2. Korinther 5,20

Lasst euch versöhnen mit Gott!
 

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Der Admin

Zum Nachdenken!

"Jede Verbindung mit der Welt hindert uns daran, die Welt zu überwinden".

J. N. D.
E+E 1959

Zungen wie ...

... von Feuer

Das zweite Zeichen, wodurch der Heilige Geist Seine Gegenwart kundtat, waren zerteilte Zungen wie von Feuer:

"Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen" (Vers 3).

Während das Brausen des gewaltigen Windes, wie ich glaube, auch von anderen wahrgenommen wurde, verhielt es sich mit den zerteilen Zungen anders: Sie erschienen ihnen, das heißt den hundertundzwanzig Gläubigen. Die Menge draußen sah davon nichts, denn sie erwähnt später auch nichts davon. Hier haben wir offenbar den persönlichen Aspekt der Innewohnung des Heiligen Geistes vor uns: "Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt" (1. Kor 6,19). Denn es heißt hier ausdrücklich von den Zungen: "Sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen." Dieses persönliche Empfangen des Heiligen Geistes ist das Teil aller Gläubigen, sofern sie das vollbrachte Erlösungswerk Christi im Glauben angenommen haben. Wir haben davon gesprochen. Der älteste, gereifteste Christ hat Ihn dann nicht wirklicher als der jüngste Gläubige, der gerade gelernt hat, sich, was sein Seelenheil angeht, ganz und allein auf das zu stützen, was der Heiland für ihn am Kreuz vollbracht hat. Solch einen Glauben versiegelt der Heilige Geist, und Er kommt in Seiner Person und nimmt in dem einzelnen Gläubigen Wohnung. Er ist nicht nur eine Kraft in ihm oder ein Einfluß.

Eine unermeßliche Segnung

Wir können diese große Segnung in ihrer Tragweite wohl kaum zu hoch einschätzen. Leider beschäftigen wir uns viel zu wenig mit der Gegenwart des Heiligen Geistes in uns, sind und ihrer viel zu wenig bewußt. Haben wir uns schon einmal darüber Gedanken gemacht, was wir alles nicht hätten, wenn Er nicht als Person in uns Wohnung genommen hätte? Wie zum Beispiel könnten wir im Heiligen Geist beten (Jud 20), wenn Er nicht in uns wohnte? Wie können wir in Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4,23-24), wie könnten wir das Bewußtsein unserer Gotteskindschaft haben (Röm 8,16), wie könnten wir in der ganzen Wahrheit geleitet werden (Joh 16,13-15), wie die Hoffnung der Wiederkunft Christi zur Heimholung Seiner Braut (Off 22,17) und alle übrigen christlichen Wahrheiten genießen, wäre nicht "der andere Sachwalter" in uns? Haben wir nicht durch Ihn Zugang zum Vater (Eph 2,18)? Verwendet Sich nicht der Geist für uns Gott gemäß (Röm 8,27)? Hat uns das Gesetz des Geistes nicht freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes, so daß wir Kraft über die in uns wohnende Sünde haben (Röm 8,2 ff)? Wie könnten wir anders, die "Handlungen des Leibes" töten als durch den Geist (Röm 8,13), wie anders im Geiste wandeln und die Frucht des Geistes hervorbringen (Gal 5,16.22)? Wie könnten wir im Kampf das Schwert des Geistes führen, wenn nicht in der Kraft des in uns wohnenden Geistes (Eph 6,17)? Wie könnten wir uns trotz aller Trübsale und Nöte dieser Welt der Liebe Gottes erfreuen. wäre uns nicht der Heilige Geist "gegeben worden" (Röm 5,5)? So wahrhaftig wohnt Gottes Geist in uns, daß wir nicht mehr "im Fleische" sind: Wir sind "im Geiste" (Röm 8,9). Kann denn ein einsichtiger Christ angesichte der Fülle von Segnungen , die mit der Innewohnung des Geistes verbunden ist, noch dafür beten, daß der Heilige Geist in ihn kommen oder daß er mehr, ein größeres Teil von dem Geist erhalten möge? Das zu erbitten ist nicht nur gänzlich unpassend, es ist letztlich Unglaube. Gott gibt den Geist nicht nach Maß (Joh 3,34), gibt nicht nur einen kleineren oder größeren Teil davon, sondern gibt Ihn ohne Maß, ohne Einschränkung, das heißt , Er gibt Ihn als Person. Es ist ein Vorrecht, das das wahre Christentum kennzeichnet. Ja, wir können noch besser sagen: Es ist das charakteritische Kennzeichen der Heiligen der Gnadenzeit - ein Vorrecht, das weder Gläubige in füheren Zeitaltern gekannt haben, noch die Gläubigen späterer Zeiten je besitzen werden. Nein, wir können nicht um ein erneutes Ausgießen des Heiligen Geistes beten. Etwas anderes ist es natürlich, um eine tiefere Verwirklichung Seiner Gegenwart in uns zu bitten. Das sollten wir gewiß mehr tun.

Wie von Feuer

Doch beachten wir den Charakter, in dem der Heilige Geist seine Gegenwart sichtbar macht. Hier ist von Feuer die Rede. Als dagegen der Herr Jesus im Jordan getauft worden war, sah Johannes der Täufer den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf Ihn kommen (Mt 3,16). Die Taube ist ein Sinnbild der Sanftmut und arglosen Reinheit. Der Herr Jesus ließ Seine Stimme nicht auf den Straßen hören (Mt 12,19), Er war "heilig, unschuldig, unbefleckt abgesondert von den Sündern" (Heb 7,26), war der wahre Joseph, der "Abgesonderte unter seinen Brüdern" (1. Mose 49,26). Beachten wir auch, wie der Bräutigam im Hohenlied zweimal seine Braut seine Taube, seine Vollkommene nennt (Kapitel 5,2; 6,9). Angesichts der Befleckung der heiligen Stadt und der Bedrückung durch den Gesetzlosen klagt der Psalmist: "O daß ich Flügel hätte wie eine Taube" (Ps 55,6); er wollte dem Bösen entfliehen und von den Sündern getrennt sein. Der Herr Jesus selbst hat einmal das Sinnbild der Taube benutzt, als Er Seine Ermahnung an die Jünger, klug wie die Schlangen zu sein, mit dem Zusatz versah: "und einfältig wie die Tauben" (Mt 10,16). Nein, auf diese Weise kam der Heilige Geist am Pfingsttage nicht: Die Gläubigen, die an dem einen Ort versammelt waren, waren von Natur aus nicht "heilig, unschunldig, unbefleckt", wie es der Herr Jesus, ihr Heiland, Seinem Wesen nach war. Deswegen ist hier von Feuer die Rede. Die Zungen, die sich auf einen jeden von ihnen setzten, waren wie von Feuer. Feuer ist ein Bild der Gerechtigkeit und des Gerichts. So lernen wir hier eine sehr wichtige Wahrheit: Das Zeugnis der Gnade Gottes ist, obwohl es lauter Gnade ist, nichtdestoweniger auf die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes gegründet. Die Gnade herrscht - Gott sei Dank! -, aber sie herrscht durch Gerechtigkeit (Röm 5,21). Manche Leute haben von der Gnade Gottes eigenartige Vorstellungen. Sie verwechseln sie mit Zügellosigkeit einerseits (was den Gläubigen angeht) und mit Gleichgültigkeit andererseits (was Gott angeht) und meinen, wenn alles Gnade ist, dann können ja die Gläubigen drauflos sündigen. Das war auch die Sprache der unsichtbaren Gegner in Römer 6, denen der Apostel Paulus jedoch sogleich sein "das sei ferne" entgegenhält (Vers 1). Das Bewußtsein der empfangenen Gnade führt den Gläubigen vielmehr zu einem Leben in Gerechtigleit und Heiligkeit. Wenn wir in Gnaden, das heißt in der Gunst Gottes stehen, dann verpflichtet uns das in hohem Maße, uns von dem fernzuhalten, was Dem, der uns so geliebt hat, nicht gefällt. Ich habe oft gesagt: Wenn ich eine liebe Frau mein eigen nennen darf, dann kann ich doch, gerade weil sie mich liebt, nicht unbeschwert das tun, was sie verletzt und ihr von Herzen zuwider ist. Das ist ein ganz dummes Argument - diese Ansicht, daß, wenn man unter Gnade steht, man ja ruhig sündigen könne. Aber es ist nicht nur dumm, sondern - wie alle Erfindungen Satans - auch falsch und in die Irre führend, weil von Gott wegführend. Aber viele haben nicht nur von der Gnade falsche Vorstellungen, sondern auch von dem "Gott aller Gnade". Sie stellen sich vor, daß Gott dem Sünder gegenüber einfach nur Gnade walten lassen kann, wenn Er das wolle. Aber auch das ist absolut falsch (es wäre Gleichgültigkeit der Sünde gegenüber) und hat zu gefährlichen Irrlehren Anlaß gegeben. Gott kann nur auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit Gnade üben. Was immer die Barmherzigkeit Gottes für den Sünder ist. Gott kann nicht von Seiner Heiligkeit abgehen, die ein Opfer für die Sünde verlangte. Gott sei Dank! Er hat es, wie uns Hebräer 10 zeigt, in der Person Seines Sohnes, unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus gefunden. Aufgrund dieses einen Opfers hat Er nun "auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden" (Vers 14). Deswegen waren die Zungen "wie von Feuer": Das Bezeugen der guten Botschaft, ja, das Evangelium selbst ist unvereinbar mit dem Bösen.

Warum waren die Zungen "zerteilt"?

Damit sind wir bereits bei der Bedeutung der zerteilten Zungen. Daß dieses Zeichen gesehen wurde, spricht gewiß davon, daß jetzt das Evangelium der Gnade Gottes verkündigt werden sollte - nicht nur einem Volk, dem Volk der Juden, mit dem Gott Sich bis dahin allein beschäftigt hatte, sondern auch allen Nationen der Erde. Aus diesem Grund wohl waren die Zungen zerteilt. Als Gott eine ewige Erlösung erfunden hatte (Heb 9,12), konnte Er unmöglich weiterhin nur ein Gott der Juden, konnte der verherrlichte Christus unmöglich nur der Heiland eines Volkes sein. Juden wie Heiden sollten jetzt die kostbare Botschaft der Gnade hören. Für den Augenblick wirkte Gott in Seiner Gnade nur unter den Juden, dem Volk der Verheißungen. Aber der Grundsatz, daß das Evangelium auch den Nationen verkündigt werden sollte, wird in den zerteilten Zungen bereits angedeutet. Es war nur eine Frage der Zeit - und diese Zeit war tatsächlich nahe gekommen -, wann das Wort auch sie erreichen würde. Schon der Herr Jesus hatte in Johannes 10 von Seinen Schafen aus dem "Schafhof", den Gläubigen aus dem Volk der Juden, gesprochen und hinzugefügt, daß Er auch noch andere Schafe hätte, "die nicht aus diesem Hofe sind"; auch diese müßte Er bringen. "Und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein" (Vers 16). Das stand nun im Begriff, sich zu erfüllen.

Gottes Wort ein Beurteiler

Doch kommen wir noch einmal auf die Bedeutung des Feuers in Verbindung mit den zerteilten Zungen zurück. Wie wir bereits sahen, spricht Feuer von Gericht. In Verbindung mit den zerteilten Zungen weist es augenscheinlich auf die durchdringende, beurteilende Kraft des Worte Gottes hin: ist es doch "durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler (gr. kritikós = zum Richten fähig, 'Kritiker") der Gedanken und Gesinnung des Herzens, und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben" (Heb 4,12-13). Wir können sagen, daß die zerteilten Zungen wie von Feuer auf die Ergebnisse des Wortes Gottes in der Seele des Menschen hinweisen, ob er schon errettet ist oder nicht. Wenn sich jemand dem Wort, das sein Gewissen ins Licht Gottes zu stellen versucht, nicht unterwirft, wird ihn dieses Wort richten am letzten Tage (Joh 12,48). Wie ernst ist das! Statt dem zu glauben, was Gott in Seinem heiligen Wort sagt, sitzen manche Menschen über dieses Wort zu Gericht, maßen sich an, seine Kritiker sein zu können. Wenn sie in dieser Haltung bleiben sollten - Gott gebe jedoch, daß sie darüber Buße tun! -, werden sie einmal erfahren, daß dieses Wort ihr "Kritiker" ist. Sie werden dann auf tausend Fragen nicht eines antworten können, und dieses Wort wird ein unerbittlicher Zeuge gegen sie sein. Die gläubige Seele dagegen unterwirft sich dem Wort Gottes, sie läßt sich dadurch zum Selbstgericht führen. Und das ist immer die Vorstufe des Segens, eines unermeßlichen Segens, den dieses Wort dann in der Kraft des Heiligen Geistes vermittelt. Ein schönes Beispiel dafür, wie das Wort Gottes in Macht auf die Gewissen der Menschen einwirkt, finden wir in unserem Kapitel - die dreitausend Juden, denen es "durchs Herz drang", als sie die Worte des Petrus hörten, und in der Bedrängnis ihrer Seele ausriefen: "Was sollen wir tun, Brüder?" (Vers 37).

Geschah zu Pfingsten die FEUERTAUFE?

Noch eine Bemerkung sei gestattet, ehe wir weitergehen. Das, was zu Pfingsten geschah, und besonders die zerteilten Zungen wie von Feuer haben nichts mit der Feuertaufe zu tun, von der Johannes der Täufer in bezug auf den Herrn Jesus sprach: "Er wird euch mit Heiligen Geiste und Feuer taufen" (Mt 3,11). Die Taufe mit Heiligen Geist und die Taufe mit Feuer sind nicht ein und dasselbe. Sie werden zwar in einem Atemzug genannt, beziehen sich aber auf ganz verschiedene, zudem zeitlich getrennte Vorgänge. Am Tag der Pfingsten taufte Christus die Seinen mit Heiligem Geist. Wenn Er in Macht und Herrlichkeit auf die Erde kommen wird, um Sein Reich aufzurichten, wird Er zuvor Sein abtrünniges Volk "mit Feuer taufen"; "Er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer" (Vers 12). Die Tatsache, daß zwei so verschiedene Dinge in einem Satz zusammengefaßt werden, darf uns nicht zu den Schluß verleiten, als seien sie dasselbe. Oft läßt die Schrift den Aspekt der Zeit völlig außer Betracht, sie will uns vielfach die Dinge selbst, nicht ihre zeitliche Folge zeigen. Es ist wie mit zwei Bergspitzen, die von weitem betrachtet ganz nahe zu liegen scheinen, die aber, ist man erst einmal näher herangekommen, tatsächlich durch weite Täler voneinander getrennt sind. So spricht der Herr Jesus in Johannes 5, Verse 28-29, von zwei Auferstehungen, die dem Charakter nach gänzlich verschieden und zeitlich gesehen durch mindestens tausend Jahre voneinander getrennt sind - der Auferstehung des Lebens und der Auferstehung des Gerichts. Eine Auferstehung aller Toten auf einmal gibt es nicht nach der Schrift! Sie ist eine Erfindung des "Lügners von Anfang", der immer den Unterschied zwischen Gerechten und Ungerechten zu verwischen sucht. Ein weiteres Beispiel für eine Darstellungsweise findet sich in 1. Petrus 1. Die Propheten des Alten Testaments hatten von zwei Dingen geweissagt, die von weitem gesehen eng beieinander liegen mochten. die aber in Wirklichkeit nun schon fast zweitausend Jahre voneinander getrennt sind - von den Leiden des Christus und von den Herrlichkeiten danach (Vers 11). Wir leben heute im Tal zwischen diesen beiden "Bergspitzen".

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