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"Wächter, wie weit ist's in der Nacht?"
Es geht in unsern Tagen
ein Rauschen durch die Welt,
als stürmten heft'ge Winde
durchs dürre Ährenfeld.
Es rauscht, als sei gekommen
der Erde Erntezeit,
es rauscht, als wollt' es sagen:
Macht, Schnitter, euch bereit!
Es rauscht, als schäume zornig
ringsum das Völkermeer,
es rauscht, als zöge Wetter
mit Strumgebraus einher.
Es rauscht so ernst und düster
und zeigt vernehmlich an,
daß die Gerichte Gottes
mit Blitzeseile nahn.
Doch gehet auch ein Rauschen -
die Welt vernimmt es nicht -
ein Weh'n des Heil'gen Geistes,
das zu den Gläub'gen spricht.
Es mahnt: Wach auf vom Schlafe,
begegne deinen Herrn,
die Nacht, weit vorgerücket,
zeigt an den Morgenstern!
Wie steht's mit deiner Lampe,
gibt sie auch hellen Schein?
Und nimmst du deine Stellung
als Jünger Jesu ein?
Geliebte, laßt uns wachen
und Ihm entgegengehn!
Es ist die letzte Stunde,
in der wir wartend stehn.
Bald ist der Kampf beendet,
durchlaufen bald die Bahn,
dann wird der Herr belohnen,
was wir für Ihn getan.
Quelle: "Ermunterung und Ermahnung" 1970


