Zu deiner Ermunterung, wenn der Wehrdienst vor dir steht.
Besser ein Langmütiger als ein Held, und wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.
Sprüche 16,32
Richard mußte seinen Wehrdienst antreten. Zum Abschied schenkte ihm ein Freund einen Wandspruch mit dem Bibeltext:
"Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln?
Indem er sich bewahrt nach deinem Wort."
Diesen Spruch aus Psalm 119,9 hängte sich der junge Soldat, hinter Glas gerahmt, über sein Kasernenbett. Seine Kameraden sollten vom ersten Tag an wissen, daß er ein Jünger des Herrn Jesus war.
Wie zu erwarten war, setzte gleich der Gegenwind ein. Man lachte, spottete und lästerte, wie es nur unreife, leichtsinnige und zum Teil im Atheismus erzogene junge Menschen tun können. Richard blieb immer ruhig und hilfsbereit, zuvorkommend und freundlich. Wenn seine Kameraden lästerten und schmutzige Witze rissen, ging er still hinaus. Das reizte die gottlosen jungen Leute noch mehr.
Als Richard von einem Kurzurlaub zurückkommt, findet er den Spruch vor seinem Bett auf dem Boden liegend, völlig zersplittert. Er kehrt die Scherben zusammen und wirft sie schweigend in den Abfalleimer. Beim nächsten Gang in die Stadt nimmt er Spruch und Rahmen und läßt eine neue Scheibe einsetzen. Am Abend hängt er den Spruch wieder über seinem Bett auf. Kein Wort verliert er über den Vorfall.
Ein paar Tage später liegt der Spruch wieder zersplittet am Boden. Die Kameraden beobachten Richard mit lauerden Blicken. Sie erwarten wohl einen Zornesausbruch, aber - er beseitigt schweigend die Splitter, nimmt den Spruch und läßt ihn bei Gelegenheit neu verglasen.
Die Liebe ist langmütig, ist gütig; ... sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu ...,
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.
1. Korinther 13,4-7
Das wiederholt sich noch dreimal. Der junge Mann läßt es schweigend geschehen. Daß ihm das alles schwer zu schaffen macht, davon merkt niemand etwas. Seine Kameraden sehen nur einen jungen Menschen mit normaler Körperkraft und gesunden Fäusten, der es fertig bringt, sich zu beherrschen und alle Beleidigungen und allen materiellen Schaden "einzustecken", ohne "aus der Rolle zu fallen". Das ist ihnen völlig unbegreiflich.
Als der Spruch zum fünften Mal neu verglast an seinem Platz über Richards Bett hängt, halten es die Kameraden nicht mehr aus. Sie kommen zu ihm, allen voran der Anführer, der auch der ärgste und gottloseste Spötter gewesen war, und bitten ihn um Verzeihung. Mit Tränen in den Augen bekennen sie: "Jetzt haben wir gesehen, daß du wirklich ein Christ bist - daß du nicht nur deine bibel liest, sondern du hast dein Christentum durch die Tat bewiesen. Und, Richard, - so wie du bist, möchten auch werden!"
Seitdem weht auf der Stube ein anderer Wind. Man hört keinen Spott, keine unsauberen Wotze oder frvolen Lieder mehr. Dafür lesen jetzt einige junge Leute regelmäßig die Bibel. Wir sind sicher: Gott in Seiner unendlichen Gnade wird sie weiterführen zur vollen Freude des Heils und zu einem erfüllten, lebenswerten Leben.
Der Herr Jesus hat gesagt: "Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11,29). Der Sanftmütige erlebt Gottes Hilfe, wie sie auch dieser junge gläubige Soldat erlebt hat.
Soweit der Bericht aus einem älteren Kalender: "Der Herr ist nahe"
