Es mag uns wohl schon einmal befremdet haben, daß der Herr Jesus in Seiner Unterredung mit der Samariterin darauf einging, als sie über Anbetung zu reden begann. Wir hätten vielleicht gesagt, sie hätte anderes nötig, müsse zu einem Bekenntnis ihrer vielen Sünden kommen, und wenn sie davon gereinigt sei, könne sie an die Anbetung denken.
Aber der Herr handelt nicht so. Zuerst hatte Er Vertrauen und Zugang zu ihrem Herzen gesucht und gefunden, indem Er sie um einen Trunk Wasser bar. Dann hatte Er ihr Gewissen getroffen durch das Wort: "Gehe hin, rufe deinen Mann und komm hierher" (Joh 4.16). Als das Weib dann bekennt, keinen Mann zu haben und in unerlaubten Beziehungen zu leben, geht Er auf ihre Gedanken bezüglich der Anbetung ein, die sie augenscheinlich schon früher beschäftigt haben. Bei der Frau ist inzwischen vieles verändert, ihr Herz ist gewonnen, ihr Gewissen getroffen, und Er, den sie zunächst nur als einen einfachen Juden angesehen, ist nun in ihren Augen ein Prophet.
Aber verweilen wir einen Augenblick bei dem Gegenstand "Anbetung"! Vielleicht sagt jemand: "Wie kann man anbeten, wenn man nicht bekehrt ist?" Beachten wir, daß das Weib von Anbetung, der Herr aber von wahren Anbetern spricht! Das ist ein großer Unterschied. Alle Menschen, ob bekehrt oder nicht, haben Bedürfnis und Verlangen des Herzens nach einem Gegenstand der Verehrung oder Anbetung. Das lehrt die Erfahrung. Die Heiden beten ihre Götzen an. Die Athener verehrten gleichzeitig den unbekannten Gott (Apgsch. 17,23). Die Samariterbeteten auf dem Berge zu Samaria an. Alle beten sie an, aber sie beten an, was sie nicht wissen und nicht kennen, wie die Samariter (Joh 4, 22). Die Juden hatten den wahren Gottesdienst, denn das Heil ist aus den Juden." Aber die große Masse der Juden betete nicht mehr an, es war alles bloße Form.
Wie viele Menschen in den christlichen Ländern machen sich allwöchentlich auf zu Gottesdienst und Anbetung! Aber sind sie alle wahre Anbeter, haben sie den Vater und den Sohn als Gegenstand der Anbetung, weil sie Kinder des Vaters sind? Wir fürchten, daß viele von ihnen sagen würden, sie seinen nicht bekehrt, aber sie müssten doch ihren gottesdienstlichen Pflichten nachkommen. Diese alle beten an und wissen nicht, was.
Ganz anders ist es bei den wahren Anbetern. Das sind die, welche in Geist und Wahrheit den Vater anbeten für Seine große Gabe, die Er ihnen in Christus geschenkt, und die den Herrn Jesus für Seine Liebe preisen, die Er verlorenen Sündern erwies. Sie wissen, daß sie errettet sind, und kennen Ihn als ihren Heiland. Sie beten an, was sie kennen.
Sind wir wahre Anbeter, die den Vater in Geist und Wahrheit anbeten mit vielen anderen, die auch den Herrn Jesus kennen und aus die der Vater in Liebe herniederblickt? Oder gehen wir mit der großen Masse vor Gottes Angesicht in einer Form der Gottseligkeit und verleugnen ihre Kraft? (2. Tim 3,5). "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist" (Matth 7,21). Sind wir nur Anbeter oder wahre Anbeter?
Aber gehen wir zurück an den Jakobsbrunnen! Nachdem der Herr durch die Bitte um Wasser das Herz des Weibes getroffen, hatte Er ihr Gewissen berührt, damit sie in Seinem göttlichen Licht ihren verlorenen Zustand entdecken möchte. Alsdann wendet Er sich wieder zu ihrem Herzen. Er, der nicht nur wußte, daß diese Frau eine Sünderin war und was sie getan hatte, kannte auch die unbewußten Nöte ihres Herzens und wußte, daß sie nach Erlösung und dem Erlöser ausblickte. "Wenn jener (der Christus) kommt, wird er uns alles verkündigen." Er wird uns alles mitteilen, was wir nötig haben zu wahrem Glück! Nun, war Er nicht selbst der Christus, gekommen, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist? Sollte Er sich ihr dann nicht offenbaren?
Das Herz des Herrn dürstete nach dem Heil dieser Frau, und sie begehrte den Erlöser. "Ich bin's, der mit dir redet." Er war der Christus, nach dem sie ausgeschaut, den sie erwartet. Nun hat sie gefunden, was sie suchte. Sie glaubt und nimmt Ihn an. Ihren Wasserkrug zurücklassende, wird sie eine Zeugin von Jesus in der ganzen Stadt, und viele glauben. Von diesem Augenblick an war sie eine wahre Anbeterin des Vaters in Geist und Wahrheit.
Wunderbare Gnade, wunderbare suchende Liebe! Zuerst war Jesus für die Frau ein Jude, dann ein Prophet, nun ist Er für sie der Christus. Befremdet es uns noch, daß der Herr auf ihre Fragen einging? Gebe und ser Herr Gnade, mit Weisheit und Vorsicht mit Seelen umzugehen! Zur rechten Zeit muß ihr Gewissen, zur rechten Zeit auch ihr Herz erreicht werden, und dieses letzte allezeit zuerst. Ist danach das Gewissen getroffen, wenden wir uns wieder zum Herzen.
Glückliche Samariterin! Auch glückliche Gläubige, die nicht nur wissen, daß ihre Sünden vergeben sind, sondern die auch als wahre Anbeter den Vater und den Sohn zum Gegenstand ihrer Anbetung haben!
Quelle: "Ermunterung und Ermahnung" 1965
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