilt den geistlichen Bedürfnissen der gläubigen Christen, er ist "zur Vollendung der Heiligen", "für die Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus". Der gläubige Christ soll also durch den geistlichen Dienst der Gaben immer mehr gefördert und in seinem Glauben befestigt werden; auch die notwendige Ermunterung und Tröstung soll er durch diesen Dienst empfangen. Gott will, daß Sein Kind nicht nur in den Gefahren des Weges bewahrt und in allen Prüfungen aufrecht erhalten wird, sondern daß es auch Seine Gedanken und Ratschlüsse kennenlernt, und daß es in dem Bewußtsein göttlicher Liebe und Gnade seinen Weg vollendet. Ferner hat es der Dienst des Wortes auch mit Ermahnung, Warnung und Zurechtweisung zu tun. "Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt" (2. Tim 3,16.17). Bei der Verkündigung des Wortes, ob sich diese nun an Gläubige oder Ungläubige richtet, will der Heilige Gesit die Leitung haben, da Er allein die Bedürfnisse der anwesenden Personen kennt und es Seine Absicht ist, jeden einzelnen das darzureichen, was er bedarf.

Es ist also von außerordentlicher Wichtigkeit zu verstehen, daß nur Gott die Gaben mitteilen und auch nur Er dieselben in Kraft und zum vollen Segen gebrauchen kann. Jede menschliche Einmischung ist nur zum Schaden und mindert den Segen. Auch die Brüder, die die Gabe des Evangelisierens, eines Hirten oder eines Lehrers empfangen haben und somit der Sammlung und der Erbauung der Kirche dienen, bilden keine besinderen "geistlichen" Stand, sondern sie sind Brüder unter Brüdern. Ihr Dienst sowie ihr persönlicher Wandel unterliegen dem Urteil der örtlichen Versammlung oder Gemeinde; sie stehen nicht über derselben, sondern befinden sich in der Mitte der Versammlung. Der Herr Jesus sagt ja auch: "Wer ist größer, der zu Tische Liegende oder der Dienende? Nicht der zu Tische Liegende?" (Lk 22,27). Die Ausübung eines Dienstes stellt also den Dienenden nicht über die anderen; dies liegt ja schon in dem Worte "der Dienende". DAß ein solcher ein "Geistlicher", d. h. ein mit dem Geiste Gottesw erfüllter Christ sein muß, versteht sich von selbst. Auch sollen es nur Brüder sein und nicht Schwestern, die einen öffentlichen Dienst ausüben, wie es in 1. Kor 14,34 heißt: "Eure Weiber sollen Schweigen in den Versammlungen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern unterwürfig zu sein, wie auch das Gesetz sagt".

Der Apostel Paulus betont hinsichtlich seiner Apostelschaft, daß sie nicht von Menschen sei: "Paulus, Apostel, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesum Christum und Gott, dem Vater" (Gal 1,1). Weder als Quelle der Apostelschaft des Paulus noch bei ihrer Übermittlung war der Mensch tätig gewesen, sondern alles war von Gott, dem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Und im Grunde ist es mit jeder geistlichen Gnadengabe genau so, und ist daher nur Anmaßung, wenn ein Mensch einen anderen zum Dienst Dienst für den Herrn weiht. Dieses Übel ist in der Christenheit leider weit verbreitet, und ein solcher "Diener der Kirche" kann unmöglich sagen, daß der Herr ihn berufen habe. Wenn er doch eine wahre Berufung empfangen hat, so hat er sie nur vom Herrn empfangen, und dann war die Ordination durch Menschen nicht nur überflüssig, sondern auch eine Leugnung der Rechte des alleinigen Hauptes der Kirche!

Aber der Mensch erklärt nicht nur manche, die den von ihm gestellten Bedingungen genügen, zu Dienern und sendet sie als solche aus, sondern er glaubt auch - und das von diesem verkehrten Standpunkt aus mit einem gewissen Recht; ein Irrtum hat einen anderen zur Folge - die Diener selbst ausbilden zu müssen. Theologische Fakultäten und Examina, Predigerschulen und Missionsanstalten zeugen davon. Aber auch in den Schriften der Bibel, des Buches der Bücher, findet sich nichts davon. Ein Mose z. B. war unterwiesen "in aller Weisheit der Ägypter" (Apg 7,22), er hatte also deren Hochschulen besucht. Dennoch war er, wie sich dies in 2. Mose 2 zeigt, noch nicht geeignet für den Dienst Gottes an dem Volke Israel. Vierzig Jahre hütete er danach die Herde Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian. Aber wenn auch seine äußere Tätigkeit nur eine einfache war, so war er doch in dieser Zeit in der Hochschule Gottes, und was er hier gelernt hat, sehen wir in den letzten vierzig Jahren seines Lebens, als er der Führer des irdischen Volkes Gottes, des Volkes Israel war. Welch eine Demut, eine Hingabe an Gott und welche Geduld hatte er in dieser Schule gelernt, und wie hat er Jehova, seinen Gott, kennengelernt! Ein anderes Beispiel ist David in späteren Tagen, der, obgleich er durch den Propheten Samuel bereits zum König über Israel gesalbt war, viele Jahre lang von seiten des ihm feindlich gesonnen Königs Saul Verfolgung erdulden mußte, wie ein Rebhuhn gejagt. So wurde er von Gott für seine hohe Aufgabe zubereitet, König über das Volk Gottes zu sein, und in dieser hohen Stellung dennoch in Demut zu verharren. Auch Joseph kann man anführen, der zwar nicht in seinem Volke, sondern im Ägyperland eine ganz hohe Stellung einnehmen sollte, "der nächste nach dem Pharao". Diese Erhöhung wurde ihm schon im Alter von siebzehn Jahren durch zwei Träume von Gott kundgemacht. Aber was erlebte er dann? Er wurde an die Ismaeliter verkauft und kam wegen seiner Treue ins Gefängnis! Mehrere Jahre mußte er hier ausharren. Das ägyptische Gefängnis war seine Hochschule Gottes. "Joseph wurde zum Knechteverkauft. Man preßte seine Füße in den Stock, er kam in das Eisen, bis zur Zeit, da sein Wort eintraf; das Wort Jehovas läuterte ihn" (Ps 105, 17-19). Dann erst war er fähig, die ihm von Gott zugedachte hohe Stellung in einer entsprechenden Weise auszufüllen.

Bei dem Apostel Paulus finden wir das nämliche. Als aus Saulus, dem wütenden Verfolger der Christen, ein Nachfolger des von ihm bis dahin verachteten Jesus geworden war, besuchte er keine menschliche Schule, sondern ging für drei Jahre in die Stille nach Arbien. Er hatte zwar theologische Studien zuvor betrieben, hatte zu den Füßen Gamaliels gesessen und in dem "Judentum zugenommen über viele Altersgenossen in seinem Geschlecht" (Gal 1,14). Aber wenn ihm auch die Kenntnis des Gesetzes nach seiner Bekehrung zustatten kam und Gott dieselbe zweifellos benutzte, so mußte er doch die göttliche Schule durchmachen; dies geschah in der Stille Arabiens. Er wurde das größte Werkzeug, das Gott wohl je benutzt hat; "denn dieser ist mir ein auserwähltes Gefäß, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels". So sagt der Herr von ihm zu Ananias (Apg 9,15). Auch von keinem der anderen Knechte des Herrn im Neuen Testament wird uns gesagt, daß sie von Menschen eine geistliche Ausbildung erhalten hätten. Auch ein Luther wurde im Jahre 1521 in die Zurückgezogenheit der Wartburg geführt, um dort von Gott zu lernen.

Ist es eigentlich so verwunderlich, daß der Herr Seine Knechte selbst zubereitet für Seinen Dienst? Ist es nicht vielmehr ganz natürlich, daß Er es tut? Er kennt die Anforderungen, die an Seine Diener gestellt werden, und Er rüstet sie demgemäß aus. Auch heute sollte es nicht anders sein! Gott benutzt Sein Wort, um Seine Knechte zuzubereiten, und der Heilige Geist, der ja der Verfasser der Heiligen Schrift ist, führt sie in dieselbe ein. Wie einfach und natürlich ist dies! Man kann nur wünschen, daß noch mancher wahrer Christ, der dem Herrn zu dienen wünscht, sich der Leitung und Unterweisung des Geistes unterstellt und so zu dem Dienst zubereitet wird, den Gott ihm geben will! Wie anders würde es in der Christenheit aussehen, und wieviel Segen würde durch das kraftvolle Wirken des Geistes Gottes hervorgebracht werden!

Viele wenden ein, daß bei diesen Grundsätzen "jeder reden könne", und daß eine große Unordnung entstehen müsse. Aber wenn es wirklich der Geist Gottes ist, der aussendet - "sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geiste, gingen hinab nach Seleucia" (Apg 13,4) - und wenn Es es ist, Der in der Ausübung des Dienstes die Leitung hat, so kann unmöglich Unordnung vorhanden sein, und es wird auch niemand reden, der nicht berufen ist zu einem öffentlichen Dienst. Die Erfahrung hat dies auch gezeigt bei solchen Christen, die sich dem Grundsätzen des göttlichen Wortes in allem unterwerfen wünschen. Man muß dann freilich alles weglassen, was Menschen eingeführt haben; weder die Überlieferung noch "Geschichtlich-Gewordenes" können dabei maßgebend sein, sondern einzig und allein die Bibel. Die ablehnenden Urteile werden stets von solchen gefällt, die obige Grundsätze noch niemals aufrichtig zu verwirklichen gesucht haben. Sie führen sie ins Feld, da sie den bisher von ihnen eingenommenen Platz nicht verlassen wollen.

Noch einmal denn: Der Heilige Geist bewirkt in einem Menschen die Wiedergeburt und die Erkenntnis der Wahrheit; Er teilt Gaben mit und gebracht sie, wie Er will und leitet den Christen in seinem Dienste, nachdem Er ihn für denselben in gottgemäßer Weise zubereitet und ausgerüstet hat. So ist alles von Gott, und der gläubige Christ hat sich nur demütig zur Verfügungf zu stellen. Das Ergebnis eines solchen Dienstes ist dann die Verherrlichung Gottes.

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