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E+E 1959
Wie im vorigen Abschnitt dargelegt, begann im 2. Jahrhundert die Entwicklung eines gesonderten geistlichen Standes. Besonders trat der Bischof immer mehr in den Vordergrund. Die Gläubigen sollten auf den Bischof sehen wie auf den Herrn selbst, und sollten ihm unterworfen sein, "wie Jesus Christus nach dem Fleische dem Vater und wie die Apostel Christo, dem Vater und dem Geiste unterworfen waren" (Ignatius). Auf diese Weise trat der Bischof bzw. die Geistlichkeit zwischen die Gläubigen und Gott; die Geistlichen behaupteten, Gott näher zu stehen und deshalb auch das Recht zu haben, eine gewisse Herrschaft über die Laien auszuüben. Sie nahmen so eine Mittlerstellung zwischen Gott und dem Volke ein; in ihrem Charakter als Priester mußten ihnen später in der Ohrenbeichte alle Verfehlungen mitgeteilt werden. Absolution (Lossprechung) von allen Sünden konnten allein sie erteilen. Ja, schliwßlich war eine Vergebung der Sünden, von einzelnen Ausnahmefällen abgesehen, ohne den Priester, d. h. ohne die Kirche, nicht möglich, weil der Priester vorgeblich an der Stelle Gottes steht. In der größten der bekennenden Kirchen wird diese Lehre und ihre praktische Anwendung bis heute festgehalten. Zuerst ein Wort zu der Behauptung, die Priester seien Mittler zwischen Gott und Menschen. Soll eine Person zwischen einem Gläubiger und einem Schuldner vermitteln, so muß sie offenbar in der Lage sein, die gerechten Forderungen des Gläubigen zu erfüllen, oder welchen Wert sollte sonst ihre Vermittlung haben? Die Priester sind aber nicht instande, den Gläubiger, den heiligen Gott, im Blick auf die Sünden anderer zu befriedigen, ja, sie können nicht einmal ihre eigene Schuld vor Gott begleichen! Sie können also keine Mittler sein. Man muß sich wundern, daß so viele Menschen in einer aufgeklärten Zeit glauben, ein in sich sündiger Mensch könne anderen auf Grund seiner Weihung vergeben, wobei zu bedenken ist, daß der, der ihm die Weihe erteilt hatte, mit der gleichen sündigen Natur behaftet ist, wie auch der, der geweiht wird. Vergleicht man hiermit die Lehre der Heiligen Schrift, sie sie in den Abschnitten III und IV in der Hauptsache dargelegt wurde, so erkennt man den unermeßlichen Abstand zwischen beiden.
Die Heilige Schrift sagt in dieser Hinsicht: "Denn Gott ist einer, und einer Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesusm der sich selbst gab zum Lösegeld für alle" (1. Tim 2,5.6).
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