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E+E 1959
In einer Zeit der Lauheit, in der Treue für den Herrn nicht oft gefunden wird, verdient diese Frage ernste Aufmerksamkeit.
Nachfolgen bedeutet, hinter jemand hergehen, in der gleichen Richtung mit ihm gehen, und in bezug auf den Herrn und den Gläubigen, schließt es liebenden Gehorsam ein. In den Stellen der Schrift, wo davon geredet wird, hat es den Gedanken von Nachgehen. "Ein Schriftgelehrter kam herzu und sprach zu Ihm: Lehrer, ich will dir nachfolgen, wohin irgend du gehst" (Matth. 8,19). In Vers 22 sagt der Herr: "Folge mir nach, und laß die Toten ihre Toten begraben." Ferner: "Und als er in das Schiff gestiegen war, folgten ihm seine Jünger" (V. 23). Von Levi heißt es: "Und alles verlassend, stand er auf und folgte ihm nach" (Luk. 5, 28).
Der Herr gebraucht dasselbe Wort, wenn Er die Bedingungen der Jüngerschaft nennt: "Wenn jemand mitr nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach" (Matth. 16, 24). Petrus sagt: "Denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, auf daß ihr seinen Fußstapfen nachfolgt" (1. Petr. 2, 21). So werden wir belehrt, daß wir einfach hinter dem Herrn Jesus hergehen sollen auf dem Pfade, den Er gegangen ist, indem wir Ihn in Seinem Benehmen und Wandel als gehorsamer Sohn, als Diener, als geduldig leidend und für die Wahrheit zeugend nachahmen.
Indem wir Ihm nachgehen, nehjmen wir den Platz der Unterwürfigkeit, des Gehorsams und der Abhängigkeit ein, der dem eigenen Ich keinen Raum gewährt. Der Herr bestimmt den Weg, wir haben einfach in allem und um jeden Preis hinter Ihm herzugehen, Ihm nachzufolgen. Diesen Gedanken kann das Fleisch nicht ertragen. Deshalb wird oft ein Ersatz dafür gesucht, weil man den Namen und den äuße4ren Schein nicht aufgeben will. Aber wie ernst ist es, unter falscher Flagge zu segeln, Ehre voneinander zu nehmen und nicht die Ehre allein bei 'Gott zu suchen! "Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten! denhn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten" (Gal. 6, 7).
In der Nachfolge werden wir auch die Erfahrungen des Herrn teilen. Welche waren das? Man hat Seiner Botschaft nicht geglaubt. "Sie haben mich ohne Ursache gehaßt." "Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden." "Ich aber bin ein Wurm und kein Mann, der Menschen Hohn und der vom Volke Verachtete." Würde man, wenn man die anschaut, die sich jetzt Seine Nachfolger nennen, den Schluß ziehen, daß Er einen rauhen, einsamen Weg zu gehen und einen bitteren Kelch zu trinken hatte?
Unmöglich ist Sein Nachfolger, wer nach Ansehen und Rang in der Welt strebt. Niemand, der Christus im wirklichen Sinn des Wortes nachfolgt, wird auf einen Platz der Welt gefunden werden, und sei dieser auch nur unbedeutend. Wir sprechen jetzt nicht von Erlösten, sondern von Nachfolgern. "Denn welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial?" Wenn Er ve3rachtet und von den Menschen verworfen war, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, müssen Seine Nachfolger dieses Los teilen. Wer Ihm nachgeht, teilt Seine Erfahrungen.
Auch machen wir, wenn wir Ihm nachfolgen, Seine Interessen zu den unsrigen und gehen in Seine Absichten und Gedanken ein. Der Zweck Seines Lebens hier auf der Erde war von Anfang bis zu Ende: "Deinen Willen, o Gott, zu tun." Wir wandeln mit Dem, der gekommenwar, nicht um Seinen Willen zu tun, sondern den Willen Dessen, der Uhn gesandt hatte. Es ist etwas Großes, die Interessen des Herrn wirklich als die eigenen zu haben und da für sie einzustehen, wo Er nicht ist, nach ihnen zu sehen, wie Er es tat.
Als Seine Nachfolger nehmen wir auch Seine Anschauungsweise und Seine Urteile über alles und jedes an. Wir folgen nicht unserem Willen und beugen uns unter Ihm als Dem, der völlige Autorität über uns hat. Indem wir keine eigenen, unabhängigen Entscheidungen treffen, folgen wir in einfältigem Vertrauen Ihm, der niemals irreleiten kann. Er ist unsere einzige Richtschnur und unser Prüfstein, nach dem alles erwogen und entweder angenommen oder verworfen wird.
Die antwort auf unsere Frage lautet mit weinigen Worten: Christus nachfolgen heißt für Ihn dastehen, wirken, leiden, sich aufgeben. Auf dieser Erde für Ihn dastehen schließt Trennung vom Bösen, Hingabe für Gott und ein treues Zeugnis für Jesus in sich. Für Ihn wirken bedeutet Ihm dienen, als von Ihm beaurftragt während Seiner Abwesenheit für Ihn handeln. "Wenn mit jemand dient, so folge er mir nach." Dem Nachfolger des Herrn werden Leiden zuteil. "Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden verfolgt werden." Schließlich muß der Nachfolger des Herrn auch fähig sein, sich aufzugeben. Indem er sich von der Welt abwendet und dem Fleische nicht Raum gibt, handelt er in allem als Sklave des Herrn, der umn einen Preis erkauft ist und sich nicht selbst gehört.
Die Liebe zum Herrn, der uns zuerst geliebt hat, muß die Triebfeder zu allem sein. Judas folgte Ihm nach, aber er liebte Ihn nicht, und wir kennen das Ende, das er nahm. Die anderen Jünger waren Ihm treu bis in den Tod und legten ihr Leben für Ihn dar. Mögen wir alle diese Liebe für unseren hochgelobten Herrn haben und Kraft genug besitzen, uns von allem abzuwenden, was nicht in Übereinstimmung mit Ihm oder nicht zu Seiner Ehre ist! Dann halten wir uns nicht nur der Sünde für tot, Gott aber lebend, sondern wir beweisen auch, daß uns die Welt gekreuzigt ist und wir der Welt, und wir zeigen damit, was es ist, dem Herrn nachzufolgen.
Quelle: E+E 1976
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